REVIEW

REQUIEM IN WHITE „The Visible Heaven“ (Goth Wave/Heavenly Voices)

REQUIEM IN WHITE

„The Visible Heaven“
(Goth Wave/Heavenly Voices)

Wertung: Gut

VÖ: 18.05.2026

Label: The Circle Music

Webseite: Facebook / Bandcamp

Zwischen 1985 und 1994 erschuf die Gothic-Rock-Formation ein faszinierendes musikalisches Universum, das düstere Klanglandschaften mit romantischer Theatralik verband. Nach langer Pause (30 Jahre) meldete sich die Band 2025 mit der Compilation „Hymnal Of Remembrance“ zurück. Nun gibt es nach über 30 Jahren auch endlich neues Material der Formation um das Duo Lisa Stockton-Wilson (Gesang) und Doc Hammer (der Rest).

Der Opener, Titelsong und zweite Single-Auskopplung ist ein kraftvoller, teils mit harten Saiten ausgestatteter Gothic-Rock-Song, der natürlich aufgrund des typischen voluminösen Gesangs von Lisa in eine ganz andere Nische blickt. Neben der druckvollen Ausrichtung, gibt es hier auch die sphärischen, ruhigen Momente als Kontrapunkt.

„Ursuline Sister“ überzeugt mit einer sakralen Grundstimmung und wehmütigen Saitenklängen, die phasenweise bedrückend daherkommen und von doomigem Charakter beseelt sind. Auch mal leicht schräge Gitarren im Shoegaze-Format umgarnen den Sopran von Lisa in „True Lovers and Whores“ während „Missa Brevis“ galant beginnt, bevor die Saiten und der Gesang die Heftigkeit erkennen, leicht tragisch ist hernach die Ausrichtung. Der geschickt aufbauende Bombast bleibt sich treu und unterstützt die galant eingestreuten Hooks. Hier sind es betörende Choräle, die gänsehautartig dem Hörer entgegen blicken. „Solus sum“ ist im Mark ein schweres Ungetüm mit doomiger Note, welches sich im Gesamtbild aber der Lieblichkeit des Gesangs hingibt. Durchaus poppige Tendenzen verbergen sich in der eleganten, duettartigen Darbietung der Stimme.

„Suffer and Sleep“ hat einen orientalischen Charakter und fährt eher die seichten Gewässer an. Die hypnotische Rhythmik, in Verbindung mit dem theatralischen, opernhaften Gesang hat etwas betörend entrücktes. Der wunderschöne Schlusssong hat in seinem musikalischen Mark reichlich The Mission integriert, während durch den Gesang Fans von Heavenly Voices oder des 4AD Labels getriggert werden könnten.

Fazit: Fast 30 Jahre nach ihrer letzten VÖ (wir nehmen die VÖ von 2025 der frühen Demos aus) gelingt dem Duo ein faszinierender, klangstabiler Kleinod voller kleiner Anekdoten der dunklen Musik. Im Endeffekt ist es diese Stimme, die dem Underground eine schöne Facette verleiht. Das Gesamtbild der Musik lugt in Richtung Dead can Dance und bleibt sich doch treu. Goth Rock mit einer eloquenten Note. Hinzu kommen leichte Extravaganzen des Death Rock, ein wenig Krach und ganz viel Harmonie der Protagonisten. (andreas)