REVIEW

ADVOCATUS DEI „Nein“ (Electro Wave)

ADVOCATUS DEI

„Nein“
(Electro Wave)

Wertung: Gut+

VÖ: 19.12.2025

Label: Eigenproduktion

Webseite: Homepage / Bandcamp

1996 gründete sich eine Band unter dem Namen ADVOCATUS DIABOLI und überzeugte mit einer düsteren Melange aus Synth Wave und Goth Rock. Nach einer langen kreativen Pause, von fast zwei Jahrzehnten, kehrten die Anwälte des Teufels mit neuer Energie, neuem Namen und einem gelungenen Album zurück. Nun gibt es das zweite Werk dieser Formation um Tom (Gesang, Gitarre, Synthies, Komposition, Texte, Arrangement) und Chris (Bass, Backing Vocals, Gitarre, Rhythmus, Arrangement, Editing). Erneut gelingt die Melange aus durchdringendem Elektro Wave und einer leicht kühlen Atmosphäre.

Gleich der Opener lenkt geschickt die Aufmerksamkeit auf den Text, wobei die Tanzfläche bei jeder Rhythmik ganz laut „hier“ schreit. Feingliedrige Synths, perfekt transportiert aus den 80ern. Das Gesamtbild düster mit energischer Note und mit dem nötigen Hauch Wave Pop versehen. Bei „U“ wird die Sache etwas heftiger. Eine punkige Attitüde gesellt sich zur Dunkelheit. Schreitend und mit Vehemenz werden im Mittelteil Wortfetzen mit Harmonie veredelt und im Endeffekt DAF-mäßig in die Menagerie gelegt. „Los Perdidos“ wurde bereits zuvor als Single veröffentlicht. Unterstützung bekommt die Formation hier von Frontmann Eugenio J. Caceres a la „El Guru“ der südamerikanischen Band AMAUTICA, der diesem Song über Verlust und fehlender Orientierung im Dickicht der Welt zusätzliche Ausdrucksstärke schenkt.

„Wellen“ ist ein treibender, dem Rhythmus unterworfener Song, dessen innewohnende Lieblichkeit konträr zum Text eine betörende Harmonie heraufbeschwört. „Bathory“ kann man mit einer Spielzeit von über 7 Minuten wohl als monumental bis episch bezeichnen. Der sich langsam aufbauende, schleppende Start gipfelt in einem betörenden Refrain. Der Song drückt eine schräge Faszination für die „Blutgräfin“ aus. Leicht betrübt, dennoch mit einer Facette der Romantik behaftet, liniert sich das stampfende Schlussepos irgendwie zwischen moderner NDW, Sisters und Dark Electro.

Fazit: Dem Duo gelingt eine faszinierende Reise durch die dunkle Eleganz. Ihr durchdringender, verführerischer Klangkosmos dürfte den Düsterschuppen der Republik volle Tanzflächen bescheren. Nebenbei gelingt es, auch aktuelle Themen anzusprechen und diese mal klar, mal versteckt zu kritisieren. Das Gesamtbild ist trotz manch harscher Elektronik fast samtweich, im Klangbild fast ein wenig zerbrechlich. Das passt natürlich zu der leicht traurigen Atmosphäre, welche Text und Musik immer irgendwie umweht. Ein in sich geschlossenes, sehr gelungenes Werk.
(andreas)