THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT
„Seed of the Formless“
(Doom Metal / Heavenly Voices)
Wertung: Gut
VÖ: 17.04.2026
Label: Prophecy Productions
Es ist eine halbe Ewigkeit, dass ich eine VÖ dieser Formation besprochen habe, damals hab ich ihr Heimatland fälschlicherweise etwas südlicher verordnet. Nun gut, die ungarische Formation um Ágnes Tóth (vocals, keyboards, programming) und Mihály Szabó (screams, guitar, bass) macht zudem ein wenig andere Musik. Heuer ist ihr Klangteppich etwas gitarrenbetonter, wobei ihr Sound im Metal Genre zwischen Doom und Post Metal pendeln dürfte. Besonders wenn die Ausrichtung in die späten 80er/frühen 90er geht, erinnert mich das manchmal an THE GATHERING.
Der Opener „Cosmic seed“ ist ein sphärisches Kleinod, dessen eruptive Kraft in einer schwermütigen Eleganz sein Zuhause findet. Hinzu kommt die nötige Spur Verträumtheit, welche sich vor allem im Gesang von Agnes entfaltet. Langsam aber bedrohlich neigen die Saiten am Ende auch mal zu einem Ausbruch. Ähnlich geartet, aber in seiner destruktiven Energie bestimmenden kommt „Luminous Thread“, welches zum Finale mit einem growligen Intermezzo von Mihály aufwartet.
Auch „Odyssey Limen“ ist geprägt von einem komplexen Soundgerüst. Ein gewaltiges Ungetüm begegnet dem kristallinen weiblichen Gesang. Es ist diese immanente Ambivalenz zwischen verspielter Rohheit und fragiler Stimme, die begeistert. „The first Tremor“ geht ein wenig in Richtung dreampop, während die Saiten ihr intimes Shoegaze-Festival feiern, natürlich mit lavagetränkter Atmosphäre und ein ganz klein wenig Progrock. Der Text reflektiert das Mysterium der Schöpfung. „Astromorphosis“ ist im Gesamtkontext sehr ruhig und filigran gehalten, auch wenn die Saiten ihr übliches „heulen“ bedrohlich in die Szenerie riffen. Zum Schluss gibt es mit dem kühlen, sich langsam aufbauenden „Lament of the Thistle-Queen“ einen melancholischen Ausklang.
Fazit: Ätherischer Folk Metal küsst den Doom Metal und der verträumte Gesang erzählt von mystischen Themen und kosmischer Spiritualität. Das Album ist in sich sehr stimmig arrangiert, könnte hie und da ein wenig Abwechslung vertragen. Die Songs ähneln sich in bestimmter Allegorie, bewegen sich aber auf einem hohem Niveau, was dem Hörer dann doch einen gewissen Spannungsbogen verschafft, der sich bei genauer Exegese der Texte noch verstärkt. (andreas)
