IAN LEDING
„Wake up“
(Wave Rock/Alternativ Rock)
Wertung: Sehr gut
VÖ: 17.04.2026
Label: Eigenproduktion / Hall+Echo
Webseite: Instagram / Facebook / Bandcamp
IAN LEDING hat mich kürzlich mit seiner „Borkum“ MC voll mitgenommen und gefesselt. Trotz all des schweren Ballastes konnte ich dieses Werk voll genießen. Nur kurze Zeit später gibt es mit Full Band Line Up (neben Leding noch Steve Leafs an den Drums und Detlef Kasper am Bass) ein ganz anders geartetes Werk. Zwar bleibt es dunkel, aber diesmal geht es in Richtung Goth/Wave Rock mit einem Schuss Alternative Rock. Schon mal vorweg, auch dieses Album ist gelungen. „Wake up“ glänzt mit dunklen Melodielinien, rockigen Saiten und einem betörenden Gesang, der sich einer poetischen Sprache bedient. Die Texte erzählen von inneren Kämpfen, Verlust und der zarten Hoffnung auf Heilung.
Das treibende und von einem verspielten Schlagzeug begleitete und von einem langen, zweiminütigen Intro eingeleitete „Angel“ eröffnet den Reigen voller elegischer Klangteppiche, welche sich perfekt an den typischen Gesangsstil von Ian schmiegen. Ian glänzt mit einer verführerisch wehklagenden, leicht rauen Stimme, wobei der akzentuierte Ausdruck immer ein wenig melancholisch daherkommt. Das mit einem durchdringenden Refrain daherkommende „Girl with the far away Eyes“ besitzt eine verträumte Atmosphäre, welche in der Hookline dann zu explodieren droht. Die darkwavige Melodie glänzt mit einer betörenden Eingängigkeit. Die Geschichte des Mädchen wird mit einer bildgewaltigen Sprache dargeboten.
„Night Horses“ beginnt schleppend und balladesk. Die Instrumentierung ist eher akzentuiert als bestimmend. Das Konstrukt ist fragil und die textliche Poesie folgt der verträumten Tragik. Das folgende „No one sleeps tonight“ ist wieder etwas heftiger arrangiert. Die Gitarren sägen ihre Harmonie, ein kleiner, fast versteckter Ausflug in die Gefilde des Shoegaze vervollständigt die latent ambivalente Ausrichtung des Songs. Der Refrain schleicht sehr gefühlvoll in die Szenerie, während in den Zwischenspielen immer eine galante Schräge thront, auch Ian lässt seine Stimme mal etwas kratziger spazieren gehen.
Das wunderschöne „When youth begins to fade“ erzählt eine Geschichte aus der Jugend und dem, mit Ängsten verbundenen Gedanken des ersten Kennenlernens, die langsam zu verblassen scheinen.
Komisch, aber irgendwie lässt mich dieses „Strange World“ anhand seiner tragischen Eleganz irgendwie U2’s ’87er Album erinnern. Ein ganz großartiger Song, der irgendwo zwischen Stadionhymne und Gänsehautatmosphäre sein Zuhause findet. Ian selbst bezeichnet den Song als einfach – manchmal sind es eben die einfachen Dinge, die begeistern. Dann geht es um den doch facettenreichen „Leviathan“, den man aus der Bibel oder von Hobbes kennt. Ian lässt eher das Ungeheuer agieren, den Hiob (Kapitel 40-41) als unbezwingbare Kreatur schildert. Wie Hobbes könnte aber auch Leding den Leviathan als Metapher benutzen. Der Titelsong ist ein düsteres, langsam fließendes Stück mit verzwicktem kurzen Text und abschließendem progressiven Ausklang, welche der ruhigen Eleganz mit verspielter Straightness begegnet. Auch das tagträumerische „Beyond words“ bewegt sich zu Beginn eher getragen in die Gehörgänge. Geschickte Temposteigerungen und ein opulentes Finale sorgen für einen gelungenen Ausklang.
Fazit: Ich hab in den vergangenen Monaten einige Zeit (aufgrund von Reviews und Interview) mit der Musik von IAN LEDING verbracht. Die Borkum MC gehört zu meinen Klassikern der letzten Jahre (ich werde auch zukünftig immer wieder gerne reinhören). Und irgendwie ist das Besondere an der Geschichte, ich konnte alle Zeit mit verschiedenen Gefühlswelten genießen. So unterschiedlich „Borkum“ und „Wake up“ auch sind, eint sie doch das Gefühl für besondere Musikmomente und die Tiefgründigkeit. (andreas)
Zusatz: Am 25.04.26 Ian Leding mit „The Vile Ends“ in der Alten Pauline in Detmold zu Gast.
https://www.detmoldplus.de/deathmold-darknight-in-der-alten-pauline-detmold/
