PILLORIAN + VALBORG + MOSAIC + TOTAL NEGATION :: Auf Black Metal gepolt

Online seit 27.04.2017

Livebericht Münster/Sputnikhalle am 15.04.2017

Die Trauer um den Split von Agalloch sitzt mir immer noch tief in den Knochen. Ich durfte die Band mehrere Male live erleben und auch die Alben gefallen mir durch die Bank weg sehr gut. Umso größer war die Freude als bekannt gegeben wurde, dass die zerstrittenen Mitglieder sich in neuen Projekten erneut formierten. Sänger/Gründungsmitglied und Songwriting Mastermind John Haughm äußerte oft, dass er Lust hätte ein etwas Black-Metal lastigeres Projekt zu starten und somit entsprang binnen kürzester Zeit Pillorian wie ein Phönix aus der Asche. Das Debut Album Obsidian Arc katapultierte sich direkt an die Spitze meiner täglichen Playlists und da stand es außer Frage dass ich auf jeden Fall einen Live-Termin erwischen musste. Die Entscheidung fiel schnell, da in Münster noch Mosaic auf dem Billing standen, die ich leider auf dem Party San verpasst habe.
Nach kurzer Autofahrt ohne Stau erreichten wir bei Black Metalliger Eiseskälte die Sputnikhalle in Münster. Die Halle war schnell gut gefüllt und wir erwarteten bei einem Stück Pizza und einem Bier den Beginn der ersten Band.

TOTAL NEGATION
Die Band hatte ich vorher noch nie gehört oder live gesehen. Die Musiker traten teils edel gekleidet (Anzüge und Kleider) die Bühne. Einige von ihnen hatten selbstgemachte silberne Masken, die mit Zweigen verziert waren, aufgesetzt (siehe Foto), die sehr zu einer obskuren Atmosphäre beitrugen. Dazu kamen noch Black Metal untypische Instrumente wie Marimbaphon, Cello, Melodica und Saxophon. Die gekrächzten Texte auf deutsch schnürten dann das Gesamtpaket der Skurilität. Ich persönlich hätte mir etwas weniger Licht gewünscht, aber das ist natürlich Geschmackssache. Alles in Allem eine echt eindrucksvolle Darbietung, die stellenweise sehr an eine krasse Theateraufführung erinnert. Mir persönlich war es alles etwas over the top und deswegen konnte mich die Band nicht vollständig überzeugen bzw. packen. Dies mag aber auch daran gelegen haben, dass ich die Band vorher nicht kannte und nicht ich nicht wusste was mich erwartet. Ich denke, dass die Fans der Band auf jeden Fall auf ihrer Kosten gekommen sind und dies zeigte sich an dem Abend auch durch den reichlichen Beifall.

MOSAIC
Nachdem ich mir in den letzten Wochen das Old Man‘s Wyntar Album von MOSAIC jeden Tag angehört habe, war ich auf diesen Auftritt sehr gespannt. Die Bühne wurde mit Kupferstichaufstellern, Baumzweigen und Knochen dekoriert. Die Musiker waren in schwarze Überwürfe gekleidet und Frontmann Inkantator Koura hatte sich noch das Gesicht in silberne Farbe getaucht. Die Bühne wurde noch mit Grablichtern beleuchtet und durch den Geruch einiger Räucherschalen war die Atmosphäre perfekt. Das Intro leutete perfekt die Special Show zu Old Man‘s Wyntar ein und schon war man gefangen in der Musik. Die Mischung aus Ambience, Naturgeräuschen und Black Metal packte mich direkt. Der Sound war perfekt abgemischt und die Musiker waren gut eingespielt. Die Atmosphäre und Lautstärke und auch das wesentlich tightere Drumming, im Vergleich zur CD, machten die Musik für mich noch greifbarer als auf CD. Gänsehaut Pur. Der klagende Gesang und auch die abwechslungsreiche Musik ließen mich nicht mehr los. Danke für diese magische und unvergleichliche Show. An diesen Auftritt werde ich mich noch sehr lange erinnern.

VALBORG
VALBORG war neben Total Negation auch eine Band, die ich vor dem Auftritt nicht kannte. Grundsätzlich finde ich Bands mit drei Musikern aber immer sympathisch. Die Mischung aus Death und Doom und einer Prise Individualität funktionierte live sehr gut. Die Tempowechsel von mal schnell, mal Midtempo mal sehr schleppend machten den Auftritt sehr abwechslungsreich und auch die teilweise deutschen Texte passten gut zur Musik, erinnerten mich aber leider manchmal an Rammstein. Der Auftritt gefiel mir insgesamt echt gut und ich werde VALBORG auf jeden Fall auch mal auf Platte auschecken, doch leider war ich an diesem Abend leider eher auf Black Metal gepolt und nicht so offen für ihre Musik. Abgefeiert wurden sie von den anwesenden Gästen auf jeden Fall.

PILLORIAN

Der Ex-Agalloch und nun PILLORIAN Frontmann Jon Haughm machte während des Aufbaus auf der Bühne einen angespannten Eindruck.. Als er mit den anderen Musikern die Bühne betrat, hatte ich das Gefühl dass alle ziemlich entspannt waren, nur er war irgendwie unzufrieden. Es stellte sich dann heraus, dass er Probleme mit seiner Anlage hatte. Da sei schlechte Laune auch mal verziehen, wenn man wegen Problemen mit der Anlage nicht wie gewohnt spielen kann. Die Show selber haute mich ziemlich aus den Latschen. Wie ich es von Agalloch gewohnt war, passte das Licht und die Atmosphäre ziemlich gut. Leider gingen in dem Sound teilweise die geilen melodiösen Teile etwas unter, die mich auf dem Album so gepackt hatten. Evtl auch Problem der Anlage von Jon? Wenn ich mich Recht erinnere spielten PILLORIAN das komplette Debütalbum „Obsidian Arc“. Live funktionieren die Songs sehr gut, wurden aber vom Sound und von der etwas fehlenden Spielfreudigkeit der Musiker getrübt.

Zusammenfassend fand ich diesen Abend sehr gelungen. Ein großer Dank geht an Malte von „Unaussprechliche Culthe“ für dieses geile Package und die gute Organisation.
(Text: raphael, Fotos: hendrik)

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