VERGE “The Process of Self-Becoming” (Post Black Metal)

Online seit 14.10.2017

VERGE

“The Process of Self-Becoming”
(Post Black Metal)

Wertung: hoch interessant

: 15.09.2017

Label: I, Voidhanger Records

Webseite: Facebook

Das nenn’ ich mal food-for-thought! VERGE, ein finnisches Quartett, haben ihr drittes Album ganz dem Existenzialismus gewidmet. Albert Camus oder Jean-Paul Sartre wären mein Mittel der Wahl, aber die Quelle der Inspiration von VERGE ist der dänische Philosoph Søren Kierkegaard, der gemeinhin als Begründer der Existenzphilosophie gilt. Im Vergleich zu Camus und Sartre spielt die Religion bei Kierkegaard eine wichtige Rolle, denn er akzeptiert, dass (ein) Gott die Existenz beschert hat und der Mensch durch den Glauben in ein existenzielles Verhältnis zu Gott treten muss, wogegen bei Camus die Existenz der Essenz voraus geht, was sich nicht per se ausschließt, aber dem Sinn der Freiheit im Absurden eine andere Richtung gibt.

Das Album “The Process of Self-Becoming” orientiert sich an den drei Stadien der Existenz nach Kierkegaard: Ästhetik, Moral, Religion und so wird auch das Album in drei große Kapitel aufgeteilt.

Musikalisch gibt man dem Thema einen spannenden, wenngleich nicht immer passenden Rahmen, wie ich finde, denn dieses Thema ist sehr introspektiv und erst im Verlaufe werden die Post Black Metal-Parts immer offensichtlicher, was dem Thema deutlich zugute kommt, während ich die kalte Wut und Aggression, die uns teilweise entgegenschlägt, nicht mit diesem Kontext assoziieren würde. Daher bin ich von Songs wie “The Ridiculous Difficulty of Acceptance”, “The Pride in Despair” oder “Grounding in the Underground” schwer begeistert, erschafft man besonders dort eine würdige Atmosphäre und setzt auch mit Klargesang einen Kontrapunkt zur sonst wütenden Aggression des oldschooligen Black Metals.

Musikalisch ist “The Process of Self-Becoming” kein absoluter Meilenstein, aber verdammt gut und das lyrische Konzept verdient sowohl Applaus, als auch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk Kierkegaards. Auf Wikipedia findet man seine Philosophie schön zusammengefasst: Søren Kierkegaard. Und wo ihr euch jetzt hoffentlich mit der Philosophie des Existenzialismus beschäftigt, hier noch ein Tipp meinerseits: Albert Camus. (chris)

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