EMPFEHLUNG, REVIEW

GUFLUX “Blue Moon” (Etherial Ambient Wave/ Elektro)

GUFLUX

“Blue Moon”
(Etherial Ambient Wave / Elektro)

Wertung: Empfehlung!

VÖ: 30.03.2014

Label: Guflu Industries

Webseite: Homepage / Facebook / Bandcamp 

Zu einem guten Menü gehört ein Aperitif, und bevor wir unsere Sinnesfreuden der Akustik hingeben, eröffnet uns das Werk des Niederländers John van Loon einen haptischen und visuellen Genuss erster Güte. Eingebettet in einem 7″ Klappcover (20x20cm) befindet sich ein großformatiges, schön gestaltetet Booklet und die beiden CDs, mal dunkel unsichtbar als “New Moon” und den angestrahlten Vollmond verdunkelnd als “Dark Moon”.

Nach Jahren der Abwesenheit meldet sich John mit einem epochalem Werk zurück. 2005 erschien sein Debüt, noch unter dem Bandnamen Dark Territory (Review ), 2008 gab es dann ein Mix Album mit verschiedenen internationalen Künstler, bevor ihn ein Tinnitus nicht nur an der weiteren Arbeit hinderte, sondern auch seine Lebensqualität enorm einschränkte, nach zweieinhalb Jahren intensiver Behandlung in Belgien ist John geheilt, veranstaltete im März ein Tinnitus Symposium in Amsterdam und nun ist er auch wieder musikalisch aktiv.

“Blue Moon” glänzt mit einer ausstrahlenden Ruhe und seinen Ambient-artigen Soundtrack Facetten, dessen entfaltende Stimmungswelten an frühe Dead can Dance erinnern. Der Opener “Schmerztanz” besitzt zudem ein paar Industrial Elemente, die sich im Chorus einer fast beschwörenden Stimmakrobatik hingeben. Eine fein eingewobene Sphärik sorgt für eine gelungene Einleitung. “Sorrow” besitzt dann diese sakrale Eleganz, die sich wie ein Requiem in verworren bis klaren Soundstrukturen offenbaren. Eine betörende Stimme verleiht dem Song eine elegische Hingabe. Die “World Music Gesänge” sind zartweich, teilweise zerbrechlich, doch immer mit einer gewissen Dynamik versehen. “Laika” ist etwas düsterer und mit einer gewissen Dramatik versehen. In dem Stück werden verschiedene Astro- bzw. Kosmonauten aufgezählt, die sich kurze oder längere Zeit im Weltall aufhielten oder den Mond betraten. Ausgehend vom ersten Lebewesen (dem Hund Laika) über Yuri Gagarin (erster Mensch im All) und Armstrong (erster Mensch, der die Mondoberfläche betrat) bis hin zu Eileen Collins (erste Frau auf dem Pilotensitz eines Space Shuttle). Hinzu kommen dem Mond betreffende astronomische Bezeichnungen (Timocharis; Sung-Mei).

Umhüllt von wunderschönen Klangimpressionen erklingt das betörende “Dedicator”. Eingebettet in wohliger Entspannung kommt der warme Gesang von John bestens zur Geltung. Verschwörerische Percussions sorgen für einen galanten Songaufbau und ergeben sich in einer quantitativen Temposteigerung, die sich einem dezenten Bombast auferlegt. Dazu kommt eine Prise Ethno-Pop, welche dem Stück eine galante Eingängigkeit schenkt. In der melancholischen Ausrichtung der musikalischen Untermalung laufen auch Vergleiche mit Clan of Xymox nicht fehl.

“Tears” ist dagegen wieder minimalistischer ausgerichtet, während ein Cello für zusätzliche Dramatik sorgt. Verschönert mit Violine und mit Sprachsamples der NASA versehen kommt das orientalisch angehauchte “Eagle” daher. Die Elektronik dissoniert zunächst die Klänge, bevor der Funkverkehr der ersten Mondlandung (remember “the Eagle is landed”?) dem Song einem effektvollen Impressionsrahmen verleiht. Ein von Dramatik und dunkler Finessen besetztes Kleinod öffnet sich mit “Ararat” (türkischer Berg, an dem die Arche Noah gestrandet sein soll, bevor “dawn of deliverence” mit der wundervollen Stimme von Sepideh Vahidi (Homepage) verfeinert, dem Klangkosmos ein zusätzliches Schmankerl verleiht.

“Pariahs from the Sun” vermengt Pink Floyd’sche Klangspektren mit einer bittersüßen Melodielinie, die sich einer getragenen Atmosphäre hingibt. “The Fields” arbeitet hingegen wieder mit Dark Electro Einflüssen, welche dem sphärischen Grundgerüst einen dunkel-treibenden Überbau bescheren. Versunken in romantische Flächen und mit beseelter Schwermut inszeniert liefert “Nocturne” den perfekten Einstieg in das düstere Schlussstück “Static 69”, welches erneut mit Sprachsamples der NASA vertont wurde.

Nach dieser Sinnesreise in die wunderschönen Klangwelten von GUFLUX muss man erstmal durchatmen, bevor man sich dann der zweiten CD widmen kann. Denn auf “Dark Moon” ist die entspannende Wirkung von GUFLUX nur noch marginal vorhanden, hier handelt es sich nämlich um Mixe von unterschiedlichen Künstlern und gleich das schweißtreibende “Schmerztanz” (Mix von Nik von Einselen) kommt mit energetischer, elektronischer Kraft daher und besitzt ein hohes Maß an Clubtauglichkeit. “Ptolomea” (Mix von Ah Cama-Sotz) erklingt spacig und lässt sich von krachigen Strukturen leiten, die einer kühlen Ästhetik gleichen. Die Mixe sind allesamt sehr unterschiedlich gestaltet, da ist für jeden was dabei, sei es PsychedelicTrance, Industrial, Ambient, EBM, Eurobeat usw. Besonders deutlich werden diese Verschiedenheiten in den unterschiedlichen Mixen von “Vrijdag”, welches von God’s bow eher romantisch sphärisch arrangiert wird, während Tonikum dem Song eher spacig und dunkel stampfend begegnet (zudem scheint eine frühe Melodielinie integriert zu sein).

Herauszuheben ist noch “Die Geschichte einer Blume” (featuring Sara Noxx), eine kurze, dezent untermalte Erzählung, welche dann perfekt übergeht in das clubtaugliche “Dark Flower”, ebenfalls mit Sara Noxx. Krachige Percussion treffen auf treibende Beats und führen den Hörer erneut in die Geschichte einer Blume.

Fazit: GUFLUX erschafft Klangkosmen, deren man sich kaum entziehen kann. Besonders, wenn es einem gelingt, tief einzutauchen und über Kopfhörer die unterschiedlichsten Facetten, Melodien, Geräusche, Gesänge aufzunehmen und im Innern wirken zu lassen. Wenn man Vergleiche mit der Klassik ziehen würde, kämen Komponisten wie Brahms oder Mahler in Betracht, wobei nicht unbedingt die Vertonungen gemeint sind, sondern die transportierten Stimmungen. Ihr solltet euch auf jedem Fall die limitierte Deluxe Box zulegen, die Schönheit dieser Veröffentlichung würde durch Nur-download um die Haptik und visuelle Eleganz beschnitten. (andreas)