REVIEW

GOLDEN APES „The Sun Came Up Tremendously“ (Melancholic Dark Wave)

GOLDEN APES

„The Sun Came Up Tremendously“
(Melancholic Dark Wave)

Wertung: Gut+

VÖ: 18.09.2026

Label: Icy Cold Records

Webseite: Homepage / Facebook / Wikipedia

Das neue Album „The Sun Came Up Tremendously“ der Berliner Melancholiker GOLDEN APES erscheint im September 2026 und markiert einen wichtigen Punkt in der mittlerweile fast 30-jährigen Bandgeschichte. Nach personellen Veränderungen und einer zwischenzeitlichen Duo-Phase präsentiert sich die Band auf ihrem 14ten Werk wieder in vollständiger Besetzung und mit einem gereiften, dichten Sound. Inhaltlich bleibt die Band ihrer melancholischen Atmosphäre treu, bricht die typische Post-Punk-Dunkelheit jedoch bewusst auf. Die „aufgehende Sonne“ steht dabei sinnbildlich für einen Moment des Lichts, der emotionale Brüche und Trauer sichtbar macht. Musikalisch verbinden sich treibende Basslinien, surreal-poetische Texte, cinematische Interludes und vielschichtige Gitarrenarrangements zu einem atmosphärischen Klangbild. Die Produktion wurde über einen langen Zeitraum sorgfältig ausgearbeitet.

Als Singles geben „Stranger (When I Left)“, „The Highest Point“ und „Resistance“ einen Einblick in das Album. Besonders „Resistance“, die vor kurzem veröffentlichte neueste Auskopplung bildet mit intensiven Rhythmen den energetischen Höhepunkt, obwohl im Gesamtkontext auch eine gewisse, zugegeben, galante Sperrigkeit die unterschwellig herrschende Romantik konterkariert.

Die Tür zur harmonischen und dichten, dunklen Atmosphäre des Albums öffnet, verbunden mit einem langgezogenen Intro „Farewell“, welches eher das ruhige Fahrwasser beschippert und mit gradlinigem Sound punktet. Druckvoller und mit einer latent unterdrückten Energie kommt „The Light“ daher. Genial wie man zu Beginn ein wenig mit dem Goth Rock alter Prägung spielt, um doch dann den verführerischen Post-Punk mit Tragik und Energie verschmelzen zu lassen. „Milk and Poison“ entwickelt seine Wirkung eher langsam, der markante Bass und das versteckt hervor lugende Schlagzeug geben dem ambivalenten Text nicht nur den perfekten Untergrund, sondern nehmen ihn fast an die Hand. Ob es ein Zerren oder Handreichung ist, weiß im Endeffekt nur Sänger Peer selbst, der nichtsdestotrotz dem Treiben wohlwollend nähert. Im Mittelpunkt steht eine Beziehung oder Verbindung, die gleichzeitig Orientierung und Täuschung, Nähe und Zerstörung bedeutet. Sonne, Mond und Sterne sind zunächst Orientierungspunkte, werden aber jeweils mit negativen Erfahrungen verbunden: Der Erzähler wird von der „Sonne“ geblendet, vom „Mond“ in die Irre geführt und von den „Sternen“ schließlich zu einem Friedhof geleitet. Insgesamt gehört „Milk and Poison“ zu den ruhigeren, aber atmosphärisch besonders stimmigen Momenten des Albums.

„Helion“ entwickelt sich eher langsam und beginnt mit einer schweren, getragenen Dynamik. Erst im weiteren Verlauf nimmt der Song an Fahrt auf, wobei der warme Bass und die ineinandergreifenden Gitarren zunehmend für Bewegung sorgen. Trotzdem bleibt die Atmosphäre dunkel und zurückhaltend. Besonders gut passt dazu Peer Lebrechts Gesang: tief, sonor und leicht rau, dabei aber erstaunlich kontrolliert. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern fügt sich eng in die Musik ein und verleiht ihr zusätzliche Tiefe. Ob das überraschende Zwischenspiel mit verändertem Tempo und verzerrter Stimme dem Reigen zuträglich ist, ist eher in der Gesamtbetrachtung des Songs erkennbar und passt irgendwie perfekt zur Eröffnung vom eingängigen und verführerischen Harmoniebad „Where the river ran“.

„Radiation“ atmet gerade zu Beginn den Geist von „A Forest“, besitzt aber gerade im druckvollen Refrain eine ganz besondere Komponente, die sich latent vom betörenden Klang der sonstigen feingliedrigen Umgebung abhebt. Besonders die perfekt gesetzten Tempoveränderungen lassen das Stück in den Ohren glänzen. Ein treibender Bass, reduzierte Drums, kristalline Gitarren und eine melancholische Atmosphäre sind weitere, tragende Eckpunkte des Stückes. Auch textlich gehört „Radiation“ zu den eindringlicheren Stücken des Albums. Der Song beschreibt einen inneren Ausnahmezustand zwischen Angst, Wut und Orientierungslosigkeit. Wiederkehrende Bilder von dunklem Wasser sowie von Licht und Dunkelheit machen deutlich, dass hier keine klare Trennung zwischen positiven und negativen Erfahrungen besteht.

Hernach ist „City Walls“ ein melancholischer Song über Entfremdung, Erinnerung und die Suche nach der eigenen Identität. Der Text blickt auf eine vergangene Zeit zurück, verbindet diese Erinnerungen aber mit Reue und Angst. Das wiederkehrende Motiv der Tore lässt sich als Bild für Grenzen und Übergänge verstehen: Mit jedem Tor, das der Erzähler passiert, nimmt er seine Ängste und seine Schuldgefühle mit. Die Frage „So who am I?“ bildet schließlich den Kern des Songs. Die „City walls“ stehen damit nicht nur für äußere Begrenzungen, sondern auch für einen inneren Zustand, aus dem der Erzähler trotz aller Bewegung nicht wirklich herauskommt. Auffälliges Detail sind bei „City Walls“ die eigenartigen hohen Zwischentöne, die stellenweise fast wie verfremdeter Kindergesang wirken und ein wenig an Pink Floyd erinnern.

Fazit: Mit ihrem neuen Album beweisen die GOLDEN APES, dass sie auch nach fast drei Jahrzehnten noch relevant und eigenständig klingen. Die Band verbindet melancholische Klangwelten mit treibendem Post-Punk und setzt dabei bewusst (deutlich mehr als früher) auf Ecken und Kanten. Gerade dort, wo die Songs ihre kleinen Widerhaken ausfahren, wird es interessant.

„The Sun Came Up Tremendously“ ist ein reifes, abwechslungsreiches und souverän produziertes Album, das die musikalischen Wurzeln der GOLDEN APES bewahrt und gleichzeitig zeigt, dass die Band auch nach all den Jahren noch neue Akzente setzen kann. Trotz seiner insgesamt düsteren Grundstimmung wirkt das Album nie eintönig oder hoffnungslos. (andreas)