V.A. “Stairways” (Gothic/ Dark Wave Compilation)

V.A.

“Stairways”
(Gothic/ Dark Wave Compilation)

Wertung: Empfehlung!

VÖ: 20.04.2014

Label: Eigenproduktion

Webseite: http://at-sea-compilations.de / Facebook

Ins Leben gerufen wurde das Projekt “At Sea Compilations” von Axel Meßinger aus Chemnitz. Bereits im Jahr 2012 wurde die erste “Snowflakes”-Compilation veröffentlicht, damals mit verteilt durch das Dark Feather Zine, den Spontis Blog sowie der Veranstaltungsreihe Die Blaue Stunde. Um unabhängiger von externen Projekten zu agieren (und offen für thematisch andere Samplerprojekte zu sein), wurde mit der Veröffentlichung von “Snowflakes II” die kleine Dachmarke “At Sea Compilations” gegründet. Dies bedeutet auch, dass “At Sea Compilations” nicht an einer bestimmten Subkultur gebunden ist. Eingeladen ist ausdrücklich jeder, der Lust und Spaß hat neue Musik kennenzulernen.

Ziel ist es eine Reihe von qualitativ hochwertigen Online-Compilations zu erstellen und vor allem Bands und Musikern aus dem musikalischen “Underground” eine Plattfom zu bieten. Die Arbeitsweise, beispielsweise Auswahl der Musik, erfolgt unabhängig von Labels und anderen externen Einflüssen. Musiker, Bands und andere Künstler (beispielsweise für Cover-Artworks) können sich für eine Zusammenarbeit jederzeit melden.

Das Projekt “At Sea Compilations” arbeitet unkommerziell und nicht gewinnorientiert. Viel mehr ist es ein Hobbyprojekt aus Lust neue Musik zu entdecken und dies mit anderen Menschen zu teilen.

“Twist the past” – Mit diesem Untertitel wird die erste Compilation mit einem musikalisch vollkommen anderen Konzept als die bisherigen “Snowflakes”-Compilations veröffentlicht: “Stairways”. Auf dem Cover ist eine Zeichnung zu sehen, welche eine Treppe zeigt die zu einem alten, stillgelegten Clubgebäude mit dem Namen “Underground” führt. Das halb herabhängende Schild zeigt, dass in diesem Gebäude schon lange keiner mehr getanzt hat. Das Gebäude steht leer und droht dem Verfall. Diese Szene auf dem Cover ist eine Interpretation dessen, wie viele ältere Szenemitglieder die heutige Schwarze Szene wahrnehmen.

Nach diesen Exkurs über die Hintergründe der Compilation, widmen wir uns endlich der Musik. Den Anfang machen die Jungs von ASTARI NITE aus den USA. Der Sound ist eine Melange Synth Pop mit Dark Wave und begeistert mit melancholischem Gesang. Ihr “Contentment” könnte man als Mischung aus Chameleons und Clan of Xymox durchgehen lassen. FARBLOS glänzt mit einem minimalistischen Charme, der sich mit feiner Melodielinie offenbart. Florians Stimmbänder agieren herrlich unaufdringlich und geben sich leicht tagträumerisch. Ein wenig schleicht sich der Dark Wave in bester Joy Division Manier durch die Hintertür herein. SHE PAST AWAY aus der Türkei dürften zu den bekannteren Vertretern der Zusammenstellung sein (auch aufgrund der reichlichen Konzerte in Deutschland). Tieftönender Gesang und die Mischung aus Wave und Elektronik sind die Eckpfeiler ihrer Musik. MADAME B aus Frankreich erinnert mit ihren experimentellen Soundstrukturen und verführerischen Gesang an alte Cold Wave Bands, auch wenn “This Morning” von einer sehr schrägen Note getragen wird. SAVAGE SISTER + LYKANTHEA liefern ambientartige Soundstrukturen, die sich unterkühlt in die Harmonie schleichen. Feingewobene Gesänge (Solo Choräle) begleiten den entspannenden und in Ruhe badenden Song “Diving”.

LISAWARS spielen eine Art von minimalistischen Dark Punk, welcher wie eine Melange aus EA80, Grauzone und Fehlfarben daher kommt. Jens (Keyboard, Synth) Micha (Gitarre, Gesang) sowie die Drummachine Gustav kreieren ihr dunkles Soundgerüst mit einer galanten Unterkühltheit, die sich graumaschig dem leicht schrägen Text unterwerfen.

THE NIGHTCHILD haben sich mittlerweile weit über ihre Heimat Ukraine hinaus einen Namen gemacht. “Through the Night” ist ein dunkler Song, der durch den fein-hellen Gesang einen melancholischen Touch bekommt. Dazu gesellt sich eine verträumte Melodie und flirrender Saitensound, welche sich als düstere Begleiter des depressiven Textes geben.
THIS COLD aus Polen faszinieren mit coldwavigen Tonagen und einem betörenden weiblichen Gesang, welcher mich ein wenig an alte Heavenly Voices Bands erinnert. Dunkle Klanglinien begleiten die atmosphärische Tiefe von “Torn Apart”. Agata (Gesang), Dariusz (Gitarre), Lukasz (Bass) und Marcin (Drums) dürften zudem Fans von Closterkeller gefallen, die das ein oder andere Mal als Inspirationsquelle dient.

Die Amerikaner TRANCE TO THE SUN gibt es (in unterschiedlicher Besetzung) bereits seit 1989. “Railcar To Tasmania” gibt einen kleinen Einblick in ein neues Album, welches evtl. noch dieses Jahr erscheint. Prägend, neben dem musikalischen Mix aus Dark Wave, Shoegaze und Dreampop, ist der spacige Gesang von Sängerin Ingrid Luna Blue , der klingt wie Cyndi Lauper zu ihrer wildesten Zeit.

THE NIGHT aus Amerika liegen irgendwie genau auf der Schnittmenge zwischen Joy Division (Saiten) und New Order (Synths). Der Gesang kommt mit seiner hellen Stimme allerdings reichlich Batcvave-mäßig rüber, während die Melodielinien eher im britischen New Wave der 80er zu finden sind.

Aus Karlsruhe kommt das Duo BURNTIME, welches nun auch schon seit fast 20 Jahren Musik macht. Ihr Sound erinnert ein wenig an die Spätachtziger Ruhrgebietsszene und Bands wie Fair Sex, Invincible Spirit oder andere Bands vom Last Chance Label. Allerdings ist der Song “The List” etwas minimalistischer gehalten.

THE AMOUNT OF LIGHT WE GIVE OFF überraschte mit ihrer VÖ bereits Anfang dieses Jahres. Review hier

Disweather spielen eine abgedrehte Version des Dark Punks, roh und ungezügelt mit Hardcore Anteilen. Über 7 Minuten schräge Soundkreationen mit reichlich Dissonanzen liefert “MJFK”

Axel Meßinger hat diese Compilation wirklich gelungen zusammengestellt. Geboten bekommt man unterschiedliche, düstere Underground Musik. Das Ganze gibt es zudem als kostenlosen Download. Viel Spass bei der Entdeckungsreise, sie lohnt sich. (andreas)

TRACKLIST
01 Astari Nite – Contentment
02 Farblos – Never Too Late
03 She Past Away – Ruh
04 Madame B – This Morning
05 The Amount Of Light We Give Off – Together Apart
06 Savage Sister + Lykanthea – Diving
07 Sinezamia – Nella Distanza
08 LisaWars – Auf der Flucht
09 Burntime – The List
10 Equinoxious – A26
11 The Nightchild – Through The Night
12 The One2s – Any Other Time
13 La Ciencia – Ofelia
14 This Cold – Torn Apart
15 Trance To The Sun – Railcar To Tasmania
16 T:H:E – 12:50
17 Zachery Allan Starkey – Rats
18 At Night – Sundown
19 Disweather – MJFK