MINOR BIRDS “The Alchemist” (Heavenly Voices/Folk/Klassik/Romantik)

Online seit 8.02.2018

MINOR BIRDS

“The Alchemist”
(Heavenly Voices/Folk/Klassik/Romantik)

Wertung: sehr gut

VÖ: 06.10.2017

Label: Eigenproduktion/ sonst Ascension Records

Webseite:  Bandcamp / Facebook / Homepage

Hinter MINOR BIRDS verbirgt sich die klassisch ausgebildete Pianistin und autodidaktische Multiinstrumentalistin Chelsea Wilde, die mit ihrer gefühlvollen Stimme an Tori Amos oder Kate Bush erinnert. Auf ihrer aktuellen 3 Track EP liefert sie ein gefühlvolles Kleinod voller verführerischer Melancholie ab. Zur Begleitung von Cello und Klavier verführt sie den Hörer mit ihrer, von Sanftheit geprägten Stimme. Die Texte sind geprägt von einer wunderschönen Poesie, unaufgesetzt und authentisch, ohne in kitschige Tagträumereien abzudriften.

“The Alchemist” verarbeitet selbstzweifelnd ein prosaisches Zwiegespräch, mit dem Spiegelbild oder dem imaginären Du. Stimme und Klangspektrum geformt zur Einheit, wobei sich der Text nicht unterordnet, sondern schwermütig integriert. Die Interpretation des Gedichtes bleibt im Auge/Ohr des Betrachters. Die zarte und doch druckvolle Stimme variiert zwischen zerbrechlich und betörend.

Das folgende “Sinners and Saints” ist von der Grundstimmung etwas dunkler inszeniert, wobei zwischendrin orchestrale bis sakrale (Glockenklänge) eingefügt werden. Insgesamt etwas minimalistischer arrangiert als der Titelsong. Im letzten Song (“Letters to Mary Toft”) geht es um eine Dienstmagd, die um 1726 zur Berühmtheit wurde, weil sie angeblich Kaninchen gebar. Hier gelangt sie erneut zur Berühmtheit und wird fast zur Schutzpatronin. Auch hier badet die kristalline Ruhe in klassischer Tastenakrobatik, wobei die Tasten wohltuend sanft berührt werden. Die Melancholie verschmilzt hier mit einer gewissen tragischen Komponente.

Fazit: Für Fans von Tori Amos, Kate Bush oder Anhängern der Heavenly Voices Bewegung aus den späten 80ern ein Genuss (Dead can dance Epigonen sollten zudem ein Ohr riskieren). Wohlwollend zu erwähnen, dass die Amerikanerin trotz eingängiger Melancholie eher der Klassik als dem Pop frönt. Sehr gelungen und eine wirklich wunderschöne, facettenreiche Stimme. (andreas)

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