EMPFEHLUNG, REVIEW

SALVATION AMP “Earth We Walk Upon” (Gothic Rock/Wave)

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“Earth We Walk Upon”
(Gothic Rock/Wave)

Wertung: Empfehlung!

VÖ: 18.05.2015

Label: Eigenproduktion

Webseite: Bandcamp / Facebook

Die vor allem live sehr umtriebigen Ostwestfalen veröffentlichen mit “Earth we walk upon” ihr zweites Werk. Ganz einfach zu beschreiben ist dieses Album nicht, da es hier nicht ausreicht, einfach das Goth Rock Label zu strapazieren, was auch daran liegt, dass Gitarrenläufe, Melodielinien und auch der ausladende Songaufbau des öfteren an die Pre Goth Rock Ära erinnern, soll heißen, dass man hier auch mal in Punkto Poesie, Tragik oder Melancholie an Bands wie The Doors erinnert wird.

Dass man fast cineastisch an die Dramaturgie herangeht, beweist das instrumentale, mit Geräuschkulisse versehene “( Iam the flood)”, welches sich nicht entscheiden kann, ob es verführerisch oder bedrohlich die Gehörgänge als Durchgangsstation für Gedankenbilder benutzt. Perfekt der Übergang ins schwermütige “mother Talk”, welches in seiner schleppenden Elegie an “Lights” von Sisters erinnert. Eine Spur romantischer, mit verspielten Wave Pop-Anleihen erklingt “anachron”. Die Stimme hat im Mark etwas leidendes in den Stimmbändern, so als würde Crist-ian Victor Hugo vertonen. Wobei der Fluss der Melodie geschickt mit der der schrägen Konstante aus Bass, Drums und Gitarre harmoniert. Wie mit Weichzeichner arrangiert, düpiert “way” die Düsternis und zelebriert eine verführerische Klangskulptur, die sich samten in die Gehörgänge schleicht. Ein wohliger Schauer läuft bei “shine” über den Rücken. Die dezent abgehackten Stimmvariationen im Spiel mit den Gitarren erinnern ein wenig an die ruhigen Momente der Lorries. Das Riffing an den Saiten hat etwas von Simon Hinkler. Tja und dann kommt ein Song, der mich an die glorreichen 80er erinnert. Irgendwo zwischen The Bolshoi und Echo & and the Bunnyman angesiedelt besitzt “Prince of Silence” eine unbekannte Seite der Band. Denn hier agiert man mit einer Leichtigkeit, dessen Fröhlichkeit überrascht. Allerdings beherbergt dieser Song genügend Melancholie um nicht aus dem schwarzgoldenen Rahmen zu fallen. Ein qualitativer Hochgenuss, wobei selbst Christ-ian ein wenig die Atemlosigkeit im Finale Furioso gut zu Gesichte steht. Herrlich flirrende Saiten mit der nötigen Vehemenz an Dunkelheit bestimmen “earth we walk upon”. Dezent eingestreut ein galanter Hall, der die stimmungsvolle Kelleratmosphäre mit einer latent kalten Eleganz verbindet. Und wo andere Bands einen Rausschmeißer haben, gibt es bei S.AMP ein Schlußepos in bester Cavescher Eleganz. Ja, auch Gitarren können weinen. Kennt einer “Shivers” von Boys next door, in etwa so setzt das Trio den Endpunkt. Wunderschöner Dark Rock, der einem seine Depression farbenfroh in die Arme der Ausgeglichenheit sinken lässt.

Fazit: Ich brauchte mehrere Anläufe, um die Qualität zu erkennen. Das einfache Strophe/Refrain-Spielchen ist eh nicht in OWL zu Hause. Das Spiel zwischen kühler Ästhetik (Bass) und verspielter Düsterrock-Attitüde (Gitarre) liefert den perfekten Grund, auf dem sich Sänger Christ-Ian austoben kann. Wobei austoben eher der Variabilität der Stimme aufoktroyiert ist, um den Exkurs durch die Stimmbandakrobatiken der 80er zu beschreiben (Andrew, Greg Sage, Chris Reed, McCulloch, Rüdiger Frank). Es gelingt, die Tragik der Texte zu transportieren und gleichwohl das alte Dreischritt Experiment der Schwarzgewandeten zu unterstützen. Für die vielen Vergleiche entschuldige ich mich. Ich hab einfach dieses Wave-Bad genossen und dabei in Erinnerungen geschwelgt.

salvation AMP
Christ-Ian – guitars/ voices
Caveman – bass
Steve Leafs – drums