FILM+HÖRSPIEL

FILM „Der Babadook“ (Horror)

coverOriginaltitel: Mister Babadook

Herstellungsland: Australien, Kanada (2014)

: 18.09.2015

Wertung: Gut

Regie: Jennifer Kent

Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, David Henshall

FSK: ab 16

Studio: Capelight pictures

Genre: Horror

 

Inhaltsangabe:

Nach dem tragischen Tod ihres Mannes führt die junge Krankenschwester Amelia ein zurückgezogenes Leben mit ihrem Sohn Samuel. Eines Abends liest sie ihm ein Kinderbuch mit dem Titel Mister Babadook vor und Samuel glaubt, darin das Monster aus seinen Träumen zu erkennen. Anfangs denkt Amelia, die Furcht des Jungen sei unbegründet. Doch die Gutenachtgeschichte entfaltet bald ihren verstörenden Sog und Amelia wird selbst zunehmend mit unheimlichen Phänomenen konfrontiert. Mit dem Babadook sickert eine unheilvolle Bedrohung schleichend in das Leben der beiden. Denn wenn er erst einmal da ist, lässt er sich nicht mehr vertreiben. So steht es geschrieben.

Klassisch inspirierter Grusel Thriller

Wenn man sich Kinderbücher und die Geschichten darin durchliest, könnte man schnell bemerken, dass dort doch teilweise ziemlich grauenhafte Dinge geschehen. Grimms Märchen sind da wohl die besten Beispiele. In diesem Film ist auch ein Kinderbuch der scheinbare Auslöser von Angst und Schrecken. Das es obendrein ein optisch wunderschönes Popup Buch ist mit tollen Themen und Funktionen macht die Verwendung in einem Film noch umso reizvoller und wirkungsvoller.

Das man als Kind früher oft Angst hatte vor einem Monster unter dem Bett oder im Kleiderschrank, wurde in Filmen bereits sehr oft als Ansatz verwendet. Auch hier haben wir es mit einem Jungen zu tun, der scheinbar ziemlich einen an der Waffel hat und panische Ängste entwickelt. Er baut sich sogar abstrakte Waffen um sich seinen Feinden aus der Monsterwelt erwehren zu können. Ziemlich strange der Junge was ihn auch als Sonderling dastehen lässt. Doch alles wird noch schlimmer als die abendliche Lektüre das Buch „Mister Babadook“ ist, in dem ein dunkles Wesen die Bedrohung ist.

A

Kinder in Horrorfilmen können teilweise gruseliger sein, wie die Kreaturen des Grauens selber. Beste Beispiele sind da zum Beispiel der grauenhafte Junge in „Shining“ oder auch in „Friedhof der Kuscheltiere“. Natürlich liegt das meistens an den schlechten Synchronisationen in denen Erwachsene die Stimmen von kleinen Kindern mimen müssen.  In diesem Film ist auch ein kleiner Junge im Zentrum des Geschehens und auch hier muss man wirklich anmerken, dass dieses Kind ziemlich nervig und stressig ist. Doch Noah Wiseman passt mit dieser Eigenschaft und seinem etwas sonderbaren Aussehen natürlich bestens in die Rolle die hier zu erfüllen ist.

Die Visualisierung des Babadook selber wurde recht geschickt umgesetzt. Man hat es vermieden dieses Schattenwesen allzu detailliert darzustellen. Vielmehr sieht man tatsächlich oft nur eine Silhouette, einen Schatten oder Teile des Wesens. Damit umgeht man sehr geschickt einer möglicherweise peinlichen Darstellung. Nicht sonderlich gelungen empfinde ich die Vertonung, denn die Geräusche klingen sehr nach den J-Horrorwesen a la „The Grudge“, was ich nicht sonderlich begrüße in dieser Kombination.

Die stärkste Rolle im Film wird von Essie Davis als Mutter Amelia verkörpert. Sie wandelt sich in beeindruckender Art und Weise von einer liebevollen sorgsamen verwitweten Mutter zu einer wahrlich besessenen Verrückten. Hier muss man einer wirklich starke schauspielerische Leistung attestieren.

B

Was ein bisschen die guten Grundvoraussetzungen stört ist das leidig oft genutzte Thema von Verlust und den damit einhergehenden Depressionen, Visionen und Leiden. Auch hier spielt dies eine maßgebliche Rolle und ist auch direkt mit den mysteriösen Geschehnissen in Verbindung zu bringen. Gut gefällt mir der Beginn des Films als der Junge von einem Außenseiter zu einem scheinbar wirklich verrückten Kind wird. Doch niemand versteht die Hintergründe seiner Taten. Auch die Wandlung der Mutter ist wirklich gut umgesetzt. Doch leider fehlt dem Werk die nötige Dunkelheit und der erschreckende Thrill. Zu keiner Zeit habe ich das verspürt was ich bei einem unheimlichen Horrorfilm haben möchte. Alles ist irgendwie zu zahm und folgt dem inzwischen leider alltäglichen und austauschbaren modernen Ghost-Horror Genre. Somit ist das Fazit in Summe durchaus positiv, doch ganz bestimmt nicht herausragend. Manch Pressstimme schrieb vom Genre Film des Jahres, diese Einschätzung kann ich leider nicht teilen. Ein guter Abendfilm mit manch graphischer Finesse, doch Stimmung und Horrorfeeling sind etwas zu kurz geraten. (michi)