COLLAPSE UNDER THE EMPIRE :: Die Gier des Menschen ist unersättlich

Chris Burda und Martin Grimm hatten mit ihrem 2011 erschienenen Longplayer “Shoulders & Giants” ein sensationelles Werk aus instrumentalem Post Rock erschaffen, dass in Kennerkreisen jede Menge Lob einheimsen konnte. Zum Glück konnte man zu Recht sehr schnell den Geheimtippstatus ablegen und mit der Veröffentlichung vom Nachfolger “Fragments Of A Prayer” steht nun ein weiteres großartiges Album voller filigraner Musikkunst zum genießen parat. Im folgenden Interview sprechen Chris und Martin über die Geschichte der Band, die Entstehung ihrer Musik und die Inspirationen die allem zugrunde liegen. Auf gehts…. (michi)

 

Hallo Chris, hallo Martin, schön dass ihr euch Zeit für dieses Interview nehmt. Stellt euch bitte zuerst einmal vor und erzählt in einigen Worten eure Bandhistory

Matt:
Gern Michi. Also, wir Zwei sind “Collapse Under The Empire” aus Hamburg und spielen instrumentale, sehr soundtracklastige Musik. Wir haben uns vor wenigen Jahren als reines Studioprojekt gegründet und veröffentlichten seitdem 3 Alben, 1 Mini-Album sowie eine Split-EP in Zusammenarbeit  mit der russischen Postrock Band “Mooncake”.  Ab 28. September ist unser viertes Album “Fragments of a Prayer” in allen Plattenläden erhältlich. Wie du siehst, sind wir seit unserer Gründung sehr produktiv gewesen. Unsere Musik ist für Leute interessant, die das „Gedudel“ aus dem Radio satt haben und vielleicht auf der Suche nach etwas Neuem sind.

 

Wie hat sich euer Musikstil entwickelt, war von jeher klar, dass ihr rein instrumentale Musik machen werdet? Haltet ihr es für möglich dies einmal zu ändern?

Chris:
Das wir rein instrumentale Musik machen, war überhaupt nicht geplant und entstand zufällig. Wir experimentierten damals mit einigen Sängern bis wir irgendwann merkten, dass unsere Musik ohne Gesang besser funktionierte. Für uns war es auch einfacher nur zu zweit zu arbeiten. Wir ergänzen uns hier perfekt, jeder hat seine Rolle und seine Aufgaben bei Collapse. Das ist meiner Meinung nach die Grundlage für unsere Produktivität. Da wir unsere Musik immer wieder interessant und abwechslungsreich gestalten wollen, kann es aber durchaus sein, dass wir in Zukunft evtl. auch  Gesang oder andere Elemente mit einfließen lassen, aber dann auf eine Weise, die sich hoffentlich meilenweit vom Mainstream unterscheidet.

Wie schaut die Konstruktion eines Songs bei euch aus? Gibt es vielleicht ein Bild das ihr vor Augen habt? Beschreibt ihr Stimmungen wenn ihr etwas Bestimmtes seht? Wie funktioniert das?

Matt:
Wir lassen uns immer überraschen, wo die Reise hingeht, wenn wir anfangen Songs zu schreiben. Von der musikalischen Herangehensweise hat sich eigentlich nicht viel verändert, wir komponieren noch wie zu unseren Anfängen. Viele Tracks entstehen unmittelbar ohne Vorbereitung und werden innerhalb kürzester Zeit aufgenommen. Ein Bild nutzen wir selten, um uns inspirieren zu lassen… es sei denn wir machen ein Sound Design. Dafür benötigen wir natürlich Videomaterial, um Effekte, Atmosphäre und sonstige Sounds hinzuzufügen. Neben dem Komponieren der Musik ist das meine zweite Lieblingsbeschäftigung. Beim Sound Design erkennt man erst richtig, wie viel mehr Emotionen allein durch das Hinzufügen simpler Effekte erzeugt werden können. Ich finde das ist auch ein gutes Beispiel, dass man gar keine bestimmte “Stimmung” nur mit der Musik erzeugen kann. Es ist viel zu oft abhängig von der Location und dem eigenem Wohlbefinden.

 

Ihr überlasst die Thematik eurer Stücke in der Interpretation des Hörers, da es zwar Songtitel gibt, sonst dazu allerdings keine Infos. Ist dies so gewollt?

Chris:
Das Zusammenspiel zwischen Musik, Story und Artwork spielt bei uns immer eine große Rolle, da es für uns die einzige Möglichkeit ist, dem Zuhörer in unseren Bann zu ziehen. Bei rein instrumentaler Musik ist es häufig schwierig, dem Zuhörer ein Thema zu präsentieren. Deshalb nutzen wir manchmal unsere Songtitel als kleine Hilfe, um die Story besser zu verstehen.

 

Und worum geht es für euch in „Fragments Of A Prayer“, einem Album welches ja außerhalb des Doppelkonzeptes von „Shoulders & Giant“ und dem 2013 erscheinenden zweiten Teils ist?

Chris:
Für uns ist es wichtig, dass jeder seine eigene Interpretation finden kann. Wenn der Zuhörer sich beim Hören in einer Art Filmsoundtrack- Landschaft wiederfindet, in der es gilt eine Story zu durchleben, haben wir unser Ziel erreicht. Auf „Fragments of a Prayer“ könnte es z.B. um einen Menschen gehen, der gerade eine Nahtoderfahrung durchlebt oder um einen Ertrinkenden. Ich finde, dass das Cover mit seiner unendlichen Weite genau dem entspricht, was wir für unsere Story gesucht haben. Mit seiner unwirklichen Farbgebung passt das Cover auch gut zu dem epischen und sphärischen Sound der Platte. „Fragments of a Prayer“ ist auf keinen Fall als Zwischenspiel oder Intermezzo anzusehen, sondern als vollwertiges Album, das für sich steht. Es kann aber durchaus als Bindeglied des Konzeptzweiteilers funktionieren. Das muss jeder Hörer für sich entscheiden. Von der Stimmung her, hätten 1-2 Tracks sicherlich auch auf „Sacrifice & Isolation“ gepasst, aber insgesamt ist das Album anders angelegt.

Wo wir schon über das Doppelkonzeptalbum sprechen, wie darf man sich das vorstellen bei instrumentaler Musik?

Matt:
Na ja, aufgrund des fehlenden Gesangs muss man den Zuhörer anderweitig beschäftigen. Eine Story, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht, ist für uns – als Fundament – sehr wichtig und eigentlich in allen unser bisherigen Veröffentlichungen vorhanden gewesen. Man kann damit alles verbinden, das Artwork, die Titelnamen und die Songs. Alles ergibt im Gesamtbild einen Sinn und gibt der Veröffentlichung einen persönlichen Mehrwert. Mit unserem Doppelkonzeptalbum ist es umso spannender zu erfahren, wo die Reise hingehen wird, denn mit dem ersten Teil wurde die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt.

 

Welche Musik hat euch in eurem Schaffen inspiriert, bzw. was hört ihr euch selber so in eurer Freizeit an?

Chris:
Unsere musikalischen Einflüsse kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Ich glaube, gerade weil wir unterschiedliche Musikvorlieben haben, unterscheiden sich  unser Sound und unsere Herangehensweise beim Komponieren von vielen anderen Bands. In den letzten 10 Jahren haben mich viele Musikphasen begleitet und begeistert, von Elektro, Wave, Rock und Alternative bis einschließlich Post-Rock habe ich alles ausgiebig gehört.

 

Ihr habt in der Vergangenheit den Soundtrack für den vom Sharkproject produzierten Film „Sharks Don`t Cry“ geschrieben.  Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Chris:
Wir waren auf der Suche nach etwas, was wir gerne unterstützen wollten. Als wir von Sharkproject und ihrem Kampf gegen die Ausrottung/Abschlachtung der Haie gehört haben, waren wir sofort Feuer und Flamme und wollten sie unbedingt unterstützen. Wir sind der Ansicht, dass das ein großes Thema ist, das, wenn wir es nicht bald anpacken, ein großes Problem für die gesamte Umwelt und die Menschheit darstellt. Also haben wir sie kontaktiert und ihnen angeboten einen exklusiven Track beizusteuern, wobei alle Einnahmen des digitalen Downloads an Sharkprojekt gehen sollten. Sie waren so begeistert von der Idee, dass sie uns prompt fragten, ob wir auch für ihren Kurzfilm “Sharks don’t Cry” den Soundtrack beisteuern würden. So etwas muss man uns natürlich nicht zweimal sagen. Wir sagten natürlich sofort zu und komponierten auf deren exklusivem, geheim gedrehten Film-Material die Musik. So ist der Track “The Silent Death” entstanden, unsere erste wirkliche Erfahrung in Sachen Soundtrack-Komposition. Wir merkten schnell, dass uns das Komponieren mit Filmmaterial  besonders viel Freude bereitet und wir in Zukunft mit Sicherheit mehr in dieser Richtung ausprobieren werden. Die Herangehensweise ist zwar ähnlich wie bei einem Collpase Track, aber man muss noch wesentlich tiefer in die Story eintauchen, um die Emotionalität einzufangen.

 

Wie steht ihr selber zu der menschlichen Gewaltherrschaft über die Natur? Haben Wale, Haie, Tiger und andere wildlebende Tieren überhaupt noch eine Chance  neben uns außerhalb eines Käfigs auf diesem Planeten zu existieren?

Chris:
Eine Chance mit Sicherheit! Aber es wird meiner Meinung nach immer schwieriger, den ganzen Prozess aufzuhalten. Die Gier des Menschen ist unersättlich. Noch schwieriger ist es, Menschen zusammenzubringen, um für eine Sache solidarisch zu kämpfen und ihnen zu vermitteln, dass manche Dinge unbedingt verändert werden müssen, um Katastrophen in naher Zukunft zu verhindern. Dies gilt nicht nur für die Tierwelt, sondern auch für die Umwelt. Wir sehen doch jetzt schon, wo alles hinführen wird, wenn wir uns nicht alle irgendwann zusammenreißen und die Probleme erkennen, die da auf uns zukommen….

Wir werden uns in Zukunft mit Sicherheit noch einmal an einem Projekt beteiligen, was uns am Herzen liegt.

 

Ihr habt zum Song „Closer“ einem Video Clip gemacht. Was gibt es eurerseits dazu zu sagen? Welche Aussage versteht sich dahinter?

Matt:
Die Geschichte ist tatsächlich etwas verwirrend und wenn man sich das Video zum ersten Mal anschaut, dann versteht man zunächst nur „Bahnhof“. Nach dem zweiten und dritten Mal wird einem allmählich klar, worum es gehen könnte. Ich glaube, dass viele Leute sich ihre eigene Geschichte zusammen puzzeln – und das finde ich gut!

Tretet ihr mit eurer Musik eigentlich auch live auf? Und wenn ja, welcher Rahmen wäre dafür der passende? Könnte mir fast vorstellen, ein Konzert von euch sitzend zu erleben!

Chris:
Bislang fehlte uns leider immer die Zeit, Konzerte zu spielen. Hinter einer Tour steckt so viel Aufwand, ganz zu schweigen von dem ganzen Konzept, so dass wir uns davor bisher gesträubt haben. Da wir nur zu zweit sind, müssten wir zunächst ein paar Leute zusätzlich beteiligen, denn sonst könnte man den Collapse Sound nicht ansatzweise wiedergeben. Wenn wir auftreten würden, wäre wohl der Schwerpunkt neben der Musik eine Symbiose aus Licht und visuellen Elementen. Unsere Musik könnte man dann mit Sicherheit auch im Sitzen erleben, wie eine Art Kinofilm. Es wird aber  sicherlich  in den nächsten Jahren zu vereinzelten Livekonzerten kommen, da wir mittlerweile viele Anfragen aus allen mögliche Ländern bekommen.

 

Wie sehen eure Zukunftspläne für COLLAPSE UNDER THE EMPIRE aus?

Matt:
Zunächst warten wir erst mal ab, wie die neue Platte ankommen wird. Ansonsten sind wir erst mal mit unserem Label beschäftigt und hoffen, Anfang des Jahres bereits eine Band/Künstler zu präsentieren.

 

Ergänze folgenden Satz: “Wenn ich Musikminister wäre…”

…würde ich Radio Sender, die den ganzen Tag ausschließlich kommerzielle Musik liefern, verbieten lassen. Es gibt ja kaum Musiksender, die man sich noch länger als 5 Minuten anhören kann.
Zu guter Letzt habt ihr hier noch Platz eine Message an eure Fans zu richten…

Matt:
Ende des Jahres werden wir uns auf den 2.Teil unseres Konzeptwerks “Sacrifice & Isolation” konzentrieren. Hierfür haben wir bereits einige Tracks eingespielt. Soviel sei verraten….. diese Tracks werden dunkler und finsterer werden als alles, was wir jemals veröffentlicht haben.

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