REVIEW

FEVERDREAMT „Our Only Fault Is Existing“ (Dark Wave / Folk Noir)

FEVERDREAMT

„Our Only Fault Is Existing“
(Dark Wave / Folk Noir)

Wertung: Gut

VÖ: 03.07.2026

Label: Blackjack Illuminist Records

Webseite: Facebook / Bandcamp

„Our Only Fault Is Existing“ ist das vierte Werk des düsteren Dark-Wave- und Dark-Folk-Projekts FEVERDREAMT des Berliner Musikers und Labelbetreibers Alexander Leonard Donat. Das Gesamtwerk erklingt wie ein cineastisches Psychodrama in mehreren Akten. Egal ob man zuvorderst die dunklen, meist minimiert erscheinenden Soundstrukturen oder die bedrückenden Texte betrachtet, es ist dieser immanente, gefühlvolle fast nihilistische Geniestreich, eine bedrückende Atmosphäre mit der Erhabenheit des Genusses zu verbinden. Alexander war immer ein Musiker, der Konventionen ebenso hasste, wie übliche Songaufbauten. So bleibt auch hier das übliche Strophe/Refrain-Geplänkel außen vor. Eher bedient man sich einer schrägen Harmonie, die durchaus an bekannte Krautrock-Bands aus den 70ern erinnert.

Der in Tragik badende und in sich bedrückende Opener „Pure Existence“ beschäftigt sich mit den Narben des Lebens. Dezent stellt man sich die Frage, ob dieses leise tröpfeln der düsteren Soundeskapaden, eher mit Salz oder Verbandsmaterial daherkommt. Die reduzierte und teils verstimmt daherkommende Musik erschafft einen Rahmen, dessen Schwärze sowohl unterstützend wie zerstörend wirken kann. „Today Horrors“ beschäftigt sich mit der Alltäglichkeit, die Tiefe des Lebens zu akzeptieren oder sie zu negieren. Klanglich bewegt sich der Song zwar im Spannungsfeld des Albums, bewegt sich aber etwas weg von den verwaschenen Sphären, hin zu klar konturierten, kraftvollen Schablonen, die trotz aller Düsternis eine greifbare Energie transportieren. „The Buildings Whisper Your Name“ beschäftigt sich mit persönlichen Verlust(en), die Metapher ist genial und ebenso von einer architektonischen Klarheit, dass man Schreien könnte (müsste).

Zum Schluss gibt es das verhallte und in sich trauernde „On a high Note?“ Ein bedrückendes Kleinod, so schön, wie eine Baumumarmung in einem Tsunami. Das Leiden in exzellenter Manier mal einfach mit gefühlvoller, meist dezenter Musik instrumentiert. Die Lenkung auf Text oder Musik lässt den Hörer bei der Weggabelung keine einfache Wahl um sich zwischen kaum vorhandenen Alternativen zu entscheiden, sondern man lässt ihn allein, man lässt ihn allein zurück, mit seinen Gedanken, mit seinen Spiegeln… und das ist genial, Fragen müssen nicht zwangsläufig beantwortet werden, besonders wenn im Endeffekt Fragender und Antwortender identisch sind, nämlich der geneigte Hörer.

Fazit: Das Gesamtbild widmet sich fast märchenhaft den Spiegeln der persönlichen Umgebung. Da könnt ihr rein sprechen, ihr könnt es aber auch einfach genießen, ihr könnt die Melodie harmonisch nennen und den Text als ganz ganz großen, zerstörender Moloch interpretieren. Die Ambivalenz ist ähnlich wie bei The Smiths. Die Schönheit zeigt ihre Fratze und lächelt. (andreas)