LIVEBERICHT

SIX FEET UNDER + EMBRYONIC AUTOPSY :: Ausverkaufter Death-Metal-Abend mit starken Leistungen

Livebericht SIX FEET UNDER + EMBRYONIC AUTOPSY am 04.06.2026 im Frannz Club Berlin
(Review: Yves / Fotos: Marc Strobel)

Es gibt Konzertabende, bei denen bereits beim Betreten der Location spürbar wird, dass etwas Besonderes in der Luft liegt. Trotz beruflicher Verpflichtungen und einer längeren Anreise quer durch Berlin, gelang es mir gerade noch rechtzeitig zum Beginn von EMBRYONIC AUTOPSY im Frannz Club einzutreffen. Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln verlief erfreulich unkompliziert – und schon beim Betreten des Clubs wartete die erste Überraschung.

Der Frannz Club war bereits zum Start der Vorband nahezu komplett gefüllt. Für Berliner Verhältnisse ist das keineswegs selbstverständlich. Umso erfreulicher war dieser Zuspruch für EMBRYONIC AUTOPSY, die den Abend pünktlich gegen 20 Uhr eröffneten. Von Beginn an herrschte eine ausgesprochen positive Atmosphäre. Das Publikum wirkte bestens aufgelegt, die Vorfreude auf den Abend war förmlich greifbar und sollte bis zum letzten Ton nicht nachlassen.

 

EMBRYONIC AUTOPSY – Spielfreude und schwere Grooves

EMBRYONIC AUTOPSY gehören zu den jüngeren Vertretern der US-amerikanischen Death-Metal-Szene. Musikalisch setzt die Band auf eine Mischung aus klassischem Death Metal amerikanischer Ausrichtung und Elementen des Brutal Death Metals. Tief gestimmte Gitarren, schwere Grooves und kompromisslose Vocals bilden das Fundament ihres Sounds.

Bereits nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass die Band an diesem Abend auf ein Publikum traf, das genau darauf gewartet hatte. Vor der Bühne bildeten sich erste Moshpits, während die Zuschauer die Songs begeistert aufnahmen.

Das rund halbstündige Set bot einen gelungenen Querschnitt durch das Material der Band. Stampfende Groove-Passagen und Midtempo-Einschübe wechselten sich mit schnelleren Songs ab und sorgten für ausreichend Dynamik. Zwischen den Stücken ließ Sänger Tim King mehrfach erkennen, wie sehr sich die Band darüber freute, nach langer Zeit wieder in Berlin auftreten zu können. Die positive Resonanz des Publikums schien die Musiker zusätzlich zu beflügeln.

Für einen der sympathischsten Momente des Abends sorgte eine spontane Gedächtnislücke des Frontmanns. Als er einen Song vom aktuellen Album ankündigen wollte, verlor er kurz den Faden, wusste nicht mehr, welcher Song nun eigentlich folgen sollte, beugte sich zur Setlist auf dem Bühnenboden und kommentierte die Situation mit viel Humor. Das Publikum reagierte herzlich amüsiert und zeigte, dass solche ungeplanten Momente oft mehr Charme besitzen als perfekt einstudierte Ansagen.

Musikalisch präsentierte sich EMBRYONIC AUTOPSY erwartungsgemäß kompromisslos. Die Gitarren walzten mit tief gestimmten, schweren Riffs durch den Club, während die Vocals von tiefen Growls bis hin zu markerschütternden Gutturals reichten. Die Band überzeugte durch sichtbare Spielfreude und eine professionelle Darbietung.

Persönlich stellte sich bei mir nach einigen Songs jedoch eine gewisse Eintönigkeit ein. Viele Stücke bewegten sich in ähnlichen Strukturen, während die Gesangsphrasierungen häufig zwischen stakkatoartigen und langgezogenen Passagen wechselten, ohne dabei größere rhythmische Überraschungen zu bieten. Dadurch wirkte das Material auf mich stellenweise etwas langatmig. Diese Wahrnehmung blieb allerdings eine sehr subjektive, denn die Reaktionen des Publikums fielen durchweg begeistert aus.

Verbesserungspotenzial zeigte sich aus meiner Sicht beim Sound. Um einen möglichst umfassenden Eindruck zu gewinnen, wechselte ich während des Auftritts mehrfach die Position im Saal. Dabei fiel auf, dass das Schlagzeug und insbesondere die Vocals im Mix sehr dominant waren, während die Saitenfraktion zeitweise etwas unterging. Bei den Soli trat dieses Problem deutlich weniger auf, vermutlich unterstützt durch entsprechende Presets und Lautstärkeanhebungen in den Effektgeräten, sodass diese Passagen wesentlich transparenter wirkten. Dennoch funktionierte der insgesamt rohe und angenehm dreckige Soundcharakter durchaus gut und passte zur musikalischen Ausrichtung der Band.

 

SIX FEET UNDER – Chris Barnes in beeindruckender Form

Nach einer kurzen Umbaupause wurde die Bühne unter lautstarkem Jubel für SIX FEET UNDER freigegeben. Spätestens jetzt zeigte sich, warum der Frannz Club an diesem Abend ausverkauft war.

SIX FEET UNDER gehören seit mehr als drei Jahrzehnten zu den bekanntesten Namen des amerikanischen Death Metals. Gegründet 1993 von Chris Barnes während seiner Zeit bei CANNIBAL CORPSE, entwickelte die Band früh ihren eigenen, groovebetonten Stil und veröffentlichte zahlreiche Alben, die bis heute zum festen Inventar vieler Death-Metal-Sammlungen gehören.

Im Vorfeld war meine größte Frage tatsächlich die Gesangsleistung von Chris Barnes. Gerade einige Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit hatten diesbezüglich nicht immer überzeugt. Zwar zeigte sich auf dem aktuellen Material eine deutliche Verbesserung und Rückkehr zu gewohnten Leistungen, dennoch blieb eine gewisse Skepsis meinerseits bestehen. Diese sollte sich bereits nach wenigen Songs vollständig auflösen.

Barnes präsentierte sich an diesem Abend in bemerkenswert guter Verfassung. Seine tiefen Growls besaßen drückende Kraft und Volumen, ohne hörbare Schwächen erkennen zu lassen. Auch die charakteristischen, unverwechselbaren hohen „EEEEEE“-Schreie, die seit Jahrzehnten zu seinem Markenzeichen gehören, saßen präzise und durchdringend. Nicht nur ein Mal zogen sich meine Mundwinkel daher anerkennend nach unten und meine Augenbrauen gleichzeitig nach oben, während mein Kopf automatisch zum Groove wippte.

Es war schön zu sehen und zu hören, dass Barnes auch heute noch in der Lage ist, die Erwartungen seines Publikums zu erfüllen.

Wer, wie ich, Ende der 1990er Jahre mit Alben wie „Maximum Violence“ musikalisch pubertierte, dürfte ähnlich nostalgische Momente erlebt haben, wie ich es tat. Der 16-jährige Yves in mir erinnerte sich plötzlich an die Zeit, als „Maximum Violence“ frisch erschienen war und auf Dauerrotation lief. Dieses Album gehört für mich bis heute zu den Evergreen-Veröffentlichungen der Band. Nach all den Jahren Six Feet Under nun endlich live zu erleben und dabei einen Chris Barnes in dieser Form zu hören, hatte durchaus etwas Bewegendes.

Die übrige Band agierte erwartungsgemäß auf höchstem Niveau. Das Zusammenspiel wirkte präzise, routiniert und jederzeit souverän. Vom ersten Song an sprang die Energie unmittelbar auf die Zuschauer über. Moshpits, Headbanging und ausgelassene Stimmung begleiteten den gesamten Auftritt.

Erfreulich war zudem der Blick ins Publikum. Zwar war der Altersdurchschnitt erwartungsgemäß etwas höher, dennoch waren zahlreiche jüngere Fans vertreten. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass Bands wie SIX FEET UNDER auch nach Jahrzehnten noch neue Generationen erreichen.

Auch klanglich bewegte sich der Auftritt auf deutlich höherem Niveau als das Vorprogramm. Der Sound war unabhängig vom Standort im Club ausgewogen und druckvoll. Sämtliche Instrumente blieben klar wahrnehmbar, ohne dass einzelne Elemente unangenehm hervorstachen.

Ein besonderes Lob verdient darüber hinaus die Lichtshow des Abends. Der Lichttechniker schien sichtlich Freude an seiner Arbeit zu haben und verstand es hervorragend, die jeweilige Stimmung der Songs visuell zu unterstützen. Die Lichtakzente wirkten nie aufdringlich, son-dern ergänzten die Performance auf stimmige Weise.

Ein Finale mit Death-Metal-Geschichte. Den Höhepunkt des Abends hob sich SIX FEET UNDER bis zum Schluss auf.

Mit „Stripped, Raped and Strangled“ und „Hammer Smashed Face“ folgten zwei absolute Klassiker aus der Frühphase von CANNIBAL CORPSE. Da Chris Barnes beide Stücke ursprünglich selbst eingesungen hatte, wirkten sie keineswegs wie bloße Zugaben, sondern vielmehr wie eine Verneigung vor einem wichtigen Kapitel der Death-Metal-Geschichte.

Die Reaktion des Publikums ließ keine Fragen offen. Der Frannz Club verwandelte sich ein letztes Mal in ein Meer aus fliegenden Haaren, erhobenen Fäusten und kreisenden Moshpits. Ein würdiger Abschluss eines starken Konzerts.

 

Fazit
Der Abend im Frannz Club erwies sich als voller Erfolg. EMBRYONIC AUTOPSY lieferten einen engagierten und publikumswirksamen Auftakt, der trotz kleiner Schwächen im Sound und einer für meinen Geschmack etwas zu gleichförmigen Songstruktur hervorragend beim Publikum ankam.

SIX FEET UNDER bestätigten anschließend eindrucksvoll ihren Status als feste Größe der Szene. Insbesondere Chris Barnes zeigte eine Leistung, die viele Skeptiker überrascht haben dürfte. Unterstützt von einem ausgezeichneten Sound, einer starken Lichtshow und einem durchdacht zusammengestellten Set entwickelte sich der Auftritt zu einem Highlight für Fans des klassischen US-Death-Metal.

Gemeinsam mit einem begeisterungsfähigen Publikum, professionellem Personal und der gewohnt angenehmen Atmosphäre des Frannz Clubs entstand ein Konzertabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Danke an den Frannz Club sowie an EMBRYONIC AUTOPSY und SIX FEET UNDER für einen rundum gelungenen Death-Metal-Abend.