EMPFEHLUNG, REVIEW

DISTASTE „Agoniepositur“ (Death/Grind/Crust)

DISTASTE

„Agoniepositur“
(Death/Grind/Crust)

Wertung: Empfehlung!

VÖ: 24.10.2025

Label: F.D.A. Records

Webseite: Instagram / Facebook / Bandcamp

Gastbeitrag von „Rudi von Hotel666.de„:

Die Österreicher DISTASTE sind mir mit ihrem letzten Longplayer „Der Ertraeger und das Fleisch“ sehr gut in Erinnerung geblieben und so freut es mich, zwei Jahre später ihren nächsten, wieder über F.D.A.-Records veröffentlichten, Longplayer namens „Agoniepositur“ besprechen zu können. „Der Ertraeger und das Fleisch“ war ja ein sehr beeindruckender Abriss, musikalisch wie auch textlich, und so war ich natürlich sehr gespannt, ob Yannick (Drums), Lukas (Gitarre/Gesang), Armin (Gitarre/Gesang) und Murz (Bass) uns wieder so einen heftigen Abriss entgegenkotzen würden…

… und ich kann nach dem ersten Hören auch gleich sagen, dass die 14 Songs, runtergebolzt in knapp 27 Minuten, absolut nicht enttäuschen und dem letzten Longplayer in nichts nachstehen. Ich habe sogar das Gefühl, dass es dieses Mal sogar noch heftiger und angepisster zur Sache geht. Die Gründe dafür werden ja leider nicht weniger. Wer die Band noch nicht kennt, wird sich bei der Songmenge in entsprechender Spielzeit und meiner bisherigen Wortwahl sicherlich denken können, dass uns hier kein ProgRock erwartet. DISTASTE zelebrieren natürlich weiterhin ein garstig-geiles Giftgemisch aus Death/Grind, welcher nicht nur stumpf daher ballert und einige Finessen aufzeigt, Old School Death Metal, und packendem Crust und Black Metal, beides teils melodisch garniert. Das stellen sie auch sofort zu Beginn der Scheibe unter Beweis und lassen uns mit aufgeklappten und staunenden Mündern zurück. Und das geht auf „Agoniepositur“ auch bis zum letzten Moment so weiter! Es ist wirklich unfassbar, was die Band hier für eine heftige, brutale und dem Wahnsinn nahe Intensität entfesselt. Wie in einem Ekstase zimmert euch die Band ihre Songs so dermaßen in die Fresse, dass euch beim Hören Angst und Bange wird, was ihr aber mit Freude in Kauf nehmt. Ihre Musik ist einfach zu gut und zu packend, denn es geht hier nicht nur mit der groben Kelle zur Sache. Diese wird auch gerne geschwungen, aber im Großen und Ganzen ist dieses Geschredder, ähnlich wie z.B. bei NASUM, technisch nicht ohne, verliert sich dabei aber nie im Gefrickel, was hier auch ein störendes Element wäre. Und so zelebrieren DISTASTE ihren Hass, ihre Wut und ihren Zorn zwar derbe, aber weiterhin mit Köpfchen, welches sich an der Brutalität und der heftigen Energie der Songs berauscht. Ich finde es echt absolut beeindruckend, mit welcher Präzision und Spielfreude sich die Band hier abwechslungsreich und mitreißend durch das Album zimmert. Das Songwriterduo Lukas und Armin hat sich also wieder ordentlich am Quell der Kreativität gelabt, um uns als Ergebnis Songs zu präsentieren, die euch wie ein gewittriges Unwetter elektrisieren werden. Beim Hören ruhig sitzen zu bleiben, ist hier absolut Fehlanzeige. Aber daran sind natürlich nicht nur die beiden beteiligt, denn auch Yannick und Murz holen alles aus ihrem spielerischen Können heraus, um „Agoniepositur“ zu dem zu machen, was es ist, nämlich ein herrliches Klanginferno. Das die Band aber nicht nur Vollgas geben kann, zeigt sie abschließend mit dem Titelsong, der eine echt fiese doomige Slugde-Nummer geworden ist und uns im langsamen Tempo mit einer abgefuckten Stimmung an der Hand aus dem Album hinaus begleitet, um uns anschließend in schwarze Untiefen hinab zu stoßen. Herrlich, wie das ganze Album an sich. Wirklich tolle und sehr intensiv wirkende Musik…

… die durch den Gesang nicht minder heftig wirkt. Im Gegensatz zum letzten Album teilen sich dieses Mal nur Armin und Lukas den Part, das Ergebnis ist aber immer noch genauso derbe und durchschüttelnd. Dieses Schreien, Gekeife, Gebrüll und Geröhre ist ein alles verschlingender Abgrund aus Hass, Wut, Abscheu und Ekel, dessen derbe Heftigkeit und gnadenlose Wucht stimmengewordener Zorn ist und sich uns wie ein alles zertrümmernder, pechschwarzer Strom aus ihren Mündern entgegenkotzt! Emotional heftig, direkt und schroff sind auch wieder die deutschen Texte ausgefallen, welche aber gleichzeitig auch eine sehr poetische Schönheit in ihrer Wortwahl ausstrahlen und uns wie ein Schlag in die Fresse kritische Gedanken und Gefühle über menschliche Abgründe und daraus resultierende gesellschaftliche Fehlentwicklungen, wie dem wieder stark aufkeimenden Faschismus, kundtun. Es scheint mir fast so, als hätten sich die Texte in ihren Stimmenbändern manifestiert und sind fleischgeworden, auf dass sie auch wirklich passend intoniert werden, was Armin und Lukas auch absolut gelungen ist.

Im DeepDeepPressure Studio widmete sich Lukas abermals der Aufnahme, dem Mix und dem Mastering und das Ergebnis lässt wirklich aufhorchen. Attestierte ich dem letzten Album einen sehr gelungenen und passenden Sound, stellt die Produktion von „Agoniepositur“ das nochmal in den Schatten, denn das, was mir da aus den Boxen entgegen tönt, ist wirklich sehr geil geworden. Ein sehr präziser, differenzierter und auf den Punkt gebrachter, feuriger Sound, der zwar zeitgemäß klingt, aber sich in keiner sterilen und seelenlosen Plastikproduktion verliert, die dem Album seiner Kraft und Ausstrahlung berauben würde. Mir gefällt auch der natürliche Klang der Instrumente, vor allem der Drums sehr, welche in Kombination mit den geil kratzig-schreddernden Gitarren und dem voll Basssound ordentlich Druck aufbauen. Mit den sich dazu gesellenden und gut zu hörenden Gesängen ergibt sich eine sehr gelungene und mitreißende Aufnahme, welche die Heftigkeit und das furiose Spiel der Instrumente top in sich vereint und die Hingabe der Musiker zu ihrem Sound und den daraus resultierenden facettenreichen Songs gekonnt in akustische Szene setzt. Da macht das Anhören doch auch gleich noch mehr Spaß als so schon, wenn der Sound so gut passt.

Für das Artwork wurde wieder Armin von Todt und Deibel Ink beauftragt, welcher mich schon auf dem letzten Album sehr mit seiner Kunst beeindrucken konnte. Und dies ist auch dieses Mal wieder der Fall. Was als erstes vielleicht wie ein Photo eines Gasnebels im All erscheint, wird, wenn ihr das Cover dreht, zu einem als rohes Fleisch manifestierten, verstörenden Alptraum einer menschlichen Gestalt, welcher Unbehagen und vielleicht auch Ekel auslöst, aber dieses Album soll ja kein Wohlgefühl auslösen, sondern euch körperlich und emotional durchschütteln – und das macht beim sehr gelungenen Cover, welches eindrucksvoll gemalt wurde, nicht halt. Vielleicht ist es auch ein Blick in den Spiegel, welcher unsere Seelen deformiert durch das Leben und die zugehörigen Erfahrungen zeigt und uns oft zu emotionalen Krüppeln werden lässt. Und wenn ich mir so manche verachtende und empathielose Kommentare in den sozialen Medien so voller Ekel anschaue, ist es nicht abwegig zu vermuten, dass genau so eine wie auf dem Cover zu sehende Gestalt diese furchtbaren Sätze in die Tasten gehauen hat. Aber wo Hässlichkeit regiert, findet sich in der Tiefe der Abscheulichkeit oftmals auch noch ein Funken Schönheit verschüttet wieder. So auch hier, denn ich meine in diesem Gräuel ein schlafendes und beruhigendes Frauengesicht zu erblicken, welches von für mich leider nicht genau erkennbaren Gegenständen umrankt wird. Ein kleiner Lichtblick oder ein Funken Hoffnung inmitten dieses menschlichen Abgrundes? Wer weiß. Im völligen Kontrast zum auf pechschwarzen Untergrund gebannten bösen Traum des Covers steht das in einem strahlenden Weiß, welches schon kurz als Umrahmung auf dem Cover auftaucht, gehaltene restliche Booklet, welches durch sein aufgeräumtes und sehr spartanisches Layout fast schon beruhigend wirkt, wären da nicht die Texte, die sich hier gut leserlich präsentieren. Höchstwahrscheinlich ist diese Disharmonie sogar beabsichtigt. Wundern würde es mich nicht. Auf alle Fälle wird „Agoniepositur“ auch optisch sehr gut präsentiert und wenn ihr euch in dem Artwork so richtig verlieren wollt, gibt es die Scheibe auch als LP und das Bild kommt in Groß bestimmt noch um einiges intensiver rüber. Den Rundling an sich gibt es jeweils hundertmal in Schwarz, Weiß oder Rot. Dazu gibt es natürlich auch ein Inlay mit allen Texten.

Auf ihrem neuen Album „Agoniepositur“ servieren uns DISTASTE einen wirklich brachialen Death-/Grind/-Crust-Cocktail, der uns nicht nur muSICKalisch, sondern auch lyrisch aufs heftigste und voller Wut, Zorn, Verachtung und Abscheu Gift und Galle ins Gesicht rotzt. Macht euch beim Hören auf eine intensive, mitreißende und berauschende Reise gefasst.

Songs:
1. Furunkelmann 01:37
2. Apex Oppressor 01:44
3. Last 02:32
4. Rosstaeuscherei 01:16
5. Kaligula 2.0 01:36
6. Endzweck Geschroepf 01:50
7. Hand guck in die Luft 02:10
8. Nestbeschmutzer 02:16
9. Der Thronraeuber 01:14
10. Gottes Geschenk an die Menschheit 02:11
11. Das Rudeltier 01:18
12. Alpinist 01:57
13. Wind von Asphalt 00:56
14. Agoniepositur 04:27

Spielzeit: 27:04