REVIEW

PYRE OF DESCENT „Albedo“ (Goth Rock / Psychedelic Rock)

PYRE OF DESCENT

„Albedo“
(Goth Rock / Psychedelic Rock)

Wertung: Gut+

VÖ: 23.09.2026

Label: Swiss Dark Nights / Rubeus Obex

Webseite: Facebook / Bandcamp

Da staubt das Mehl aus allen Knochen, da dichtet der Nebel jegliche Sicht. An wen erinnert mich diese Band bloß. POD kommt überraschenderweise nicht von der Insel, sondern ist eine deutsche Band, die mit „Albedo“ ihr Debüt vorlegt und dabei voll überzeugen kann. Besonders die rohe Herangehensweise mit verschachteltem Goth Rock, tief dunklen, rauen Stimmbändern und die Melange aus düsterem Rock, leichtem Prog Rock und eleganter Melancholie. Ganz neu ist die Band dabei nicht. Mit „Peaks of Eternal Light“ veröffentlichte PYRE OF DESCENT bereits 2020 ein Werk mit vier längeren Stücken. Das Album verbindet dunkle Rock- und Metal-Elemente mit psychedelischen und okkulten Einflüssen.

Der Einstieg fällt mit dem verführerisch intonierten “ Akeldema“ sehr leicht. Die Saiten flirren, das Schlagzeug schleppt sich verführerisch in die Manege, der tieftönende Gesang ist dann nur noch das riesige I-Tüpfelchen auf einen Kuchen, dessen geschmackliche Bittersüße einem irgendwie bekannt vorkommt. „Die for us“ ist eine Spur druckvoller arrangiert. Besitzt aber ebenso die galante Schwere der Fields.

Mit den psychedelischen bis extrem progressiven Ausuferungen von „Love’s Sombre Death“ dürften Fans der Fields sowie Hörer mit moderner, zeitlich reduzierter  Auffassungsgabe erste Probleme haben. Wobei hier eine schwebende Energie herrscht, die sich an eine elegante, dennoch recht ausladende, leicht LSD-vernebelte Elegie schmiegt. Mit „Aphotic Light“ erreicht „Albedo“ einen seiner atmosphärischen Höhepunkte. Der Titel – sinngemäß „lichtloses Licht“ – fasst dabei treffend die zentrale Spannung des Albums zwischen Dunkelheit und Erleuchtung, Verzweiflung und spiritueller Ekstase zusammen. Über sakrale Chöre, düstere Melodiebögen und psychedelisch angehauchte Passagen entwickelt der über achtminütige Song eine beinahe rituelle Sogwirkung. Dabei wirkt die Dunkelheit nie eindimensional, sondern wird zum Ausgangspunkt einer inneren Suche. „Aphotic Light“ steht damit exemplarisch für die alchemistisch und mystisch geprägte Bildwelt von „Albedo“ und bildet zugleich ein wichtiges Bindeglied zwischen den kompakteren Stücken der ersten Albumhälfte und den ausufernden, zunehmend psychedelischen Klangwelten des Schlussdrittels.

„At Sea“ ist mit über 10 Minuten das vorletzte und zweitlängste Stück auf „Albedo“ und wirkt dadurch schon von seiner Anlage her wie ein ausgedehnter Übergang zum abschließenden „Fever The Depths Of Creation“ (dazu später mehr). Das Stück könnte wie ein allmähliches Sich-Verlieren in einer fremden, beinahe traumartigen Klanglandschaft beschrieben werden. Den endgültigen Sog entwickelt „Albedo“ schließlich mit dem 13-minütigen „Fever The Depths Of Creation“. Der Song wirkt weniger wie ein gewöhnlicher Albumabschluss als wie eine letzte, ausufernde Reise in jene Tiefen, die sich durch die gesamte Platte ziehen. Schwere, psychedelische Passagen, dunkle Melancholie und sakral anmutende Momente verdichten sich zu einem Klangbild, das zunehmend den Charakter eines Rituals annimmt. Dabei arbeitet PYRE OF DESCENT bewusst mit Raum und Dynamik: Der Song lässt sich Zeit, baut Spannung auf und entfaltet seine Wirkung nicht durch spektakuläre Einzelmomente, sondern durch stetige Verdichtung. So wird aus den zuvor etablierten Motiven von Dunkelheit, Transformation und spiritueller Suche schließlich ein beinahe entrücktes Finale. „Fever The Depths Of Creation“ lässt „Albedo“ nicht einfach enden – der Song entzieht dem Album vielmehr den Boden unter den Füßen und lässt es in einem Zustand zwischen Auflösung, Ekstase und völliger Entrückung zurück. Besonders gelungen ist dabei den Bogen zu „At Sea“: Dort treibt man noch orientierungslos durch die Dunkelheit, während „Fever The Depths Of Creation“ diesen Zustand gewissermaßen bis zur völligen Auflösung weiterführt.

Fazit: PYRE OF DESCENT bewegen sich auf dem Werk in einem musikalischen Umfeld, das sich nur schwer auf ein einziges Genre reduzieren lässt. Im Mittelpunkt stehen dunkle, atmosphärische Klanglandschaften und eine starke Beschäftigung mit innerer Abgründigkeit. Die Songs drehen sich um Themen wie Licht, innere Alchemie und spirituelle Ekstase im Spannungsfeld von Werden und Vergehen. Bereits die Beschreibung der Band auf Bandcamp versteht PYRE OF DESCENT als eine Art „inward pilgrimage“ – eine Reise in die Tiefen der eigenen Dunkelheit, weg von äußeren Formen und hin zu Symbolen, Archetypen und schließlich einem Zustand jenseits klarer Grenzen.“Albedo“ erscheint als Kooperation mit Rubeus Obex auf Vinyl und über Swiss Dark Nights auf CD.“ (andreas)