STILL PATIENT? :: founded, disbanded and back


Ich kann mich noch gut an die Zeit Anfang der 90er erinnern. Cure hinterhergefahren, Sisters hinterher, Alien hinterher. Selbst kleine Konzerte in Altena organisiert (Love like blood, The Escape, Phantoms of Future, Das Ich) und für Nachschub im Plattenschrank sorgten Last Chance, Malibu Versand und ein kleiner Laden in Iserlohn. Irgendwo dort kaufte ich auch die ersten beiden Alben von Still Patient? .Und noch heute denke ich, dass Alben wie “Salamand” und “Cataclysm” in jede gute Goth Rock Sammlung gehören. Lassen wir das Schwelgen in Nostalgie, die Band ist nämlich zurück, zunächst auf der Bühne und für Frühjahr 2014 ist dann die erste VÖ nach 15 Jahren geplant. Ein Blick in die Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit liefert das folgende Interview. (andreas)

Pictures by Estelle Armknecht ChangeYourLook
Info: https://www.facebook.com/stillpatient

 

Ihr habt Pfingsten in Leipzig gespielt, wie war das Wiedersehen mit der Bühne und den Fans?

Es war eine großartige Erfahrung, vor allem weil wir 14 Jahre zuvor unser vorletztes Konzert genau an dem gleichen Ort gegeben hatten. Wir haben uns viele Monate darauf vorbereitet, denn es war uns sehr wichtig, dass dies kein halbgares Comeback auf die Bühne wird – und vor allem kein Abschiedskonzert, wie es viele Bands in den letzten Jahren gemacht haben, die sich nur für ein einziges Reunionskonzert zusammengefunden haben. Wir wollten zeigen, dass wir frischer und motivierter sind als je zuvor und wir waren natürlich auch sehr neugierig, wie es angenommen wird.

Die allgemeinen Reaktionen waren sehr gut. Und wir hatten nach dem Auftritt interessante Gespräche mit langjährigen Fans, die uns über die letzten ruhigen Jahre nicht vergessen haben und teilweise auch schon 1999 an der Parkbühne waren. Vor allem blieb mir ein Kontakt mit einer Dame aus England in Erinnerung, die zuvor in Südafrika lebte und uns unbedingt sehen wollte, da wir dort wohl, was uns nicht bewusst war, einen absoluten Szenehit mit dem Song AGORAPHOBIA hatten. (was uns leider bisher nicht bewusst war.)

 

Ich dachte damals, es wäre so eine einmalige Sache. Nun ist es mit der Reunion ernst geworden. Wie sieht es denn mit einem neuen Album aus, was dürfen die Fans erwarten?

Wie gesagt war uns für die Re-Union absolut wichtig, dass wir weiter machen. Allein die Vorbereitungen und die Neufindung innerhalb der Band haben uns einige Monate gekostet. Es wäre viel zu aufwendig gewesen, dies alles nur für ein einiges, letztes Konzert aufzubringen.
Wir sind gerade aus dem Studio zurück wo wir unsere neue EP gemischt haben, die im Frühjahr 2014 veröffentlicht wird. Darauf sind vier neue Songs und ein Song von unserem ersten Album SALAMAND (1992) enthalten. Einer der 4 neuen Songs wurde größtenteils schon vor der Auflösung 1999 komponiert, somit die letzte gemeinsame Arbeit der Band.
Ich denke es ist uns gelungen unsere alten Wurzeln mit neuen Einflüssen ergänzend in den Songs zu verbinden und es klingt auf jeden Fall sehr frisch und aktuell. Es klingt wieder mehr nach den alten STILL PATIENT? und die Gothic-Metal Einflüsse, die die letzte Schaffenszeit von uns maßgeblich beeinflussten werden nicht mehr verfolgt. Einige der Songs kamen sehr spontan zu Stande und wurden in 1 bis 2 Tagen geschrieben. Die Chemie funktioniert sehr gut und wir machen uns generell auch keine Gedanken mehr, ob es nun stilistisch passt oder nicht – es kommt wie es kommt und wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen.

 

Wann und wie entstand die Idee einer Reunion?

Es wurden schon 2009 die ersten Ideen laut, dass wir uns vielleicht noch mal zusammen setzen wollten um in erster Linie ältere Songs noch einmal neu aufzunehmen. Als ich nach vielen Jahren mal wieder unser gesamtes Material durchgehört hatte, war ich doch wieder überrascht welch gute Songs wir damals geschrieben hatten, die jedoch nie in der von uns gewünschten Qualität veröffentlicht wurden.

Wir haben dann gemeinsam an den ersten Aufnahmen gearbeitet ohne konkrete Pläne für Konzerte oder Neu-Veröffentlichungen im Sinn zu haben. Erst später wurde uns klar, dass sich die Arbeit nur dann lohnen würde, wenn wir auch ein paar ausgesuchte Konzerte spielen könnten.

Leider sind dann wieder ein paar Jahre verstrichen, in denen die einzelnen Mitglieder anderweitig eingespannt waren.

Die konkrete Entscheidung für den Neuanfang fiel dann Mitte 2012. Ich habe noch einmal alle zusammen gerufen und zusätzlich mit einigen Musikern, mit denen ich teilweise in anderen Bands gearbeitet habe, gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich auch herauskristallisiert wer bei der Reunion dabei sein kann und wer nicht. Also haben wir im Herbst wieder angefangen an neuem Material zu arbeiten bis dann die Anfrage vom WGT kam, die unseren Zeitplan erheblich durcheinander gebracht hat, im positiven Sinne natürlich.

Auf der einen Seite stehen die alten Fans, auf der anderen Seite steht die Ausrichtung in die Moderne. Befindet man sich nach so einer langen Zeit nicht in einer Zwickmühle?

Es ist immer schwer alle zufrieden zu stellen. Auf der einen Seite denke ich auch als Fan und freue mich natürlich wenn jede neue Veröffentlichung einer Band zumindest die wesentlichen Bestandteile einer mich begeisternden Veröffentlichung weiter bedient. Auf der anderen Seite muss man auch verstehen, dass es uns unmöglich ist, den Spirit und den Sound der 90er Jahre genau so zu transportieren, wie es die Fans von damals gewöhnt waren. Wir alle haben eine Vielzahl neuer musikalischer Einflüsse erfahren – das war auch damals schon der Fall. Viele sagten, dass sich STILL PATIENT? nach den ersten beiden Veröffentlichungen von dem ursprünglichen Stil entfernt haben, was uns allerdings überhaupt nicht bewusst war. Wir haben schon immer das musikalisch festgehalten was aus uns heraus kam und was natürlich auch immer von den Einflüssen eben dieser Zeit geprägt war.

Wir haben nahezu alle alten Songs, die wir in das aktuelle Programm aufgenommen haben, überarbeitet, neu arrangiert und angepasst. Man darf auch nicht vergessen, dass wir nach 14 Jahren Stille fast wieder den Status eines Newcomers haben. Wir müssen uns nach den momentanen Hörgewohnheiten ausrichten, die auch wir persönlich haben. Dennoch haben wir nicht das Gefühl, dass die Songs den Spirit von damals verloren haben. Ganz im Gegenteil. Man kann es nur so beschreiben, dass wir zwar moderner klingen, aber unsere Wurzeln noch nie so deutlich wie heute hörbar sind.

 

Es gibt 3 neue Mitglieder. Welche neuen Ideen/Einflüsse sind mit dem Trio dazugekommen?

Im Grunde sind es nur noch zwei neue Mitglieder. Ende 2012 waren wir zu sechst, was sich im Frühjahr 2013 geändert hat. Mittlerweile besteht die Band zu fünfzig Prozent aus alten und neuen Mitgliedern. Die beiden „Neuen“ sind allerdings auch keine Neulinge in der Szene und waren in den 90ern auch in der Gothic Band GIANTS CAUSEWAY aktiv. Auch hier finden sich viele neue Einflüsse und auch die Wurzeln wieder, die es uns ermöglichen einen perfekten Mix aus traditionellem Gothic Rock und neuzeitlichem Dark Rock zu entwickeln.

Die Zusammenarbeit ist großartig und es fühlt sich alles sehr echt und kraftvoll an.

 

Die technischen Möglichkeiten haben sich rapide verbessert. Macht dies das Einspielen von Songs leichter oder verkompliziert die Vielfalt an Alternativen die Sache?

Wir haben in den 90ern schon sehr früh angefangen viel Arbeit an den Veröffentlichungen selbst in die Hand zu nehmen. Somit waren wir schon früh damit vertraut mit den aufkommenden Technologien zu arbeiten. Natürlich haben wir 15 Jahre später noch wesentlich mehr Möglichkeiten, die uns die Arbeit an den Songs vereinfachen. Dennoch konzentrieren wir uns eher auf das Notwendige beim Songwriting und lassen vorerst alle Spielereien außen vor.

 

Ich kann mich noch erinnern, dass es Anfang der 90er in Deutschland reichlich Bands aus dem Bereich Goth/Rock/Dark gab, mit einigen seid ihr aufgetreten. Gibt es noch Kontakte zu den alten Mitstreitern?

Da wir in den letzten Jahren nicht nur als Band sondern auch persönlich wenig Kontakt zu der „schwarzen Szene“ hatten, hilft uns das Medium Internet natürlich enorm. Viele alte Mitstreiter wurden wieder gefunden und Kontakte aufgefrischt. In der heutigen Zeit ist ein großes Netzwerk an Kontakten sehr wichtig, da sich die Szene für unsere Musik seit Anfang des neuen Jahrtausends eher immer noch in Hinterzimmern abspielt. Es sieht aber fast so aus, dass sich etwas tut und ich denke es ist auch Plattformen wie Facebook zu verdanken, dass sich wieder mehr Menschen finden, die sich für diese Musik begeistern lassen.

Damals gab es viele kleine Clubs, die Auftrittsmöglichkeiten für nicht so bekannte Bands boten. Wie seht ihr im Bezug auf Konzerte die heutige Situation?

Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass es sich keineswegs mehr so verhält, wie damals als wir noch aktiv waren. Aber auch bei unserem Split hatte es sich schon abgezeichnet, dass die Szene für Gothic Rock Band immer kleiner wurde. Wir hatten in den 90ern gerne mal bis zu 400 Besucher – heutzutage muss man wohl schon froh sein, wenn sich 100 Leute zu einem Konzert verirren. Das kann demotivierend sein, sollte es aber nicht, denn auch diese Leute erwarten das Maximum an Erlebnis.

Da wir nun erst im Frühjahr unser neues Material veröffentlichen, können wir uns erst ab dem Erscheinungstermin mit dem neuen Material für Konzerte und Festivals bewerben. Man kann verstehen, dass sich Veranstalter mit bis zu 20 Jahre altem Material eher schwer tun. Es bleibt also spannend für uns, wie es sich im nächsten Jahr entwickelt und wo man uns gerne sehen würde.

Im Grunde sind auch die größeren Festivals für uns interessant, da wir dort auf viele potentielle Fans treffen, die bei kleineren Clubkonzerten eher nicht das Risiko eingehen würden, sich eine „unbekannte“ Band anzusehen.

 

Wenn ihr zurückblickt, was waren die Höhepunkte, wo lagen die Tiefpunkte?

In den ersten 11 Jahren ist natürlich viel passiert. Vieles hat auch dazu beigetragen, dass sich die Band 1999 aufgelöst hat, wobei da die musikalischen Differenzen eine tragende Rolle spielten. Wir hatten großartige Momente auf diversen Festivals und es war immer aufregend ein neues Album herauszubringen, auch wenn dabei oftmals nicht das erreicht wurde, was man sich versprochen hat. Wir hatten eine gute Zeit und viele Geschichten von damals erheitern uns immer noch.

 

Warum ist es damals, nach der VÖ des zweiten Albums zum Split mit Hyperium gekommen?

Das ist mittlerweile schon sehr lange her, aber ich glaube es lag an den Erwartungen seitens Hyperium. Das Album CATACLYSM wurde unter immensem Druck aufgenommen und wir selbst waren absolut nicht von der Qualität überzeugt. Leider wurde das Album auch sehr wenig promotet da wohl auch die Verkaufzahlen des Vorgängern nicht den Erwartungen entsprachen.

 

Ihr habt „Mascara Osiris“ re-recorded. Wie unterscheidet sich die neue Version von der alten?

Wie schon anfangs erwähnt war MASCARA OSIRIS der erste Song, den wir neu bearbeitet hatten. Wir haben versucht den Kern des Songs beizubehalten und ihn von der Produktion her auf eine aktuelle Ebene zu heben. Es gibt auch leichte Änderungen im Arrangement, die aber eher unauffällig sind. Der Song wurde dann letztendlich neu aufgenommen, da wir das Angebot des „Gothic“ Magazine hatten, einen Song auf die beigelegte Compilation zu bringen um den Auftritt auf dem WGT zu bewerben.

Ihr habt auf euer Facebook Seite einen Trailer zum neuen Werk. Was hat es mit der selektiven Wahrnehmung auf sich?

Selektive Wahrnehmung begegnet uns jeden Tag. Im Grunde bedeutet es, dass man viele Dinge so wahrnimmt, wie man sie für sich definiert, auch wenn andere es nicht so sehen. Gerade bei Musik ist das sehr deutlich. Es gibt sicherlich Menschen die unsere neue Veröffentlichung als Weiterentwicklung verstehen und andere werden das vermissen was STILL PATIENT? für sie einmal war.

 

Was sind eure Wünsche für die nahe und ferne Zukunft?

Wir sind hoch motiviert und wir würden uns natürlich sehr freuen wenn wir viele alte wie neue Fans begeistern können.

Facebook ist unsere Informations-Plattform und wer uns dort folgt, bekommt alle neuen Infos zeitnah übermittelt. Über Feedbacks sind wir auch sehr dankbar. https://www.facebook.com/stillpatient