REVIEW

SIG:AR:TYR “Godsaga” (Folk / Black Metal)

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“Godsaga”
(Folk / Black Metal)

Wertung: gut

: 01.11.2015 (Re-release)

Label: Hammerheart Records

Webseite: Homepage, Facebook

Das Label Hammerheart Records veröffentlicht dieser Tage drei Alben der kanadischen Ein-Mann-Band SIG:AR:TYR neu: “Sailing the Seas of Fate” (2005), “Beyond the North Winds” (2008) und “Godsaga” (2010). Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass die Alben auf dem kleinen MORBID WINTER RECORDS-Label erschienen sind und nicht so eingeschlagen haben, wie sie meiner Meinung nach eigentlich sollten.

Die Evolution, die Daemonskald auf diesen drei Album durchläuft, ist schon sehr beeindruckend und es ist erfreulich, dass dieses Ein-Mann-Projekt nicht in die Falle tappt, die viele Projekte dieser Art zunichte machen: er verzettelt sich niemals in irgendwelchen nutzlosen Ideen, sondern ist auch allein in der Lage, seine Musik höchst fokussiert auf den Punkt zu bringen.

Das erste Album “Sailing the Seas of Fate” wirkt im direkten Vergleich mit den beiden anderen Alben noch etwas naiv und nicht so perfekt ausbalanciert, wie die Nachfolger, aber Spaß macht es immer. Die Stärke der “Band” liegt seit Beginn offenkundig auf der musikalischen Vielfalt, der sich Daemonskald verschrieben hat. Neben atmosphärischen Keyboards und akustischen Parts, die den hohen Folk-Anteil ausmachen, liebt er es auch, sich an der E-Gitarre auszutoben und shreddert das eine oder andere Solo raus. Manchmal denkt man, dass diese metallische Virtuosität im Gegensatz zur naturinspirierten Musik dient, aber als Gegensatz passt es eigentlich ganz hervorragend (z.B. “Under the Dragon Star”). Bei “Verdandi” werde ich das Gefühl nicht los, dass Daemonskald auch gerne mal Brian May und QUEEN lauscht…
Hammerheart Records preisen das Album völlig zu Recht für Fans von BATHORY, FALKENBACH und MANOWAR an.

Das zweite Album “Beyond the North Winds” führt den Weg konsequent fort und doch ist einiges anders: die Kompositionen sind eindeutig zwingender geworden, die Keyboardsounds passen sich ungleich besser in das Geschehen ein und die Songideen sind eindeutig gereift… allein der Opener “King of the World” ist ein Knaller. Die Mischung aus Riffs, akustischen Parts und einer einnehmenden Atmosphäre ist großartig. Die orientalisch anmutenden Riffs sind bei dem Titeltrack nur eine Besonderheit, den auch dieser Track platzt beinahe vor Ideen. “Under the Mountain” ist mit seinem Klargesang einfach nur episch zu nennen und ich denke Quorthon wäre stolz auf SIG:AR:TYR, wenn er diesen Song hört. Bei “Etched in stone” singt Daemonskald wieder herrlich garstig und lässt den epischen Black Metal wieder etwas die Oberhand gewinnen. Aufgrund der kalten Atmosphäre und den unglaublichen Gitarrenparts ist es mein momentaner Lieblingstrack, der sich immer wieder lohnt. “Far away” ist der krönende und wunderschöne Abschluss des Albums, mit dem man auch die nichtmetallischen Freunde und Freundinnen etwas an die Band heranführen kann!

Die Konzeption und musikalische Bandbreite macht das zweite Album von SIG:AR:TYR sicherlich nicht nur für Fans von BATHORY, FALKENBACH, HELRUNAR und MOONSORROW interessant, auch Freunde von ARSTIDIR LIFSINS sind eingeladen, dieses Album aufzusaugen.

Album Nummero 3 nennt sich “Godsaga” und ist ursprünglich 2010 erschienen und wieder erscheinen die Kompositionen eine Spur erwachsener. Natürlich: wer bisher nicht auf die speziellen Keyboardsounds stand, wird auch auf dem dritten Album keine Freude haben, aber wer sich an guter, handgemachter und hingebungsvoller Musik ergötzen kann, wird auch hier wieder fündig. Mitunter erweiter Daemonskald sein Portfolio um Einflüsse, die ich TIAMAT zuschreiben möchte (z.B. “Sonatorrek”) und ich bin hingerissen von der unglaublich ausgewogenen Balance zwischen akustischen Gitarren, atmosphärischen Parts, Wutausbrüchen, Flamenco-artigen Gitarren und der Epik, die auch dieses Album zu etwas Besonderem machen. Neben “Sonatorrek” ist “Eternal Return” noch ein empfehlenswerter Anspieltipp!

Wieder geht die Empfehlung raus an Freunde von BATHORY, FALKENBACH, HELRUNAR, MOONSORROW und THYRFING.

Das vierte Album “Northen” steht bereits in den Startlöchern und ich bin wahrlich gespannt, wie die verhältnismäßig lange Pause von fünf Jahren sich auf die neuen Kompositionen ausgewirkt hat. (chris)