NEUROTIC DEATHFEST 2012 :: 3 Tage Death Metal und Grindcore in der Halle

Online seit 25.11.2012

Dieses Jahr war bereits das 9. Neurotic Deathfest in Holland und da uns dieses Jahr das Line-Up wieder sehr gut gefiel, haben wir uns auf den Weg nach Tilburg gemacht, um dieses mal für 3 Tage lang Death Metal und Grindcore zu genießen!

Da Tilburg anscheinend kein Hostel hat, haben wir uns in einem Hotel eingemietet und zu unserer Überraschung erfuhren wir relativ schnell aus zuverlässiger Quelle, dass auch Acheron, Suffocation, Blood Red Throne, Cattle Decapitation und Fleshgod Apocalypse hier ihr Lager aufgeschlagen haben. Hat uns jetzt nicht viel gebracht, da wir ja doch die ganze Zeit im 013 waren, hört sich aber doch irgendwie gut an!

 

Freitag fing das Spektakel erst um 18h an, deswegen war das Tagespensum relative klein, aber dafür auch OHO!

Unseren Beginn machten CEREBRAL BORE aus Schottland/Holland. Ich habe diese Band erst am Tag vor dem Festival durch Zufall durch ihr Youtube-Video kennen gelernt. Erst auf dem Festival erfuhr ich zu dem, dass der Sänger eine Sängerin ist, die zudem erst 20 Jahre auf dem Buckel hat. Brutal Death Metal mit Frauenstimme. Da war ich doch sehr auf die Liveperformance gespannt! An dieser gab es dann wirklich nichts auszusetzen. Einzige Kritikpunkte, etwas mehr Bühnenpräsenz hätte ich mir von Sängerin Simone gewünscht, zudem hinterließ es einen leicht faden Beigeschmack, dass man den Pitchshift auf ihrer Stimme sehr gut raushören konnte, auf Platte klingt das Ganze wesentlich dicker! Na ja, guter Auftritt!

 

 

ASPHYX, die auf der Autobahn auf dem Hinweg in einem schäbigen Kleinbus an uns vorbeifuhren, gingen pünktlich auf die Bühne. Mit dem Heimspielbonus als niederländische Death Metal Macht und dem neuen Album „Deathhammer“ als Munition stürmten sie in die Schlacht. Der Sänger van Drunen tätigte die ersten Ansagen auf Niederländisch, so dass wir wenig verstanden, aber es wirkte sympathisch. Der Sound war anfänglich etwas zu laut, das regelte sich aber während des Auftrittes und war dann nahezu perfekt. Die Mischung aus alten und neuen Songs war auch sehr gut und es hagelte eine Doom/Death Salve nach der Anderen. Besonders gut gefielen mir die Songs vom neuen Album „Deathhammer“ und „We Doom You To Death“, weil sie zeigten dass der ASPHYX Sound immer noch in unterschiedlicher Geschwindigkeit funktioniert. Solides Konzert und auch wesentlich interessanter als das Partnerprojekt Hail of Bullets.

 

 

NAPALM DEATH rauschten mit neuer Platte und neuem Set auf die Bühne. „Utilitarian“ noch keine Woche auf dem Markt, fand bei den Fans in Holland reißenden Absatz am Merchandise-Tisch und schraubte die Erwartungen für den Gig höher als sonst. Das neue Set begann auch gleich mit 2 Songs der neuen Platte, bis Barney uns eröffnete, dass das neue Set Songs enthalte, die teilweise seit über 15 Jahren nicht mehr live gespielt wurden. Im Verlauf kamen dann Songs der Platten zwischen ´95 und 2000 auf die Bühne, die mir sonst immer etwas gefehlt haben. Für mich sehr gut. Die Standardsongs „Suffer The Children“, „Nazi Punks Fuck Off“ und die üblichen Songs der Scum-Platte waren, wie immer, vorhanden. Zwischen Den Songs sprachen die Jungs sich bezüglich der Playlist noch hier und da ab, was etwas ungewohnt wirkte. Hinsichtlich des Umstandes, dass es der erste Gig mit der neuen Playlist war, aber verständlich. Was soll man sonst noch viel sagen. NAPALM DEATH sind NAPALM DEATH, eine Macht!

 

 

Unser Samstag begann mit dem Auftritt einer Band, die ich schon seit langem live erleben wollte. LENG TCH´E knallten den Leuten ihren Razorgrind vor den Latz, dass es nur so eine Freude war und das Publikum belohnte diese Spielfreude mit ausschließlich positiven Reaktionen. Meine Vorfreude war hier mehr als berechtigt. Ob Vollgas oder groovige Parts, hier schien alles am richtigen Platz zu sein und die Spielfreude tat ihr zusätzliches. Einer der besten Auftritte des Festivals!


ORIGIN haben mich bis jetzt live immer umgehauen. Das neue Album „Entity“ läuft seit längerem bei mir im CD Player. Diesmal sahen wir nur die 3 letzten Songs, aber das reichte auch, da der Übersong „Finite“ vom Vorgänger Album „Antithesis“ dabei war. Der Sound war sehr gut, der neue Sänger war gut aufgelegt und alles funktionierte. Die beiden anderen Songs waren auch sehr gut und somit reichte der kurze Auftritt, da die Band live doch sehr anstrengend ist.

 

MORGOTH, die wir vorher schon in der Fußgängerzone Tilburgs sahen, schienen sehr gut drauf zu sein. Somit wuchs meine Vorfreude auf den Auftritt umso mehr. Die deutsche Death Metal Legende, die letztes Jahr eine Reunion feierte, hatte ich auch schon auf mehreren Sommerfestivals gesehen und die Auftritte waren durch die Bank einfach genial. So auch auf dem Neurotic Deathfest. Der Sound war sehr gut und druckvoll, der Sänger hatte wieder seine leuchtenden Kontaktlinsen eingesetzt und die Songauswahl reichte über alle Releases. Songs wie „Pits of Utumno“, „Isolated“ und „Suffer Life“ funktionieren live genauso gut wie auf CD. Deutscher Death Metal lebt.

 

 

 

PUTRID PILE hat vor 2 Jahren auch schon auf der 2. Bühne des NDF gestanden und mich damals total positiv überrascht. Dieses Mal freute ich mich auf ihren Auftritt und auch der Rest des Publikums freute sich auf die amerikanische One-man-Show! Shaun LaCanne erzählte nach dem ersten Song erstmal ganz freudig, das sein zweites Album „The Pleasure In Suffering“ in Deutschland auf dem Index gelandet ist und spielte dann auch direkt einen Song dieser Scheibe! Das Publikum nahm diesen Auftritt sehr positiv auf. Bei mir wollte der Funke dieses Mal nicht überspringen.

 

 

 

 

Als nächstes gingen wir zu ANAAL NATHRAKH zur Hauptbühne rüber. Diese Band wollte eigentlich nie live spielen, hat sich beim dritten Album aber dann glücklicherweise anders entschieden. Ihre Mischung aus Grindcore und Black Metal funktioniert nämlich auch auf der Bühne hervorragend. ANAAL NATHRAKH klangen hier meiner Meinung nach sogar besser als auf CD, da ihr Sound für mich dort doch etwas zu klinisch ist, um sich eine ganz CD am Stück zu geben! Die beiden „Anaalen“ wurden von Musikern unterstützt und legten ein wahres Massaker auf die Bühne. Es lohnt sich absolut, diese Band zu sehen, wenn man ihre Musik mag.

Von Bands auf die wir gewartet haben, kommen wir zu Bands, die wir uns nur interessehalber ansahen. CARNIFEX habe ich mir ein Mal auf CD angehört und da hat mir das Ganze nichts gegeben. Außerdem kann ich mit der Deathcore-Szene im Ganzen nicht viel anfangen. Beim Auftritt viel mir dann auf, dass außer dem Sänger der Rest der Band gar nicht so Recht in das Deathcoreschema passte. Der Song, den wir sahen, fing auch viel versprechend an, da eigentlich reiner Death Metal. Dann kam jedoch ein dicker Breakdown, der in noch mehr Tempodrosselung gipfelte. Kann ganz nett sein, wenn es denn nicht in jedem Song ein fester Bestandteil ist. Somit ließen wir CARNIFEX ihren Job tun und das Publikum, dem dieses gefällt, ihren Platz.

 

COLDWORKER waren für mich die Neuentdeckung des Festivals. Auf CD komplett an mir vorbei gegangen, aber als sie die Bühne betraten, wusste ich direkt, dass dies ein Fehler war, da niemand geringeres als der ehemalige Drummer der Grindgötter Nasum an den Drums sein Meisterwerk an die Menschheit weitergibt. Die Band zockte soliden Grindcore mit einigen Death Metal Einschlägen. Der Sound war sehr gut, aber komischerweise wurde der Zuschauerraum im Laufe des Konzertes immer leerer. Am Ende waren noch knapp 30 Leute da. Die Fans wussten wohl nicht was gut ist. Meiner Meinung nach ist das einfach eine Musikrichtung die live nahezu unschlagbar gut funktioniert. Danke COLDWORKER, Danke Schweden für die ultrageilen Grindcore Releases der letzten Jahre.

 

Von der New Yorker Death Metal Legende SUFFOCATION sahen wir nur den ersten Song, da wir ziemlich müde waren. Dieser setzte sich aus 3 wesentlichen Grundzügen zusammen. Guter Sound, Handkantenslams und sehr voller Konzerthalle… Machte Lust auf mehr, aber die Batterien waren einfach leer.

 

Sonntag war dann ein Zuschaueransturm zu verzeichnen, der uns überraschte. Dann fiel uns auf, dass mit der kompletten FULL OF HATE TOUR für heute sozusagen das Hauptprogramm eingekauft wurde. Die Hälfte des Programms der Mainstage bestand aus einem Teil der FULL OF HATE TOUR, somit hat es wohl viele Tagesgäste gegeben.

 

Endlich durfte ich die Kalifornischen CATTLE DECAPITATION live erleben. Da sie sich in Deutschland in den letzten Jahren sehr rar gemacht hatten, war dies eines meiner Highlights. Der Sound überzeugte mich von Anfang an, da die verfrickelten Riffs sehr gut zu erkennen waren. Travis Ryan ist einer der besten und sympathischsten Extrem-Metal Frontmänner, die es gibt. Stimmlich wechselt er zwischen Growling, Pig-Squealing und Screaming, besser gesagt er kotze, gurgelte, keifte und kreischte sich durch 40 Minuten Gore Death Metal. Die Songauswahl war sehr gut und beinhaltete von allen Schaffensphasen der Band Songs. Highlights waren definitiv „Testicular Manslaughter“, „Regret And The Grave“ und die zwei neuen Songs des bald erscheinenden Albums. CATTLE DECAPITATION lieferten ein komplett gelungenes Konzert ab.

 

ABORTED haben vom Sonntag und dem einsetzenden Regen profitiert. Bis zu dem Zeitpunkt als sie gespielt haben, habe ich nicht so viel Publikum vor der Bühne gesehen, dieses Jahr. Mit neuem Album im Gepäck und neuer Besetzung (im Gegensatz zum Auftritt vor 2 Jahren) hatten sich die Belgier einiges vorgenommen. Für mich immer eine Band, die höchste Aufmerksamkeit verdient, und die man sich live unbedingt geben sollte, war ich wie immer angetan von ihrer Performance. Zusätzlich muss man erwähnen, dass sie die einzige Band des Festivals waren, die derartige Publikumsbewegungen erzeugen konnte (sei es kollektives Headbanging oder Mosh- bzw. Circlepit) und soviel Zustimmung in Form von Applaus und Beantwortungen von Fragen von der Bühne vom Publikum bekommen hat, wie keine andere Band. DER Gig des Festivals, definitiv!!!

 

 

DECAPITATED musste ich sehen, da sie mich auf Platte immer umgehauen haben, auf dem Party.San 2011 aber enttäuschten. Der Sound war hier wesentlich besser als auf dem Party.San, aber trotzdem konnten DECAPITATED auch dieses Mal nicht die Kraft ihre Platten auf die Bühne bringen. Schade, ich hatte gedacht, dass es auf dem Party.San am Sound gelegen hat. Dem war wohl nicht so.
Von FLESHGOD APOCALYPSE sah ich nur einen Song, da der Bühnenraum viel zu voll war. Der Sound war auch recht matschig, aber es schien so als ob die italienischen Tech-Deather mit Keyboard eine solide Show ablegten. Schade für uns, dass es so unbeschreiblich voll war.

MISERY INDEX durfte ich in den letzten Jahren des öfteren auf Festival Bühnen erleben, somit war dies der erste Hallenauftritt für mich. Der Sound war für meinen Geschmack etwas zu laut und das ist öfter das Problem von Misery Index, da dadurch die geilen Gitarrenriffs etwas matschig werden. Nichts destotrotz war der Auftritt ziemlich gut. Die Band ist spielerisch einfach ganz vorne dabei und die Songs, die sich durch Grindcore und schnellen Groovigen Death Metal auszeichnen, funktionieren einfach und sind meiner Meinung nach einzigartig. Die Songauswahl durchzog alle Alben und bat somit jedem Fan etwas. Beim letzten Song wechselte komischerweise der Sänger seine Gitarre und nahm seine alte zur Hand, die er vor einigen Jahren immer benutzte. Dann offenbarte der Bassist, dass der Sänger heute 30 wird und sang Happy Birthday. Währenddessen schlich sich jemand an und warf dem Sänger eine gefühlte 10 Kilo Torte auf den Kopf. Dann spielte er komplett mit Torte bekleckert den letzten Song und zertrümmerte danach seine Gitarre auf der Bühne. Ziemlich lustig, diese Amerikaner!

Auch BLOOD RED THRONE standen Ewigkeiten auf der Liste der Bands, die ich noch live sehen musste! Der Auftritt startete etwas enttäuschend mit schlechtem Sound (direkt vor der Bühne) und einem total betrunkenen Yngve Bolt Christiansen am Mikrofon. Nach den ersten paar Songs steigerten sich die Norweger dann in eine Spielfreude, dass es eine Augenweide wurde. Dadurch, dass wir uns weiter nach hinten verzogen, wurde der Sound auch um einiges besser. Und somit konnte ich den Auftritt der Norweger doch noch genießen. Ich hatte bei den ersten Songs wirklich schon Bammel gehabt, umsonst Jahre lang auf eine Chance zu warten, diese wirklich gute Death Metal Band live zu sehen. Es hat sich gelohnt, obwohl ich die Songs größtenteils nicht kannte, da ich mich, warum auch immer, immer nur mit den ersten beiden CD´s beschäftigt habe. Ein Fehler, wie sich beim Hören der neuen Sachen herausstellte. Ein geiler Auftritt!

Zum Abschluß unseres Tages (Cannibal Corpse konnten wir uns zeittechnisch leider nicht mehr geben!) gingen wir zu BEHEMOTH. Nergal, nach seiner schweren Erkrankung wieder stark genug für Liveauftritte, fühlte sich sichtlich wohl auf der Bühne. Nur leider konnte wir aufgrund der großen Publikumsmenge und des bereits gestarteten Auftritts keinen Platz mehr ergattern, an dem wir eine einigermaßen akzeptable Sicht auf die Bühne gehabt hätten. Schweren Herzens verließen wir nach 2 Songs die Halle, um den Heimweg anzutreten. Wir haben uns auf BEHEMOTH gefreut, aber das Ganze nur zu hören aber nicht wirklich sehen zu können, erfüllte uns nun wirklich nicht!

(hendrik und raphael)

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