UNTOTEN :: Die Stimmung der Menschen gleicht jener in Zombiefilmen


Mit “Zombies I + II” stehen zwei nagelneue Alben der UNTOTEN kurz vor der Veröffentlichung. Grund genug mal ein paar Fragen auf Greta und David loszulassen. Was es mit dem Zombiethema auf sich hat und welchen Einfluss es auf die musikalische Ausrichtung hatte könnt ihr im folgenden Interview lesen. Weitere Informationen über die Band UNTOTEN aber auch über die weiteren Nebenprojekte könnt ihr euch natürlich auch auf der Homepage (http://www.untoten.com/) holen. Viel Spaß. (michi)

 

Greta, zuerst  nochmal Gratulation zur Geburt deines Sohnes, wie hat sich dein  Leben und auch dein Arbeitsleben seitdem verändert?
Greta:
Herzlichen Dank!! Ich empfinde die Veränderung nicht so stark, wie man vielleicht denken könnte. Ich nehme meinen Sohn überall mit hin (selbst zum Sport) und fliegen tun wir nun auch schon zum zweiten Mal. Er mag es, überall dabei zu sein.  Ich glaube, dass ist das Geheimnis. Dass du deinem Kind Ruhe und Sicherheit vor allem auch alltägliche “Rituale” gibst, es aber trotzdem an deinem Leben teilhaben lässt. Gottseidank ist er aber auch ein lieber kleiner Kerl, der mich zwar durchaus fordert, aber auch mal eine Stunde alleine spielen kann. Jamie ist jetzt 5 Monate und jeden Tag entdeckt er neue aufregende Dinge an sich und seiner Umwelt.
Musik findet er jedenfalls seeehr interessant und wenn ich im Atelier bin, schaut er schon ganz interessiert, was die Mama da so macht… wahrscheinlich aber wird er Börsenmakler und will mit dem ganzen “Musik + Kunstding” nichts zu tun haben… das wäre der “normale” Verlauf und ich hätte da auch kein Problem mit.

 

In kürze stehen die Veröffentlichungen der beiden Alben Zombie und Zombie 2 an. Was hat euch zu diesem neuen Thema inspiriert?
David:
Eigentlich der Umstand, dass wir bisher noch kein Zombie Album gemacht haben. Ich habe den Untoten Bereich immer sehr vampiresk, zum Teil auch gesellschaftlich-politisch gesehen, also der edle Abtrünnige gegen den Rest der bösen Welt, und mich eher immer gewehrt, dass Zombies auch Untote seien, bis ich darauf kam, dass gerade auch die Zombies für ein Konzept Album ideal wären, ich war da etwas verblendet, …es ist nur diesmal so, dass nicht die Untoten sondern die Überlebenden die abtrünnigen Helden sind…

 

Das Zombiethema dient als Leitfaden durch die Alben, versinnbildlicht doch aber unzählige ganz alltägliche Situationen im Leben. Welcher Song bzw. welche Geschichte hat für euch den wichtigsten Hintergrund?
David
: Dreh- und Angelpunkt meiner Vorstellung einer Welt, in der es dann wirklich Zombies gibt und nur noch wenige Überlebende war „Stille in den Städten“ und später „Schwarzer Oktober“, diese Songs hatten sehr schnell die Stimmung, die ich ausdrücken wollte, sehr viel Einsamkeit und Isolation, aber auch ein bisschen “sich darin baden”, das heißt, so wie wenn man mit einem traurigen Song auf dem Kopfhörer durch die Stadt geht, da genießt man die Einsamkeit ja auch durchaus…

 

Musikalisch wird das Zombie Duo wieder etwas rockiger angegangen. Erinnert mich stellenweise an „Vampire Book“ Zeiten! Ist das thematisch gebunden oder hattet ihr Bock den Stil wieder etwas zu verändern?
David
: Ja, das ganze Thema hat was mit Aggression zu tun, und da wäre es etwas manieriert, wenn man es mit Barockmusik oder allzu stillen Elementen umsetzen würde, soll heißen, ich achte schon darauf, dass die Form sich dem Inhalt anpasst, nichtsdestotrotz würde ich sagen dominiert schon das Gefühl von Isolation, Einsamkeit, Misstrauen gegenüber einer feindlichen Welt, und ich hoffe, dass man auch ohne filmische Mittel in eine bizarre Welt hinein tauchen kann, die aber durchaus als real empfunden wird, denn ich fand das Zombie Thema aktueller denn je,… denn – wieder einmal – stehen diverse Weltuntergänge an, und ich finde die Stimmung der Menschen derzeit gleicht jener in Zombiefilmen sehr stark… Panik, Angst vor der Zukunft… und das drückt die Musik und natürlich auch das Artwort aus.

 

Schon wieder 2 Alben auf einmal, euer Ideenreichtum scheint ja fast unermesslich zu sein!? Mutet ihr euren Fans nicht ein bisschen viel zu, immer gleich 2 Alben auf einmal kaufen zu müssen? Hat sich diese Arbeitsweise mit den Vorgängeralben ‘Haus der Lüge’ und ‘Liebe oder Tod’ bewährt?
David: Zuerst einmal, ja, wenn ich in ein Thema abtauche, dann wird es musikalisch gesehen zumeist schon etwas “breiter”. Ich will ja, dass der Hörer wirklich in eine gewisse Welt abtaucht, sei es in eine barocke Welt, wie bei Nonnen, oder eine Märchenwelt ala Hexe oder grabsteinland… zum anderen muss man sagen, dass diese Frage schon etwas unsensibel ist, denn du weißt schon, dass man als Musiker in den letzten Jahren durch das Internet quasi seiner Existenz Grundlage verlustig ging, es gibt kaum einen Bereich, der mehr unter dem Internet “gelitten” hat. Stell dir vor du bist Bäcker und morgen kann man Brötchen downloaden? Da kann man noch so viel jammern und schimpfen, aber der Tonträger an sich ist tot, und gerade als kleines Label kann man eigentlich nicht mehr überleben. Es ist also ganz im Zombie sinne eine Überlebensfrage, seine Veröffentlichungen auch besonders zu gestalten… Und ich kann einfach nicht 120 Minuten Musik produzieren und die dann für denselben Preis verkaufen wie etwa vor 20 Jahren 30 Minuten… denn die Hauptkosten stecken ja immer noch in der Produktion, man arbeitet ein Jahr und dann wird das in 1-2 Monaten abgehandelt… das ist manchmal schon etwas bitter, denn es gibt ja auch kaum noch kleine Läden, die eine gute Sammlung verkaufen, all das sind Probleme, aber wir haben uns da nicht beirren lassen, und ich glaube Musik Fans verstehen das auch… und es kann ja auch jeder entscheiden, ob er 1 oder 2 CDs ersteht, oder gar keine, was dann aber bedeutet, dass es uns wohl irgendwann überhaupt nicht mehr geben wird …so einfach ist das…

 

Auf Teil 1 heißt ein Song „Ein Zombie hing am Glockenseil“ einer „Day Of The Dead“, wie kamt ihr darauf, diese Filmtitel von Lucio Fulcis und Romeros Klassiker zu verwenden?
David:
Ja natürlich leben wir in einer postmodernen Welt, was heißt, dass alles voll von Zitaten ist, wenn man so ein Thema angeht hat man selber alle möglichen Bilder und Filme und sprachliche Dinge im Kopf, und das geht relativ ungefiltert ein in eine eigene Geschichte. Man muss aber bedenken, wir drehen ja keine Filme, es fehlt das Visuelle außer den Bildern im Bocklet vollständig, denn ich versuche ja fast filmisch zu arbeiten, echte Stimmungen und echte Monster musikalisch umzusetzen, und es hat zum Teil auch “dichterische” Gründe, denn soviel ich weiß, hat bisher noch keiner den Satz “Ein Zombie hing am Glockenseil” vertont, es ist also gleichermaßen eine Referenz , und der Versuch es ironisch einzusetzen. Die Idee hinter den Zitaten und auch den Samples war, da draußen ist Zombiewelt und es läuft im Fernsehen dazu ein Zombiefilm, es ist aber auch eine Art visuelle Hilfe… gäbe es nicht so viele Zombie Filme und Zitate würde man gar nicht wissen, worum es bei den Alben geht.

 

Schaut ihr denn selber gern auch Zombie Streifen? Wenn ja, welche sind eure Liebsten?
David:
Das sind schon die Klassiker wie „Night of the living dead“, oder „I am legend“ (mit Charlton Heston), wobei letzterer natürlich gar kein klassischer Zombie Film ist, sondern eher das Thema einer gegen alle in einer zerstörten Welt, in einer großen Stadt umsetzt… von den neueren finde ich „28days later“ schon sehr stark vor allem wegen des Soundtracks… aber wie gesagt, es ging mir gar nicht so sehr um die Tatsache, dass es Zombies gibt, sondern mehr darum wie man sich fühlt, wenn man einer der letzten Überlebenden wäre… und politisch gesehen ging es auch darum, zu sagen, wenn die Welt schon untergeht, sollte man sich gegen diese ganzen Dinge, die einem die Freiheit und die Individualität nehmen, wehren, als würde man gegen Zombies kämpfen.

 

Vielen Dank für die vielen Worte, ihr lieben Untoten, und auch für die unzähligen tollen Momente die ich mit eurer Musik in den letzten Jahren erleben durfte!.