GODEX :: Die Vergänglichkeit der Dinge

Online seit 16.08.2014


Mit „Chamber doom“( Review) veröffentlichte Godex im Frühjahr ein rein akustisches Album, welches mit melancholischer Musik und sehr persönlichen Texten ein Kontrapunkt zum kraftstrotzenden Goth Rock Werk des Vorgängers „Lovesick“ (Review) setzte. Sänger und Songwriter Tommy Tom gründete Godex nach dem Split der Goth Metal Formation „Thora“ 2009. „Chamber Doom“ ist die dritte VÖ der Band. (andreas)
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Du bezeichnest „The End of the world“ als Abschlusswerk. Wie ist das gemeint, Albumabschluss, Godexabschluss…. und letztendlich geht es ja um die Vision vom Ende deines Lebens?

Tommy: Es geht in erster Linie um die Eindrücke, die am Ende des Lebens übrig bleiben. Die Dinge, auf die ich zurückblicke und all die durchlebten Gefühle. Mein Wunsch, wirklich gelebt zu haben, mit allen Sinnen und sich nicht an Kleinigkeiten aufzuhalten oder mich in Sachen hineinzusteigern, die es nicht wirklich wert sind. Das geht immer gut, wenn ich mir die Vergänglichkeit der Dinge vor Augen halte, und mich frage, was will ich der Welt hinterlassen und was will ich erreichen. Mit „Chamber Doom“ habe ich für mich ein wichtiges Werk vollendet.

Ich finde das Coverartwork sehr gelungen. Sowohl farblich, wie auch die grazile Schlichtheit. Kannst du etwas über die Entstehung erzählen und wie du auf die Idee kamst, die CD mit LP Rille in Nostalgie schweben zu lassen?

Tommy: Vielen Dank! Ich finde dieser „Retro Vinyl Look“ passt einfach sehr gut zu akustischer Musik. Und ich dachte mir, wenn nicht jetzt, wann dann! Zu einem normalen „Full Power“ Godex Album wird es eher nicht so passen. Also haben wir es so gemacht. Speziell in der Zeit des unbegrenzten Downloads, finde ich es auch wichtig, den Leuten etwas besonderes in die Hand zu geben, was vielleicht noch nicht so viele haben. Auf jeden Fall ist das meine erste Vinyl CD.

 

Chamber doom“ ist das erste rein akustische Album von dir. Welche Schwierigkeiten traten für dich bei der Umsetzung auf und wie würdest du das Hauptaugenmerk in Bezug auf Titel, Instrumente und Arrangement definieren?

Tommy: Es war mir von Anfang an wichtig mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das ist natürlich immer der Song. Der Song steht immer für sich, und kann sich in ganz unterschiedlichen Gewändern zeigen. Er kann ganz nach dem Geschmack des Hörers, der Zeit oder des Interpreten sich entfalten. Besonderes bei akustischen Versionen kann er glänzen, denn er wird nicht so sehr von Sounds, Aktion oder Image verhüllt. Es macht mir Spaß meine Stücke unterschiedlich einzukleiden. Es ist vielleicht ähnlich wie bei einem Schneider, der verschiedene Gewänder für ein und den selben Menschen anfertigt.

Wo waren produktionstechnisch und von der Aufnahme her die größten Unterschiede zum „plugged“ Album „Lovesick“?

Tommy: Bei „Chamber Doom“ war alles mehr wie aus einem Guss. Wir haben mit der Piano Version von „Big Wide Eyes“ angefangen und alles weitere hat sich dann Schritt für Schritt ergeben. Es war eine sehr leichte Produktion, die unglaublich viel Spaß gemacht hat. Ähnlich wie damals das erste Album „Gates Of The Universe“.

 

Du widmest das Album deiner verstorbenen Mutter, wie wichtig ist es dir, mit diesem doch sehr melancholischen Werk deiner Mutter zu gedenken?

Tommy: Meine Mutter hat meine Musik immer sehr unterstützt. Sie erkannte mein musikalisches Talent schon früh und förderte mich sehr stark. Als ich dann immer extremere musikalische Richtungen einschlug, hat sie mein kreatives Schaffen skeptisch betrachtet und wir hatten große Probleme. Ich glaube wir beide waren teilweise sehr extrem in unseren Polaritäten. Aber genau diese Auseinandersetzung war für unser beider Entwicklung sehr förderlich. „Chamber Doom“ beinhaltet alle diese Gefühle und öffnet alle Verbindungen.

 

Insgesamt ist „chamber doom“ ein sehr persönliches, fast intimes Werk (auch aufgrund der Beschreibungen im Booklet). Bestanden hier auch mal Ängste, sich all zu „nackt“ zu präsentieren?

Tommy: Nein, ich gehe immer gerne offen mit meinen Gefühlen um. Das war schon früher so und wird hoffentlich auch so bleiben. Verletzlich bin ich immer, egal wie sehr ich mich abschotte.

 

Bei „Gothic Doom“ sprichst du von Kälte und Sterilität und von der Finsternis der damaligen Zeit. Wie kann man sich die wiederkehrende Gefühlswelt nach einigen Jahren vorstellen?

Tommy: Die Gefühlswelt war immer da und hat immer einen musikalischen Ausdruck bekommen. Die Sicht auf das Leben und die Werte haben sich verändert. Dies ist Teil meiner persönlichen Entwicklung. Gesellschaftliche Gedanken, die ohne zu hinterfragen übernommen werden und Glaubenssätze die ins Unglück führen. Es ist nicht so leicht sich dessen bewusst zu werden und sich davon zu lösen. Wir bekommen immer etwas von Freiheit erzählt, aber gleichzeitig von Kindesbeinen an Werte indoktriniert, die auch ganz offensichtlich ins Unglück führen. Hier muss ich mich immer wieder hinterfragen. Dann verurteile ich, hänge aber selbst total drin und merke es immer erst Stück für Stück.

 

 

Somebodys Truth“ beschäftigt sich mit der Angst vor dem eigenen Selbst. Geht es in dem Song eher um die Persönlichkeit des Subjekts oder um die spannungsvolle Auswirkung des Seins und Scheins? Was steckt dahinter, dass der Song quasi als Brücke zum Finale „the end of the world“ dient?

Tommy: Es geht um die Angst nicht gut genug zu sein. So wie ich bin, bin ich nicht gut genug. Ich hoffe ich hab noch was Zeit, und das wäre dann die Brücke zum Finale.

 

Kannst du ein wenig über Mäzenatentumult erzählen, bei dem ihr einen der begehrten Support Plätze gewonnen habt? In dem Zusammenhang gleich die Frage: Wie schwierig ist es für euch an Auftritte zu kommen?

Tommy: Also an der live Präsenz muss definitiv noch etwas gearbeitet werden. Hier wird sich aber alles Schritt für Schritt langsam ergeben, mit etwas mehr Nachhaltigkeit als bis jetzt.

Wie war für dich der Auftritt als Support von ASP und wie empfandest du die Reaktionen des Publikums.

Tommy: Das war richtig cool. Es hat super viel Spaß gemacht, die Leute waren gut drauf. Die Reaktionen waren durchwegs positiv, und es war toll mal wieder vor so vielen Leuten spielen zu dürfen.

 

Was sind deine Pläne für die nähere und fernere Zukunft?

Tommy: Da wäre dann erst mal die Verbesserung der live Aktivitäten, dann arbeite ich weiter an neuen Songs. Ich habe noch ein neues Konzept für das nächste Album gemacht und das alte Konzept werde ich dann wohl später verwirklichen. Und dann gehe ich alles ganz langsam an. Ich habe in den letzten zwei Jahren zwei Alben gemacht. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.

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