EMPFEHLUNG, REVIEW

TEMPLE OF DREAD „God Of The Godless“ (Old School Death Metal)

TEMPLE OF DREAD

„God Of The Godless“
(Old School Death Metal)

Wertung: Saugut!

VÖ: 04.10.2024

Label: Testimony Records

Webseite: Instagram / Facebook / Bandcamp

Gastbeitrag von „Rudi von Hotel666.de„:

Soooo Leute, es hat bei mir ja schon Tradition, dass ich bei meinen Reviews für die grandiosen TEMPLE OF DREAD immer sehr hinterher hänge, und dieses Mal es war so ausgeprägt, dass ich erst dachte, ich lasse es für den im Oktober 2024 erschienenen fünften Kracher namens „God Of The Godless“ ausfallen. Als ich aber von Slaughterday-Bernd bei einem Gig im Sommer in Kassel in der herrlichen Goldgrube erfuhr, dass es dieses Jahr keinen neuen TEMPLE OF DREAD-Longplayer geben wird, juckte es mich doch wieder in meinen tippenden Fingern. Bei einem Gespräch mit Jens Finger auf dem Party-San bestätigte er mir Bernds Aussage und ich versprach ihm, ein Review zu schreiben. Dass es aber noch mal mehrere Monate dauern würde bis ich anfange, war mir in dem Moment auch nicht klar. Aber versprochen ist versprochen, vor allem wenn es im Suff auf dem Party-San passiert, jawoll! Sicherlich habt ihr alle schon viel über das Album gelesen und es schon mehrfach gehört, weshalb ich ich dieses Mal Jörg Uken (Drums/Keyboards), Jens (Gesang) und dem Hauptsongwriter Markus Bünnemann (Gitarre/Bass) etwas kompakter Honig um ihre ostfriesischen Schnuten schmieren werde. Und da die Herren just eine ziemlich coole Digital-EP veröffentlicht haben, ist der Zeitpunkt für ein Review jetzt ja gar nicht mal so schlecht. Dann mal ran an den Kandis!

Ich kann euch auch gleich vorweg sagen, dass diese ostfriesischen Krachbarden natürlich absolut keinen Millimeter von ihrer muSICkalischen Marschroute abgewichen sind, aber was anderes erwarten wir bei TEMPLE OF DREAD ja auch nicht, denn das entspricht in keinster Weise der Intention der Band. Das Preisen des Death Metals der 80er und er frühen 90er ist ihre ehrenvolle Aufgabe und diese absolvieren sie seit ihrer Gründung mit absoluter Hingabe und Herzblut und das Ergebnis konnte sich immer total hören lassen. Und warum sollte ich von etwas abweichen, dass nicht nur mir megaviel Freude bereitet, sondern auch vielen anderen Menschen? Natürlich fällt so etwas nicht einfach vom Himmel in die Hölle, denn es bedarf schon an einigem kompositorischen Geschick, um nicht einfach nur nach Rip Off und billigem Abklatsch zu klingen und den Spirit frisch und lebendig in die heutige Zeit zu transportieren. Aber da haben wir zum Glück Markus als Hauptsongwriter, der mal massig Killerriffs aus seinen Ärmeln geschüttet hat und zusammen mit Jörg und Jens auf „God Of The Godless“ mächtig gewaltig die Flammen des Metals lodern lässt! Mag für einige das hier selbstgewählte musikalische Korsett zu eng erscheinen, schaffen es TEMPLE OF DREAD aber immer wieder, in diesem Kosmos zu variieren, am Songwriting zu feilen und das Maximum an Death Metal herauszuholen. Das Ergebnis, welches dieses Mal etwas straighter als beim Vorgänger aus den Boxen scheppert, ist wahrlich mal wieder der totale Knaller geworden und begeistert mich mit seiner Energie, Intensität und mitreißenden Songs immer wieder aufs Neue, und meine geschundene Luftgitarre kriegt jedes Mal Panik, wenn sie sieht, dass ich das Album in den CD-Player lege. Aber welcher Old Skull Maniac kann schon bei so einer grandiosen, voller Herzblut zelebrierten und von Bands wie Possessed, Massacre, early Death und Pestilence, Autopsy, Morgoth, Asphyx oder Protector in Kombination mit Thrash in allerbester Manier in Form von early Slayer/Dark Angel/Sacrifice (Can)/Sodom/Kreator inspirierten Mischung stillsitzen? Jawoll, niemand! Das Songwriting ist auch so richtig schön auf den Punkt gebracht und sehr variabel gestaltet, so dass hier nie Langeweile aufkommt. Mir gefällt auch sehr das Spiel aus den überwiegend flotten, straighten Rhythmen, walzendem Midtempo und schön langsamen Parts. Bei letzteren wird auch gerne mal zur atmosphärischen Untermalung ein Keyboard benutzt, wofür Jörg ein gutes Händchen für Hand. Natürlich weiß er auch wieder durch sehr dynamisches und lebendiges Drumming zu überzeugen, welches sich top mit Markus‘ Gitarren- und Bassspiel ergänzt. Die Gitarren glänzen auch gerne mal mit coolen, leicht orientalisch anmutenden Melodien, welche gleichzeitig ein gewisses Death-Flair in sich tragen. So richtig geile Metal-Soli sind selbstverständlich auch am Start und bei einigen würde ich sagen, dass Jens sie eingespielt hat, denn sie tragen eindeutig seine Handschrift. Aus all dem entsteht dann ein grandioses Album, das ihr absolut nicht verpassen dürft!

Hochmotiviert bis in die Lungenbläschen steckt Jens, abgesehen von den erwähnten Soli-Schmankerl, seine ganze Energie in seine Vokillz und liefert mal wieder höllisch gut ab! Selbstverständlich weicht auch er nicht von seinem bisherigen Stil ab und krächzt, keift und gurgelt uns weiterhin in bester 80er Jahre Thrash/Death-Manier die Texte entgegen, welche er mit einer Inbrunst intoniert, dass es mir mal wieder eine wahre Freude ist. Dieses Schuldiner/ Becerra/ van Drunen/ Araya/ Petrozza/ Ventor/ Browning/ Angelripper-Feeling, welches seinen Gesang seit der ersten Scheibe ausmacht und somit auch perfekt zur Stimmung der muSICK passt, hat es mir eh sehr angetan, nicht nur weil es saugeil klingt, sondern auch eine Menge intensive und räudige Energie ausstrahlt. Es ist ihm auch absolut anzuhören, mit welcher Hingabe er hier loslegt und sich dabei sicherlich mega freut, gerade selber an der Art von Musik mit beteiligt zu sein, wie er sie selber früher abgefeiert hat und das auch heute noch tut. Top. Mighty Marc Grewe hat sich übrigens auch wieder auf das Album geschlichen, um wie beim letzten Mal einen Song, hier „Sacrificial Dawn“, zusätzlich zu garnieren. Wie gehabt sind alle Texte wieder von Frank Albers verfasst wurden und behandeln auf „God Of The Godless“ abermals antike Mythologie, hier die hellenistischen, machtgetriebenen Konflikte zwischen den Göttern selber oder mit den Menschen und daraus resultierender Krieg und Untergang, und alles schön so verfasst, dass es sehr gut in den deathmetallischen Kontext passt.

Aufnahmetechnisch blieb natürlich alles beim Alten… ich sage nur Soundlodge Studio. Es ist schon wirklich praktisch einen Studiobesitzer in der Band zu haben, noch mehr wenn es sich um jemanden wie Jörg Uken handelt, der ja nun wirklich ein goldenes Händchen für geile Produktionen hat. Und im Vergleich zum Vorgänger konnte er tatsächlich nochmal einen drauflegen. Der Gesamtsound ist jetzt viel kompakter, voluminöser, druckvoller und auch düsterer, wie ich finde. Das kommt den feurigen Old Skull-Songs selbstverständlich sehr entgegen, da deren höllisches Feuer nun noch besser zur Geltung kommt. Aber nicht nur das, denn dieser herrlich natürliche und lebendige Sound schafft es super, das damalige Feeling der Scheibe in die heutige Zeit zu transferieren, ohne dass es zu irgendeinem Moment angestaubt oder altbacken klingt. Alles brettert schön ausgeglichen und gut vernehmbar aus den Boxen und so dringen drückende, warme und kratzige Gitarren, ein geil wummernder Bass, ein wirklich toll klingendes Schlagzeug und ein gut abgemischter Gesang in eure Ohren und lassen euer Death Metal-Hirn akkurat zünden und abgehen, denn bei dieser saugeilen Kombination aus richtig mitreißenden Kompositionen und total passender Produktion kann niemand ruhig bleiben.

Sehr cool ist auch wieder das Artwork, abermals von Paolo Giradi, geworden, denn dieser hat mal wieder mächtig gezaubert. Der mit Stofffetzen behangene und bereits vom letzten Artwork her bekannte Charon hat seinen Job als Fährmann an den Nagel gehängt und steht nun wie ein stolzer Herrscher mitsamt okkultem Zepter auf einem felsigen Riff, beschützt durch Kerberos, inmitten der sturmgepeitschten Wogen, welche bei „Beyond Acheron“ auch bildprägendes Element waren. Als ein Wesen, in dessen Macht es liegt, die Toten über den Acheron zu transportieren und wie auf dem Bild als ein Herr über eine Kreatur, welches den Eingang zur Unterwelt bewacht, kann er sich wahrlich schon als Gott der Gottlosen sehen. Wie beim letzten Artwork bin ich wieder sehr vom detailreichen und sehr dynamischen Zeichenstil begeistert, der sich vor allem in der stürmischen See von seiner allerbesten Seite zeigt. Und dazu der in sich ruhende Charon mit seinem Begleiter als zentrales Element mit einem schemenhaft zu erkennenden und von dampfender Gischt teils bedeckten Mond als Hintergrund… Klasse! Dies gilt auch für die farbliche Gestaltung des Artworks, welches komplett in diversen Rottönen gehalten ist und ein Gefühl vermittelt, sich in der Hölle persönlich zu befinden. Fragmente des Covers dienen auch als Hintergrund für die Texte und Credits sowie zur Gestaltung der CD an sich und der Hüllenrückseite. Natürlich gibt es dieses Leckerli auch auf Vinyl, da ich aber nun wirklich sehr spät mit dem Review dran bin, sollten die Rundlinge mittlerweile sicherlich ausverkauft sein.

Mit ihrem fünften Longplayer namens „God Of The Godless“ zeigen die ostfriesischen Todesbarden von TEMPLE OF DREAD, dass in ihnen das höllische Feuer ihres Old School Death Metals mit grandiosem 80er-Flair weiterhin mächtig lodert und ihr Herzblut für diesen Sound weiterhin heftig kocht! Das ist auch der Scheibe anzuhören, die mit ihren packenden und mitreißenden Songs absolut zu überzeugen weiß und alle Old Skull Maniacs unter euch zum Ausrasten bringen wird!
9,5 Punkte!

Songs:
1. Carnage Ritual 04:20
2. Spawn Of Filth 05:03
3. Black Scream 04:41
4. Sacrificial Dawn 03:06
5. God Of The Godless 04:52
6. Prophetic Misanthropy 03:58
7. Monstrosity Divine 05:39
8. Terminal Putrefaction 04:55
9. Demise Of Olympus 05:50
Spielzeit: 42:24