CULTHE FEST 2018 :: Ein Tag der sich voll und ganz gelohnt hat

Online seit 8.04.2018

Am 31.03.2018 fand es also endlich statt, das CULTHE FEST, welches wir dieses Jahr mitpräsentiert haben. Trotz großzügig eingeplanter Anreise, kamen wir wegen viel zu viel Verkehr in der Stadt von Münster zu spät zur Lesung von „Dickicht“!
Marcel Dreckmann von Helrunar und Ulrike Serowy (Autorin der Black Metal Novelle “Skogtatt”) lasen Ausschnitte von „Dickicht“ und auch traditionelle mystische Geschichten.
Sitzend an ihrem Tisch mit etwas Nebel eingehüllt und den Zetteln mit den Texten vor sich, füllten sie den Raum völlig aus, der jedoch mehr Publikum hätte vertragen können.
Aufgrund der zeitlich langen Anreise und der vollen Stadt war ich leider noch nicht in der Lage mich auf die Lesung einzulassen, was mich ärgerte, aber nun ja, eigentlich war ich ja auch wegen Black Metal hier! Trotzdem fand ich die Lesung gut und interessant. Für mich gerne mehr von so etwas!

Den Auftakt des heutigen Tages auf der Black Stage in der Sputnikhalle machten die Kölner Black Metaller BELTEZ. Das Quintett zockte ihre aktuelle LP „Exiled, Punished…Rejected“ in voller Länge runter. Der melodiöse Black Metal konnte mich schon auf Platte begeistern und schaffte dies auch Live mit Bravur. Erstaunlicherweise war der Sound gleich bei der ersten Band drückend, ausdifferenziert und vor allem nicht zu laut. Beide Gitarren waren sehr gut herauszuhören, auch der Bass war subtil wahrnehmbar und der Gesang war bestens abgemischt. Nur die Backingvocals hätten ein bisschen lauter abgemischt werden können, waren aber auch so gut wahrnehmbar und sinnvoll in den Songs eingesetzt. Interessant waren auch die wenigen ruhigen eingestreuten Instrumentalparts. Insgesamt schafften es BELTEZ in 45 Minuten die schon zahlreich erschienenen Besucher des Culthe Fest in ihren Bann zu ziehen. Highlights waren „Adamantinarx“ und der Titeltrack „Exiled, Punished … Rejected“ mit einem unfassbar geilen Riff am Anfang des Liedes. Wer diese Band noch nicht auf seinem Zettel hat sollte sie zwingend auschecken.

Als erste Band auf der kleinen Bühne waren dann die Sci-Fi-Black-Metaller aus Bielefeld, VYRE an der Reihe. Ihre Musik, die einfach anders ist und mich ein wenig an Arcturus oder auch The Kovenant zu Zeiten von Nexus Polaris erinnerte, ist interessant und 3 Gitarren auf der Bühne sieht man ja auch nicht häufig. OK, die orangenen Overalls die evtl. an Raumfahrer erinnern sollen, sind absolute Geschmackssache, aber über musikalisches Können oder auch Songwritingfertigkeiten brauchen wir hier nicht diskutieren. Keine Musik, welche ich ständig hören könnte, aber VYRE passten gut ins Programm und wurden entsprechend angenommen.

Auf der großen Bühne kam dann eine echte Überraschung für mich. TURIA aus den Niederlanden, die heute ihre erste Deutschland Show für 2018 spielten, hauten mich mit ihrem räudig atmosphärischen Black Metal völlig von den Socken. Außer etliche Kerzen auf der Bühne gab es keine zusätzliches Licht. Ein kleiner „Altar“ mit einem tierischen Totenschädel, noch mehr Kerzen und vielen Räucherstäbchen, komplettierte das Ganze. Von einer Bühnenperformance kann man nicht wirklich sprechen, Sängerin T stand fast bewegungslos auf der Bühne, Gitarrist O bewegte sich schon mehr und Schlagzeuger J ballerte richtig rum, aber außer zwischendurch mal aufstehen war da auch nicht viel wirkliche Bewegung. Aber das passte irgendwie zur Musik. Der Sound war dick und mächtig, die Stimme von T hatte wunderbar viel Hall und ihre Schreie waren gut platziert und markerschütternd. Gut, dass dieser Auftritt mein erster Kontakt mit der Band war, es hat mich echt bewegt. Habe noch während des Auftritts direkt beide Alben gekauft. Vielen Dank auch noch an die komplette Band für die kurze Geographie-/Geschichtsstunde bezüglich der Niederlande bei der Signing Session!

ALBEZ DUZ aus Berlin waren die nächsten in der Running Order. Doom/Gothic Metal mit einer ziemlich hübschen Dame an der Gitarre. Musikalisch nicht wirklich meins, konnte man sich den Auftritt aber gut ansehen. Außerdem tat die Abwechslung im Genre mal gut und wir hatten ein wenig Zeit für einige der tollen Gespräche auf dem Innenhof.

Mit VERHEERER hatten wir uns schon vor ihrem Auftritt unterhalten, als ich mein reserviertes Tourshirt abholte. Wie immer einfach nett die Jungs. Ich war sehr gespannt auf die Livedarbietung ihres Albums, da mir die Platte, auch wenn sie mir gut gefällt, nicht so sehr zusagt, wie die EP. Der Sound war dann auch hier wieder recht gut. Auf der Bühne war einiges los, denn allein der Live-Bassist bewegte sich bei einem Song mehr als Turia während des ganzen Auftritts, sorry! Aber da hätte es ja auch nicht gepasst. Und das obwohl 2 Stunden vorher noch nicht mal feststand ob er überhaupt spielen kann.

Mit ca. 10 Minuten Verspätung starteten die belgischen instrumental Postmetaller HEMELBESTORMER auf der Doom Stage im Sputnikcafe. Ich hatte die Band vorab bei YouTube angehört und war überzeugt davon, dass die Band Live mit Sicherheit einiges geiler ist. Nach den ersten Klängen, die auf dem Innenhof vernommen wurden, musste ich zwingend vor die Bühne. Mit neuem Album im Gepäck konnten HEMELBESTORMER leider nur 35 Minuten spielen, da sie mit einem Aushilfsbassisten antreten mussten. Bassist Kevin musste aus privaten Gründen passen. Die 35 Minuten waren aber durchweg eine wunderschöne instrumentale Reise mit teils harten, stampfenden Parts und teils sehr ruhigen Parts. Die Songs kamen live energiegeladener und emotionaler rüber als auf Platte. Am Ende des kurzen Auftritts erntete die Band zu Recht großen Applaus.

Pünktlich um 21 Uhr war der Headliner der Black Stage an der Reihe. UADA aus Portland, Oregon schlugen mit ihrem Debutalbum „Devoid Of Light“ 2016 ein wie eine Bombe. Die 5 extrem melodischen Black Metal Tracks konnten von vorne bis hinten überzeugen. Mit drei hellen Scheinwerfern am hinteren Ende der Bühne sowie viel Nebel bestiegen UADA die Bretter der Sputnikhalle und starteten mit „Natus Eclipsim“ in ihr ca. 45 minütiges Set. Gleich von Beginn an hatte UADA die Masse vor der Bühne auf ihrer Seite. Wenn man sich umsah, flogen in den ersten Reihen vor der Bühne die Haare durch die Luft, Menschen lagen sich gemeinsam in den Armen um zu bangen und waren voller Inbrunst in den Klängen von UADA gefangen. Selten habe ich so zufriedene Gesichter im Publikum erlebt. In Anbetracht des anstehenden zweiten Albums „Cult Of A Dying Sun“ wurden auch zwei neue Tracks präsentiert. Der Titeltrack, welcher vorab bei YouTube zu hören war, konnte genauso wie die Tracks des Debuts überzeugen. Neu am Start war Bassist Edward Halpin, welcher erst seinen fünften Auftritt mit der Band absolvierte und sich problemlos einfügte. Insgesamt zeigten UADA einen Auftritt, welcher den Zuschauerreaktionen nach zu urteilen herbeigesehnt wurde und mit frenetischem Applaus und Zugaberufen beendet wurde. Ein würdiger Headliner!!!

Zum Schluss kam dann noch die Hauptband auf der kleinen Bühne: THE GREAT OLD ONES aus Frankreich! Bei der Bestätigung der Band habe ich mich riesig gefreut, da mir der Auftritt den ich in Bremen mal sehen durfte großartig war. Heute sollte es etwas anders kommen. Aber von vorne: Jeff Grimal, der auch für die Cover zuständig war ist ja kein musikalischer Teil der Band mehr, also war ich gespannt wie es wird. Mit ihren üblichen Gewändern betraten sie die Bühne und legten gleich kräftig los. Ihr Post Black Metal, der lyrisch komplett auf Lovecraft ausgerichtet ist, gefällt mir sehr. Musikalisch konnten sie mich von der ersten Sekunde an packen, aber das Stroboskop wurde meiner Meinung nach sehr exzessiv eingesetzt, also verzog ich mich in eine Ecke des Sputnik Cafés, wo ich den Blitzen nicht so ausgesetzt war und lauschte nur noch. Im Laufe des Auftritts bekam die Lichtanlage dann zu meinem persönlichen Glück ein Problem und alle Scheinwerfer gingen an, auch die, welche auf das Publikum gerichtet waren. Das hielt aber nur einen kurzen Moment an und die Techniker schalteten alles außer den roten und weißen Lampen auf der Bühne ab.  Es war zwar ein ungewohnter Anblick, aber mir gefiel es gut, sodass ich den Rest der Show entspannt verfolgen konnte. Das Café war sehr gut gefüllt aber man konnte immer noch einen Platz erhaschen, von dem man auch etwas sehen konnte. Zweiter Gig von THE GREAT OLD ONES und das zweite Mal konnten sie überzeugen. Tolle Truppe.

FAZIT:
Über die Location Sputnikhalle/Sputnik Café brauchen wir nicht diskutieren, gefällt uns jedes Mal. Der Sound war immer gut, auf der kleinen Bühne sogar etwas besser als auf der großen.
Malte hat sich mit seiner Organisation selbst übertroffen. Alles lief gut und der Abend war völlig entspannt, auch weil bei 300 verkauften Karten Schluss war. Wir haben viele Leute getroffen und tolle Gespräche geführt. Der Tag hat sich absolut gelohnt. Da sind wir bei einer neuen Ausgabe doch gerne wieder dabei! (hendrik/philipp)












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