DÉCEMBRE NOIR :: Über ihre Musik, das Party.San und mehr…

Online seit 23.10.2016

Auf die Erfurter Band DÉCEMBRE NOIR bin ich schon durch ihr Debüt (Review hier) aufmerksam geworden. Vor kurzem haben sie ihr zweites Album herausgebracht (Review hier) und am selben Tag auf dem Party.San einen umjubelten Auftritt gespielt, der auch mich begeisterte. Gründe genug sich mal mit der Band zu unterhalten! Gitarrist Sebastian Görlach hat sich meinen Fragen gestellt!

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Amboss: Moin Jungs, danke für das Interview. Alle gut bei euch?
Sebastian: Hallo! Danke! Uns geht es gut. Wir haben nach dem Release des neuen Albums zwar einiges um die Ohren, aber das ist ja sehr positiv und gibt uns keinen Ansatz zur Klage.

Amboss: Erzählt doch mal bitte etwas über eure Band für diejenigen, die euch noch nicht kennen sollten!
Sebastian: Décembre Noir wurde gegründet, um den Hang der Musiker zum Doom und Death Metal ausleben zu können. 2012 kann man getrost als Geburtsjahr der Band beschreiben, da es vorher als Zweimannprojekt begonnen hatte. Es brauchte eine gewisse Findungsphase, bis die Besetzung stand und man von der „Band“ Décembre Noir sprechen konnte. Einige Konzerte folgten und im Mai 2014 erblickte das Debütalbum „A Discouraged Believer“ das Licht der Welt. Im August 2016 dann das Zweitwerk „Forsaken Earth“.

Amboss: Eure beiden Alben gefallen mir sehr gut, auch wenn ich sonst eher nicht auf solche Musik stehe. Was macht euch aus? Wo seid ihr anders?
Sebastian: Gut, da ist natürlich erstmal der Anfang zu suchen, im Vergleich zu was wir anders sind. Jede Band macht ja ihre eigene Musik, trotzdem braucht es anscheinend immer wieder Schubladen zur Einordnung. Wir werden in den Reviews häufig mit der ein oder anderen Szenegröße verglichen und dann beginnt der nächste Satz mit einem „Aber“. Das braucht es wohl, um den Leser mit wenigen Worten ein Bild von uns zu vermitteln. Was uns in der Gegenüberstellung zu den Bands, in deren Fußstapfen wir zu treten scheinen, anders macht, ist wahrscheinlich unser Pflichtbewusstsein, unsere Wurzeln des Death-Bereiches immer wieder zu gießen und das konsequent auf beiden Alben. Das ist nicht ein Korsett, welches wir uns angelegt haben, sondern eher eine Feststellung im Nachhinein. Wir lassen uns selber überraschen, wohin die Reise geht. Uns wird der Peacevillesound der Neunziger zugesprochen, aber die musikalische Umsetzung und Produktion der heutigen Zeit und deren Möglichkeiten. Sicherlich ist das ein sehr eigener Aspekt, der uns von anderen heutigen Bands unterscheidet.

Amboss: Der Sound von „A Discouraged Believer“ unterscheidet sich doch um einiges zum Sound von „Forsaken Earth“. War das von vornherein geplant, oder ist das „so passiert“?
Sebastian: Wir haben nicht bewusst nach Veränderung im Sound gesucht, da wir ja mit ihm sehr zufrieden waren. Kleine Veränderungen bei der Aufnahme haben wir durchgeführt, aber im Großen und Ganzen haben die Songs an sich Eike und Alex zu dem Sound bewegt, den die beiden Scheiben jetzt haben. Auch bei „Forsaken Earth“ war während der Schlagzeugaufnahme den beiden bereits klar, wohin die Reise gehen soll. Zur Aufnahme des Schlagzeugs sind wir allerdings nach Hamburg zu Eike ins Studio gegangen.

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Amboss: Wie seid ihr denn zum Doom gekommen? Von jeher Fans der Richtung?
Sebastian: Bestimmt nicht alle Mitglieder der Band von vorn herein. Die Leidenschaft für den Doom war vor der Gründung schon beim Großteil von uns vorhanden. Wir spielten damals alle in Bands, in denen es wesentlich schneller und heftiger zur Sache ging und das Eintauchen in die Musik, die uns immer in ihren Bann zog, war wohl ein wenig ein vorbestimmter Weg, der irgendwann eingeschlagen werden musste. Da uns aber die Freude am Ausbruch in die Death Metal Bereiche geblieben ist, wird es bei uns wohl nie gänzlich den Weg in reinen Doom finden. Wir verfolgen da auch kein festgeschriebenes Konzept, sondern lassen Décembre Noir einfach wachsen.

Amboss: Welche Bands inspirieren euch oder wo sammelt ihr eure Inspiration?
Sebastian: Das ist echt schwer zu sagen. Die Bands mit denen wir verglichen werden, stehen beim Schreiben der Songs wirklich nicht Pate. Jeder von uns bevorzugt da auch andere Bands, von denen er sich inspirieren lässt. Das muss auch nicht aus derselben Musikrichtung sein, in der sich Décembre Noir befindet. Aber natürlich waren die Großen der Szene der Antrieb zum Beginn.

Amboss: Am Tag als „Forsaken Earth“ veröffentlicht wurde, habt ihr auf dem Party.San gespielt. Ich war auch da und hab mich vorher schon ziemlich darauf gefreut. Ich habe zwar nicht alle Bands im Zelt gesehen aber würde behaupten, dass ihr dort mit Abstand am meisten abgefeiert wurdet. Schiebt ihr das auf eure Erfurter Herkunft? Ihr schient selber sehr überrascht und geplättet zu sein.
Sebastian: Wir haben im Vorfeld schon ein wenig mitbekommen das da ein „reges Interesse“ an unserem Auftritt dort besteht, aber als wir das Zelt der Art voll vorfanden, als wir die Bühne betraten, waren wir schon ein wenig platt. Als uns dann noch so eine derartige Begeisterung entgegen gebracht wurde, und das Zelt sich kurz vor Ende unseres Konzertes immer noch füllte, waren wir restlos überwältigt. Aber sicher hat das nichts mit unserer Herkunft zu tun. Da sind wir über die Landesgrenzen Thüringens doch mehr hinaus gewachsen als wir dachten.

Amboss: Was hat euch dieser Gig im Vorfeld bedeutet? Seid ihr Festivalgänger und auf dem Party.San auch privat vertreten oder war das euer erster „Besuch“ dort?
Sebastian: Das Party.San ist definitiv unser Hausfestival. Wir sind seit vielen Jahren Gäste dort, oder haben gar mitgeholfen. Es war für uns auf jeden Fall ein ganz großes Ziel, dort spielen zu können. Umso mehr hat es uns gefreut, unsere Release Show dort zu haben. Einen Slot am Abend zu bekommen, hat natürlich alles perfekt gemacht.

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Amboss: Ich fand das Zelt ziemlich „passend“ für euch und euren Auftritt. Hättet ihr als Band lieber die große Bühne gehabt? Jeder will doch lieber die große Bühne haben, oder?
Sebastian: Wir fühlen uns auf großen Bühnen schon wohl, so ist das nicht. Aber lieber auf einer Nebenbühne am Abend als auf der Mainstage in der Mittagssonne. Wir transportieren ja auch viel Stimmung und Emotionen, das lässt sich mit Licht doch schöner in Szene setzen.

Amboss: Aufgrund eurer Spielzeit von 30 Minuten habt ihr mit „Forsaken Earth“ nur einen Track vom 1. Album gespielt. Ich hatte auf mehr alte Songs gehofft. Aber am Veröffentlichungstag will man wohl eher die aktuelle Scheibe präsentieren, die ja mit 3 Stücken (In This Greenhouse Of Loneliness And Clouds, Small. Town. Depression, Distant And Ureachable) vertreten war. Spielt ihr prinzipiell momentan lieber die neuen Songs?
Sebastian: Da hat man uns im Vorfeld schon eine ordentliche Aufgabe gestellt. Da unsere Songs ja nun nicht die kürzesten sind, waren wir ganz schön am Rechnen. Wir wollten alte und neue Songs spielen, es blieb aber nur ein alter Song im Set. Das ist aber bei jedem begrenzten Set so, dass man gut planen muss. Die Erstellung der Setlist lässt oft nicht so viele Variationen zu. Es gibt Songs die einfach kommen müssen, weil das Publikum darauf wartet. Als Band würde man natürlich auch gerne mal wieder was anderes spielen.

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Amboss: Wie seid ihr an euren Deal mit F.D.A. gekommen? Habt ihr euch beworben?
Sebastian: Nicht direkt, Deserted Fear waren zu der Zeit schon bei FDA unter Vertrag. Sie haben uns da ins Spiel gebracht. Nach der Sichtung von ein paar Handymitschnitten von unseren Konzerten bekamen wir den Deal. Sogar einige Zeit bevor wir ins Studio gingen.

Amboss: Was steht in nächster Zeit so auf eurem Plan? Viele Gigs? Wie verbindet ihr das Musikerdasein mit euren Jobs?
Sebastian: Das ist immer eine gute Frage, gerade im nächsten Jahr stehen so einige Konzerte auf dem Plan und da werden auch noch welche folgen. Es ist immer schwierig, nicht nur im Speziellen wegen dem Job, sondern ja auch wegen der Familien. Alle Urlaubstage der Band zu widmen, verlangt von Frau und Kindern mehr als nur Einfühlungsvermögen ab. Wir planen zu touren, aber auch die Festivalsaison ist schon recht umfangreich. Das nächste Jahr wird auf jeden Fall Einiges von uns abverlangen. Aber wir freuen uns darauf.

Amboss: Vielen Dank für das Gespräch. Die letzten Worte gehören euch…
Sebastian: Das ist wohl der schwierigste Teil eines Interviews. Was soll man nun den Lesern mit auf den Weg geben. Ich denke, die Leute die diesen Artikel lesen, haben ein Herz für den Metal Underground. Bleibt dabei! Unterstützt eure lokalen Bands und fördert so die Vielfalt. Sorgt dafür, dass nicht alles gleich klingt, da der „Markt“ es angeblich so verlangt. Es gibt wahnsinnig tolle Musiker da draußen, denen kein Gehör geschenkt wird.

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