EMPFEHLUNG, REVIEW

Blick in den Rückspiegel 2014

Für meinen diesjährigen Jahresrückblick habe ich den Schwierigkeitsgrad mal etwas erhöht… anstatt euch 5 Alben eines Genres um die Ohren zu knallen, versuche ich aus jeden Genre ein spezielles Album herauszupicken… dass da einige geile Alben auf der Strecke bleiben, ist mir klar… aber das hier ist die Quintessenz dessen, was mich im Jahr 2014 begeistert hat, mitunter unabhängig vom Erscheinungsdatum… für mehr Infos, checkt einfach meine Reviews. (chris)

FEINE SCHEIBEN 2014

COOGANS BLUFF – Gettin′ Dizzy
(Noisolution)
Bereits beim ersten Hören des Albums wurde mir klar, dass wir hier etwas ganz Besonderes haben… selten habe ich ein so lebendiges, organisches Album gehört! Es bläst mir regelmäßig die Rübe weg, wenn ich dieses Album höre und neben der grandiosen Produktion sind es natürlich auch die Songs, die ich persönlich für die stärksten der Band halte… und zwar vom ersten bis zum letzten Ton. Meisterwerk.
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DxBxSx – Kriegserklärung
(Elektrohasch)
Wenn DxBxSx etwas veröffentlichen, taucht es in meiner Jahresliste auf… warum?! Weil ich die Band liebe. Und weil sie endlich den Song “Isses nicht geil” auf Vinyl geritzt bekommen haben. Und weil ich will, dass sie nächstes Jahr wieder in meiner Liste auftauchen.
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KERMANIA – Kehre heim
(Ván Records)
Manchmal geschehen Dinge, die sind nur sehr schwer mit Worten zu beschreiben. “Begleite mich fort” ist unmittelbar an einem solchen Moment beteiligt und schafft es auch noch Monate später dieses eine spezielle Gefühl in mir wieder hervorzurufen. Die Musik, Natur und Emotionen waren in diesem Moment ein großes Ganzes.
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KING DUDE – Fear
(Ván Records)
Was der King oder der Dude für einen musikalischen Quantensprung gemacht hat, ist schier der Wahnsinn. Nach “Burning Daylight”, einem eher garstig anmutenden Dark Folk-Album, katapultiert er sich von Hier auf Jetzt in eine musikalische Liga mit NICK CAVE. Er singt von Angst und du willst tanzen. Ein Album, welches Dunkelheit und Licht wunderschön vereint.
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THE NULLL COLLECTIVE – De Monstris
(Aesthetic Death)
Funeral Doom aus dem Arsch der Hölle… Ich danke Stu von Aesthetic Death, dass er mir dieses Album zugeschickt hat, denn es ist so fies und böse, wie das Leben selbst.
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RAUHNÅCHT – Urzeitgeist
(Hammerheart Records)
“Urzeitgeist” ist eines der feinsten Black Metal-Alben, die ich je hören durfte. Epischer “Alpine Black Metal”, der alles hat, was ein schwarzes Metal-Album braucht.

SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES – Earth Air Spirit Water Fire
(Ván Records)
Das Review zu diesem Album ging am 01.01.2014 an den Start und wer hätte gedacht, dass knappe drei Monate später Selim Lemouchi ein letztes Mal Schlagzeilen macht?! Die Art von Schlagzeile, die es nie über ihn hätte geben dürfen… Mit nur 34 Jahren nimmt der begnadete Musiker so viele Ideen und Emotionen mit ins Grab, die wir nun niemals hören dürfen. Es ist traurig, dass Menschen die mit einer solchen Kreativität gesegnet, gleichsam verflucht sind.
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TOM TOXIC – Rockabilly, Bier und Frauen
(Wild Turtle Record Company)
Ja, der Tom… wer so die anderen Bands betrachtet, die mir das Leben im Jahre 2014 versüßt haben, mag wohl kaum glauben, dass ich gerne mal ein flockiges Rockabilly-Album auflege und munter mit dem Fuß wippe. Aber TOM TOXIC ist eine Quelle der positiven Energie für mich. Er drückt, ob Solo, mit seinem TOLLHAUS TRIO oder mit den HOLSTEIN ROCKETS, die richtigen Knöpfe und zackbumm vergesse ich die Sorgen und möchte mich nur um Rockabilly, Bier und meine Frau kümmern, das Leben genießen und mit Freunden eine schöne Zeit haben.

WALK THROUGH FIRE – Hope is Misery
(Aesthetic Death)
Wer wissen möchte, welches Album für mich ganz persönlich das schwärzeste, destruktivste, erbarmungsloseste, brutalste, ehrlichste, reinigendste, erlösenste Album aller Zeiten ist… bitte sehr: “Hope is misery”. Mehr muss ich dazu nicht sagen.
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Weitere Bands und Alben, die mich dieses Jahr sehr beglückt haben, im Schnelldurchlauf:
COBRA – “Lethal Strike” und “From Hell” (die Re-releases von Ván Records machten es mir möglich, diese unglaublich geile Metalband kennen zu lernen)

MANTAR – “Death by burning” (Musik wie ein Axthieb eines garstigen Orks)

PETER PAN SPEEDROCK – “Buckle up and shove it” (ein Album wie ein Donnerschlag)

WARNING – “Watching from a distance” (warum ich diesen Meilenstein erst jetzt entdecke, weiß ich nicht. “Faces” ist einer der besten Songs aller Zeiten. Aller Zeiten!)

KONZERTE

Leider waren es dieses Jahr nicht so viele Konzerte, wie ich es mir gewünscht hätte, aber jedes hat Spaß gemacht. Checkt einfach unsere Konzertberichte, denn hier alles zu wiederholen, macht keinen Sinn… in den Reviews habe ich schon alles gesagt. Aber einige Gewinner an der Livefront möchte ich euch namentlich nicht vorenthalten: HAMFERD, EPITAPH, DREAD SOVEREIGN, COOGANS BLUFF und die mächtigen MANTAR.

FILME


Es war filmhistorisch ein Genuss, was dieses Jahr passiert ist:

filmArt haut neben kleinen Martial-Arts Filmperlchen “Jen Ko” oder “Die gelbe Hölle des Shaolin” auch das ganz große Kino raus: “Der Killer von Wien” in der “filmArt Giallo Edition”, “Der Tag der Cobra” in der “filmArt Polizieschi Edition” oder das Weltkulturerbe “Töte Django” als Blu-Ray.

ANOLIS legt etliche HAMMER-Filme in lohnenswerten Blu-Ray-Auflagen auf, so dass ich mich auch nicht schäme, die Filme doppelt im Regal stehen zu haben. Mehr davon!

Den audiovisuellen Orgasmus hat mir allerdings ′84 ENTERTAINMENT beschert: “Suspiria” in HD auf Blu-Ray. Ich habe die Veröffentlichung im Review so abgefeiert, dass ich mir alle weiteren Worte spare. Übrigens: nein, ich habe kein Geld für die Jubelarie erhalten, sondern mir die Blu-Ray ganz normal gekauft. Aber was geil ist, muss gefeiert werden… und nachdem ich mir “Argento′s Dracula” angucken musste, war es umso erlösender, diesen Meilenstein neu zu erleben.

Koch Media veröffentlicht weiterhin die “Twilight Zone”… Staffel 2 und Staffel 3 erblicken 2014 das Licht der Welt und beglücken mich jedes Mal auf′s Neue.

Der “moderne” Film des Jahres dürfte aber das Drama “Metalhead” sein… eine Geschichte über Außenseiter, der so feinfühlig und tief gezeichnet ist, dass man sich auch abseits des Metals wiederfinden kann. Aber die Leistung, einen Film über einen Heavy Metal-Fan so frei von Plattitüden zu zeichnen, ist die herausragende Leistung von Ragnar Bragason. Danke, Ragnar.

SPECIALS


Antonius Rex / Jacula – History

Im Zuge des okkulten Rock-Movements habe ich mich immer gewundert, warum sich keine der aktuellen Bands offen auf JACULA oder ANTONIUS REX bezieht… und habe die mehr als einjährige Mammutarbeit auf mich genommen, eine deutschsprachige History zu erarbeiten, natürlich unter der aktiven Mitwirkung des Maestros Antonio Bartoccetti höchstpersönlich. Also, eher via eines regen E-Mail -Austausches. Aber egal… die Infos stammen alle aus erster Hand und vermischt mit meinem Senf zu sämtlichen Veröffentlichungen der italienischen Kultband habt ihr gleich einen dreiteiligen Geschichtsunterricht vor euch!

Antonius Rex / Jacula – History Part 1
Antonius Rex / Jacula – History Part 2
Antonius Rex / Jacula – History Part 3

VINYL


Vinyl wurde lange Zeit verschmäht, aber ist nun wieder stärker auf dem Markt vertreten, als je zuvor. Es gibt eigens Labels, die nichts anderes als Vinyl zum Verkauf anbieten, die Re-Releases boomen und es gibt nur noch wenige Neuveröffentlichungen, die man nicht auf Vinyl bekommen kann.

Vinyl zwingt dich zur Entschleunigung, denn nach knapp 20 Minuten musst du dich bewegen, um mehr von deiner Lieblingsmusik zu bekommen. Der warme Klang, ob nun objektiv vorhanden oder subjektiv empfunden, lädt förmlich dazu ein, es sich mit einem Getränk seiner Wahl gemütlich zu machen und Musikhören zu zelebrieren, anstatt die 1.106 Stunden lange Playlist eures mp3-Players im Shufflemodus die Arbeit für euch erledigen zu lassen. Bewusstes Musikhören, statt Berieselung ist hier Programm. Ob man dabei auf alte Originalpressungen schwört oder sich ein remastertes Schätzchen nach Hause holt, ist eine reine Glaubensfrage und sei jedem überlassen.

Ich persönlich liebe es zwar, den Klang eines Albums so zu hören, wie er ursprünglich mal geklungen haben soll, aber ich muss den Vinylfans eine Sache ans Herz legen: die neu aufgelegten LED ZEPPELIN-Alben auf Vinyl. Ich habe noch nie einen Klang gehört, wie bei der Deluxe Edition des Albums “I”. Dieses Album, ursprünglich am 12.01.1969 veröffentlicht, springt dich an, es lebt, es kratzt, es beißt. Die Instrumente sind überall, aber ganz fein und dennoch mit voller Wucht. Wann immer ich jemandem meinen neuen Plattenspieler vorstelle (Adieu, liebes Weihnachtsgeld) muss es diese Scheibe sein, denn sie ist eine Referenz, wenn es um Musikproduktionen geht. Besorgt euch aber unbedingt die “Deluxe Varianten” mit den “Companion Discs”… Hammer!

Ähnliches gilt für die sensationelle “Live at the Rainbow ′74” – Box von QUEEN, bei denen ihr zwei Konzerte aus dem Jahr 1974 auf vier LPs bekommt. Die Qualität der Musik ist unglaublich, die Produktion sauber und die Scheiben sind absolut state-of-the-art.
Wer QUEEN nur aus dem Radio kennt, kennt nicht die QUEEN, die ich verehre, denn damals waren sie feinster Hard Rock mit Ohrwurmqualitäten, progressiv und eingängig zugleich; ein Gesamtkunstwerk von makelloser Schönheit. Ich habe lange überlegt, ob ich so viel Geld für eine 4fach-Vinyl-Box ausgeben soll (ca. 70 Euro), aber jeder Cent hat sich gelohnt.

Was mir just in diesem Moment beim Schreiben auffällt: von den neun vorgestellten Scheiben im oberen Bereich, habe ich mir 5 Stück nach dem “Genuss” als mp3 (Achtung, Sarkasmus) als Vinyl geordert. In diesem Jahr habe ich so viel Kohle in Vinyl investiert, wie in den letzten 10 Jahren nicht, aber das soll nicht elitär klingen, dennoch liebe ich es.

Mit den besten Wünschen für 2015…
Chris