DESERTED FEAR
„Veins Of Fire“
(Melodic Death/Death Metal)
Wertung: Supergut!
VÖ: 25.04.2025
Label: Testimony Records
Webseite: Homepage / Facebook / Bandcamp
Gastbeitrag von „Rudi von Hotel666.de„:
Als ich Fabian Ende April letzten Jahres versprochen hatte, dass es zum aktuellen und mittlerweile schon sechsten Album „Veins Of Fire“ von mir natürlich wieder ein Review geben würde, hatte ich nun wirklich nicht erwartet, dass es tatsächlich erst Ende Januar 2026 soweit sein würde. Aber versprochen ist versprochen, außerdem habe ich bisher zu jedem Longplayer inklusive dem Demo was geschrieben und das möchte ich bei dieser tollen Band und ihren großartigen Mitgliedern nicht unterbrochen haben. Und da Fabian, Manuel und Simon Ende Januar bei uns in der Gegend in Wolfsburg im Hallenbad ein Konzert geben, soll es nun endlich soweit sein, in die Tasten zu hauen.
Ich weiß noch genau, wie ich nach dem Release das Album zum ersten Mal zusammen mit meinem Kumpel und besten Ex-Nachbarn der Welt Jens Dunemann vom famosen Twilight Magazin bei unserem Maibocktag an einem der schönsten Aussichtspunkte auf unsere Heimatstadt inklusive leckerem Kuchen komplett gehört habe und welche Überraschung und Euphorie es in mir auslöste. An jenem Tag mussten wir Fabian auch gleich mal unseren Glückwunsch und unsere sehr positiven Eindrücke kundtun. Es ist stark davon auszugehen, dass ihr alle dieses tolle Werk schon rauf unter runter gehört habt und es vielleicht auch die eine oder andere Diskussion bezüglich der musikalischen Neuerungen gegeben hat. Letzteres kann ich auch nachvollziehen, denn vor 20-25 Jahren hätte ich dieses Album absolut gehasst, was ich Fabian auch erzählte, und mit Boykott überzogen. Zum Glück hat sich mein Geschmack über die Jahrzehnte auch etwas erweitert und so kann ich mich an einem wirklich sehr geilen Album total erfreuen, welches die bisherigen DESERTED FEAR -Trademarks, die sich über die Jahre und vor allem auf den letzten Alben manifestierten, immer noch sehr beinhaltet, aber gleichzeitig neue Wege geht. Auf meine Feststellung wie „Veins Of Fire“ früher bei mir angekommen wäre, antwortete er mir übrigens, dass er es damals total abgefeiert hätte, da er so vor 20 Jahren anfing Metal zu hören und er im Prinzip damals mit „Reroute To Remain“ von In Flames eingestiegen ist. Ein Album, was ich mittlerweile auch sehr zu schätzen weiß und es damals soweit okay fand. Seine Aussage bringt es aber sehr auf den Punkt, denn beim ersten Anhören, war mir sofort klar, dass da jemand ein sehr großer Fan dieser In Flames-Scheibe ist, denn der Einfluss ist schon offensichtlich, da waren Dunemann und ich uns sofort einig. Was mir auch auffiel, waren immer wieder Parts, deren Rhythmik und Dynamik an Korn erinnern! Das ist aber auch gar nicht so abwegig, denn als wir uns mit den Jungs beim Meet And Greet zum Schreinachten 2018 im Haus Auensee in Leipzig trafen, meine ich mich zu erinnern, dass Simon erzählte, dort sein erste Metal-Konzert erlebt zu haben und ich glaube, es waren Korn. Es schließen sich hier also mehre Lebenskreise und das ist dem Album meiner Meinung nach auch absolut anzuhören, denn es klingt einfach nur absolut ehrlich und befreit und dadurch auch so frisch, lebendig und mitreißend. Es hat für mich auch ein bisschen was wie von einem Befreiungsschlag. Denn was gibt es Schöneres als Musik spielen zu können, die dein Leben geprägt hat, die für dich die Wurzel ist, von der du zum Death Metal gekommen bist, diesen ausleben kannst, viel dadurch erlebt hast, was du dir vielleicht nie vorstellen konntest, und wieder zum Ursprung deiner Reise zurückkehrst, indem du deine Wurzeln ohne Zwang und Druck in deinen bisherigen Sound integrieren kannst und es dann auch noch super funktioniert und so toll klingt? Ich glaube da sind wir uns alle einig. Interessant fanden wir in dem Zusammenhang auch, dass die Band von Century Media zum kleineren Label Testimony Records gewechselt ist, denn gerade mit dem Sound auf „Veins Of Fire“ und einem großen Label im Rücken wäre sicherlich viel zu machen gewesen. Aber vielleicht war dies auch der Grund, zu einem kleineren Label zu wechseln. Kein Druck, was Alben und Konzerte angeht, einfach nur machen, kreativ sein und tolle Shows abliefern. Immerhin haben alle drei ja auch noch Jobs und ihre Familien und können so sicherlich alles besser unter einen Hut bringen. Ich muss da aber auch noch erwähnen, dass sie mit Testimony Records einen tollen Fang gemacht haben, denn jene wissen seit jeher mit tollen Scheiben und viel Herzblutarbeit zu überzeugen.
Jetzt will ich mich aber auch endlich mal den Songs an sich widmen. Was reizt mich so sehr? Es ist auf alle Fälle ein musikalisch und emotional sehr vielschichtiges Album geworden, welches gerade durch die Kombination aus den lang ausgespielten, sehr atmosphärischen Death Metal-Riffs, die mich auch beim Vorgänger schon so gepackt haben, den bereits erwähnten Neuerungen und diesen wirklich tollen Melodien lebt, welche durch eine angenehm dominante Leadgitarrenarbeit nun noch mehr die Songs prägen. Das häufige Ausbrechen aus dem rhythmischen Korsett des Death Metals hinein in den damals noch Nu Metal genannten Sound und das Einatmen der Zeit als In Flames es erfolgreich schafften, ihren Stil zu erweitern und zu modernisieren, ergibt für mich eine ausgesprochen packende, frische und sehr dynamische Klangwelt, die halt einfach nur ehrlich klingt. Es ist den Jungs total anzuhören, wie sie sich hier ungezwungen kreativ ausleben konnten. Hört euch nur mal Simons Drumming an, welches noch variabler und dynamischer geworden ist, während Manuel und Fabian nur so mit tollen Riffs und Melodien um sich werfen. Und gerade diese Melodien… Leute, die waren ja bei DESERTED FEAR schon immer geil, aber dieses Mal haben sie es einfach nochmal toppen können. Einfach nur ein Traum, wie emotional und tief sie wirken. Und dadurch dass sie auf diesem Album um einiges mehr den jeweiligen Songaufbau dominieren, komme ich aus meiner Freude gar nicht mehr heraus. Wie soll ich es beschreiben? Ich sitze hier an meinem Laptop, höre die Songs und fühle mich einfach nur total gut dabei. Das beschreibt es, glaube ich, am besten. Da fällt mir auch gerade noch ein, dass ich zu Fabian meinte, dass das Album doch was für meine Freundin sein müsste, da sie von der „Reroute To Remain“ doch sehr angetan ist und ich hatte tatsächlich Recht. Ihr gefällt das Album, weshalb ich mich noch umso mehr freue.
Dann kommen wir mal zu einer anderen Würze, die mich an DESERTED FEAR immer sehr begeistern konnte, nämlich Manuels kraftvoller Gesang, welcher über die Jahre den Death Metal-Roots stets treu blieb und dabei immer ausdrucksvoller und individueller wurde. Auch eine dieser Stimmen, die du sofort erkennst. Und bezogen auf seinen Gesang, seine Varianz und seine emotionale Bandbreite und vor allem Tiefe ist er auf „Veins Of Fire“ auch endgültig zuhause angekommen. Diese Mischung aus brutalem Röhren und garstig-kehligen Schreien, die jeweils immer sehr differenziert , zugleich aber auch sehr heftig und wuchtig sind, waren ja schon immer seine Trademarks, nur jetzt noch variabler und packender. Besonders angetan hat mir auch von Anfang an diese Melodieführungen seines Gesangs, der immer eine gewissen melancholische Dramatik inne wohnt. Genau das ist es, was mich immer so sehr anspricht, und dieser Faktor wirkt dieses Mal für mich noch etwas dominanter und passt dadurch auch optimal durch die bereits erhöhte Melodik in den Songs. Und es klingt, wie schon bei der von Simon, Fabian und ihm komponierten Musik, halt einfach so ehrlich, überzeugend und gut. Über Jahre hat sich ja auch die textliche Thematik von coolen Death Metal-typischen Inhalten hin zu einer realeren Düsternis und Dramatik geändert, welche sich in fast schon poetisch anmutenden Texten äußert. Den Grund des Wandels hat die Band ja schon in der Vergangenheit überzeugend dargelegt – und wenn ich mir die weltweiten gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Entwicklungen voller Schauder anschaue, ist das auch absolut nachvollziehbar. Aber selbst in der Dunkelheit findet sich doch immer wieder Licht und so strahlt ein Text wie der des Titelsongs auch Hoffnung und Kraft aus.
Aufgenommen wurde natürlich wieder im eigenen Eisensound Studio und den Mix und das Mastering hat Fabian auch wieder selber übernommen und nur für das Vinyl-Mastering den Kelch an mighty Dan Swanö weitergegeben. Klingt das Ergebnis genauso gut wie es mir damals bei „Doomsday“ gefiel? Es ist sogar noch besser geworden! Alles klingt für mich jetzt ausgewogener, dichter und voluminöser, was den ausgefeilten und dynamischen Kompositionen noch mehr Kraft und Ausstrahlungskraft verleiht, und es klingt wirklich so gut, herrlich. Vor allem den Saiteninstrumenten und dort speziell den Gitarren ist dies anzuhören, denn sie haben mehr Druck, klingen um einiges erdiger. Vor allem sind sie nicht überproduziert und erhalten dadurch mehr Lebendigkeit. Richtig toll finde ich auch, dass durch die Produktion die Melodien noch besser zur Geltung kommen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Dazu ein schön wummernder und gut zu vernehmender Bass und der sehr kraftvolle und natürliche Drumsound, der gut zu hörende Gesang und nicht zu dominante Soundeffekte. All das ergibt durch die schon erwähnte sehr ausgewogene, zeitgemäße Produktion einen sehr räumlichen Klang, in dem auch ein gewisses Live-Feeling mitschwingt. Ich bin echt erfreut, dass so tolle Songs durch einen sehr gelungenen Sound so schön abgerundet werden.
Optisch kann auch wieder komplett überzeugt werden. Für das Cover konnte dieses Mal Roberto Toderico gewonnen werden, der passend zum kämpferischen Text des Titelsongs eine sehr kraftvolle S/W-Zeichnung gezaubert hat. Die von einem brennenden Stacheldraht umrandete, geballte Faust, die wie der zu sehende zugehörigen Teil des Arms, von Pfeilen durchbohrt und stark verwundet ist, hat weiterhin genug Kraft und Wut inne, um die zerstörerische Schlange im Würgegriff zu halten und der Wurzel allen Übels den Garaus zu machen, ist wirklich ein starkes Symbol des Widerstandes und des Nichtaufgebens. Das Ganze ist auch seht toll gezeichnet und wirkt durch den pechschwarzen Untergrund noch intensiver. Umrandet von einem wirklich sehr schönen Grünton, den auch das Bandlogo und der Albumtitel innehaben, ist mit dem Artwork wirklich ein Eyecatcher gelungen. Toha Mashudi ist auch wieder dabei und hat einige wirklich sehr beeindruckende Illustrationen gezaubert, die sich wirklich lohnen, genauer studiert zu werden, und natürlich nicht nur beim Digipack, das ich habe, sondern auch bei der normalen Jewel Case-Version und der LP. Gleiches gilt auch für die wirklich sehr tollen und atmosphärischen SW-Photos aller Bandmitglieder und dem Gruppenbild. Vor allem die Gruppenbilder haben mit ihrer Präsentation schon was Künstlerisches an sich. Geschossen wurden sie wieder von Manuel selber, der als professioneller Photograph wirklich tolle Bilder zaubern kann. Schaut ruhig mal auf seiner Homepage (fotograf-jena.com) vorbei. Alle Texte und natürlich auch die Credits gibt es im sehr aufgeräumt wirkenden Booklet zu lesen. Ich erwähnte ja soeben schon die LP-Version, inklusive Inlay, die es in mehreren Versionen gibt/gab. Natürlich in klassischem Schwarz, dann in transparentem Grün, grün marmoriert oder aus Recyclingmaterial, wodurch jeder Tonträger seine individuelle Note erhält. Da ich ja sehr spät mit meinem Review dran bin, ist das meiste sicherlich schon ausverkauft. Ich kann mir aber auf alle Fälle sehr gut vorstellen, dass die Songs auf Vinyl sehr cool klingen müssen. Die Produktion ist jedenfalls wie gemacht dafür.
Mit ihrem sechsten Longplayer „Veins Of Fire“ gelingt es DESERTED FEAR abermals, einen im Old School Death Metal verwurzelten Sound voller Kraft, Herzblut und Energie zu erschaffen, dessen packende Songs angefüllt mit mitreißenden Rhythmen und Melodien einfach nur der Hammer sind und durch ihre Rückbesinnung auf ihre musikalischen Prägungsjahre härterer Musik abseits des ursprünglichen Todesbleis noch persönlicher, emotionaler und ehrlicher wirken als es bisher eh schon der Fall war.
Eisenberg Metal Victory!
Songs:
1. Into The Burning Lands 04:13
2. The Truth 03:38
3. Blind 04:08
4. Storm Of Resistance 03:44
5. Embrace The Void 04:11
6. Rise And Fight 03:20
7. At The End Of Our Reign 03:42
8. Echoes In The Silence 04:09
9. We Are One 03:31
10. Veins Of Fire 04:22
Spielzeit: 38:58
