REPTIL “Throne Of Collapse” (Industrial Metal)

Online seit 4.08.2017

REPTIL

“Throne Of Collapse”
(Industrial Metal)

Wertung: Gut

VÖ: 19.05.2017

Label: Razor Music /Soulfood

Webseite: Homepage / Facebook

Mit reichlich Getöse wird das Debüt der Industrial Metaller im Beipackzettel angepriesen und auch die musikalische Reise durch ver- bis zerstörerischen Klangspektren ist ein Noisegewitter erster Güte, wobei man überraschenderweise neben Blitz und Donnerhall eine balladeske Note mit pseudoakustischen Extravaganzen integriert. Quasi der Niesel zwischen Starkregen-Attacken.

Gleich der instrumentelle Opener liefert reichlich Krach, wobei der Industrial ebenso gewaltig wie tiefdüster daherkommt. Die phobische Dramatik ist schon mal erzeugt und man kann mit dem folgenden “Reptil Inc” ans Eingemachte gehen. Zügellos, wild und roh hämmert und rifft es durch die Kellerlaboratorien des Industrials. Der Gesang bleibt wütend und rotzig. Ganz anders ist der eher ruhige Titelsong aufgebaut, wobei hier die stimmliche Variabilität am besten zur Geltung kommt. Bedrohlich flüsternd bis melodisch verrucht erheben sich die Stimmbänder über ein melancholisches Surrogat voller beängstigender Soundgebilde. Ebenso getragen geht es mit “One World One Vision” weiter. Auch hier gibt es wieder diese geflüsterte Stimmbandakrobatik, welche hier mit einem samtenen Trauerflor bedeckt daherkommt. Die Instrumentierung ist eher dezent, es ist eher eine Geräuschkulisse voller verwirrender Klänge, welche nach einer Sezierung zur Melodie zusammengebastelt wurde. Keine Ahnung, wie es der Band hier gelingt in Harmonie zu baden, aber sie plantschen gemütlich im Becken der Melodie, wobei reichlich schwarze Galle das Gewässer färbt. “Soulride” und das mit elektronischen Spielereien daherkommende “Quantum Trojan” haben das nichts mehr von der innewohnenden Ruhe, denn hier geht’s wieder richtig zur Sache, auch die Vocals lassen sich zu manch wütenden Geschrei hinreißen. Im Mittelteil von “Soulride” hatte ich kurz das Gefühl, seine Bandkollegen hätten den armen Sänger mit irgendwelchen Werkzeugen gequält. Naja, früh genug wird das Safe-Wort genannt. Ansonsten bestimmt hier ein zerstörerisches Schlagwerk, welches stampfend die wilden Schreiattacken untermalen. Zwischendrin latent wagnerischer Orchestral Bombast. Hier wummert und wuchtet aus allen Ecken, wie die Spinnen stürzen sich die extravaganten Sounderuption ins Nirwana. Lemminge auf dem Weg zur Hölle. Kompromisslos.

Fazit: Was auf dem erstem Ohr wie eine konzeptionslose Chaostheorie klingt, lässt den zukünftigen Hörgang teilnehmen, an einer unglaublichen Detailverliebtheit. Nine Inch Nails hier, verschrobene Klangspektren a la Neubauten dort. Stringente Dissonanzen, welche Sigillum S aufleben lassen. Hernach gibt es die Verschmelzung von Krupps und Skinny Puppy. Des Wahnsinns wilder Haufen lässt sich dann und wann hinreißen, einem Industrial zu frönen, dessen balladeske Ästhetik in betörende Melodieläufe integriert wird. Der Hörer darf und wird staunen. (andreas)

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