INTERVIEW, TOP THEMA

EDEN WEINT IM GRAB :: Fiktionale Reise durch die Unterwelt

Die Berliner Dark Metal Formation EDEN WEINT IM GRAB hat mit „Na(c)htodreise“ den Nachfolger zum 2014er Werk „Geysterstunde II“ veröffentlicht (Review hier). Dieses Mal haben sie ihrem Dark Metal Fundament einen etwas größeren Hörspielcharakter verliehen, was dem ersten Konzeptalbum der Bandgeschichte dadurch mehr als gerecht wird, um ihre Geschichte zu erzählen. Hintergründe zum Album verraten Alexander Paul Blake und Dr. Eckstein. Homepage / Facebook (eller)
Photos by Yvonne Brasseur (www.yvonnebrasseur.de)

EwiG Besetzung:
Alexander Paul Blake – Gesang, Bass, Rhythmus-Gitarre, Keyboard
Dr. Eckstein – Lead-Gitarre
Ivar Rabenfeder – Rhythmus-Gitarre
Zeus X. Machina – Schlagzeug
Meyster M. Melicus – Cello
Kalila Karussell – Violine, Bratsche, Mandoline, Hintergrundgesang

 

„Na(c)htodreise“ ist euer erstes Konzeptalbum, heißt es. Hattet ihr dadurch dieses Mal eine andere Herangehensweise an das Album?  

Blake: „Ja, durchaus. Die Texte entstanden zum Großteil zuerst und gaben dadurch schon einen roten Faden vor. Natürlich wurde im Laufe der Produktion vieles noch optimiert, angepasst oder gestrichen, aber grundsätzlich hatten wir diesmal einen klareren Rahmen, den wir dann ausstaffiert haben. Wir haben auch versucht, ‚filmischer’ zu komponieren, sodass das Album wie ein Film im Kopf funktionieren kann. Und die Musik sollte die einzelnen Szenen unterstreichen, auskleiden, ergänzen.“

 

Wie ist das Album dann vom Konzept her aufgebaut, wie sieht der rote Faden aus?  

Blake: „Es zeichnet die Reise des Protagonisten Helian nach, der im ersten Song ‚TraumTod’ eine Art Übertritt erlebt und von dort aus seiner eigenen Beerdigung beiwohnt, die Unterwelt durchreist und schließlich in immer höhere, kosmischere Ebenen vordringt. Auf dem Weg erlebt er allerlei skurrile Dinge. Allerdings war es uns wichtig, offen zu lassen, ob es sich nun um einen realen Tod handelt oder um einen Traum oder eine Vision, da wir uns nicht anmaßen möchten, die Deutungshoheit über Leben und Tod an uns zu reißen. So bleibt die Geschichte offen für verschiedenste Interpretation und stellt zwischen den Zeilen eher Fragen als Antworten zu geben.“

 

Der Vorgänger „Geysterstunde II“ konnte mich schnell begeistern, bei den neuen Songs habe ich länger gebraucht, bis sie sich in meinen Gehörgängen verankern konnten. Was hat sich aus eurer Sicht musikalisch verbessert oder verändert im Vergleich zu den bisherigen Alben? 

Blake: „Für uns ist es eine natürliche Weiterentwicklung. Wir wollten einerseits wieder ein bisschen härter werden, ohne dadurch das Eklektische, das Eden Weint Im Grab so prägt, außen vor zu lassen. Außerdem sollte das Album sinfonischer und soundtrackartiger klingen und wir denken, dass die Produktion erstmals dem entspricht, was uns schon immer vorschwebte. Aber erst jetzt sind in der Lage, es auch tontechnisch adäquat umzusetzen.“

 

Ihr habt im Vorfeld nun schon den ein oder anderen Song veröffentlicht. Wie war das Feedback seitens der Fans bisher?  

Blake: „Wir bekamen bisher ausschließlich positives Feedback und sogar gleich neue Hörer dazu. Es scheinen alle begeystert. Und ich habe auch den Eindruck, dass wir auch bandintern noch nie so stolz auf ein Album waren. Wir haben aber auch extrem viel Zeit investiert – zumindest ein Teil von uns hätte die Band locker als Full-Time-Job betreiben können.“

Gibt es Literatur, die du Leuten empfehlen  würdest, die sich mit dem Thema zwischen  „Diesseits und Jenseits“ beschäftigen möchten?  

Blake: „Es wird in dem Bereich viel geschrieben und ich weiß selbst nicht so recht, was man glauben darf und was nicht. Vieles ist stark religiös oder dogmatisch gefärbt. Vieles liest sich einfach nur wie esoterischer Quatsch. Ich halte es selbst daher so, dass ich generell erstmal für fast alles offen bin und mir vieles vorstellen kann, aber gleichzeitig auch versuche kritisch zu sein und das ganze Thema mit einer gesunden Gelassenheit zu sehen. Gut gefallen haben wir die Bücher von Raymond A. Moody und Elisabeth Kübler-Ross, da sie die Sterbeforschung wissenschaftlich-empirisch angehen oder auch das Buch „Früher war ich mal groß …“ von Dieter Hassler, der versucht, das Thema Reinkarnation mit wissenschaftlichen Maßstäben zu erforschen. Aber letztlich muss man doch festhalten, dass wir uns mit ‚Na(c)htodreise’ im Bereich der Fiktion bewegen und letztlich einfach gut unterhalten wollen – wenn auch mit einer gewissen philosophischen Komponente.“

 

Auch wenn das eher ein Tabuthema in der  Öffentlichkeit zu sein scheint: Gibt es bei euch  in der Band durch eure Musik konkrete Planung für  die eigene Beerdigung? Der Song „Bon Voyage“  scheint mir das Thema schwarz humoristisch zu beleuchten.  

Blake: „Äh, nein. Ich plane  meine eigene Beerdigung nicht (lacht). Die Vorstellung fände ich etwas merkwürdig, denn ich möchte noch einige Jahre auf der Erde weilen. Man muss dazu sehen, dass ‚Na(c)htodreise’ kein autobiografisches Album ist. ‚Bon Voyage’ ist einfach ein Teil der Geschichte. Wir haben versucht, der Beerdigung das Bedrückende zu nehmen, indem wir sie mit einem Augenzwinkern betrachten, da der ‚Tote’ offensichtlich quicklebendig zwischen den Trauergästen hindurch läuft und sich fragt, weshalb sie so traurig sind. Und auch wenn unsere Texte oft in jenseitige Gefilde abdriften, sind wir privat sehr wohl Charaktere, die das Leben zu leben wissen und keineswegs von Todessehnsucht geplagt sind (lacht). Meinerseits ist da einfach nur eine große Neugier, den Lauf der Dinge verstehen zu wollen, die sich auch künstlerisch manifestiert.“

Dr. Eckstein: „Tatsächlich kamen mir vor wenigen Wochen Gedanken daran, welcher Song wohl für die Beerdigung welchen Bandmitglieds – insbesondere mich selbst – geeignet wäre (lacht). Tatsächlich wäre „Bon Voyage“ kein schlechter Kandidat, aber es müsste ein Song sein, zu dem ich aufgrund des Schaffensprozesses einen stärkeren persönlichen Bezug habe, und das wäre dann vielleicht „Ævum“. Genau geplant habe ich das aber noch nicht.“

 

In der „Toten-Taverne“ seht ihr euch dann nach  dem Tod für immer und ewig spielen? Oder wie ist der Song gedacht?  

Blake: „Auch hier möchte ich betonen, dass das kein autobiografischer Song der Gruppe Eden Weint Im Grab ist. Ich wurde erst nachdem der Song nahezu fertig war, darauf hingewiesen, dass man ihn so verstehen könnte, als würden Eden Weint Im Grab in der Toten-Taverne spielen. Das darf man gerne so sehen, aber es war eigentlich nicht die Absicht. Für mich war das eine von uns unabhängige kuriose Jenseits-Band (lacht). Und ob wir nach dem Tod für immer und ewig spielen wollen, bezweifle ich. Vielleicht möchten wir uns dann doch eher mal anderen Aufgaben zuwenden? Wer weiß …“

Dr. Eckstein: „Als ich den Song zum ersten Mal gehört habe, dachte ich auch ganz selbstverständlich, dass wir die besungene Band sind. Deshalb bin ich froh, dass es die ‚Lauten’ in letzter Minute auch noch in den Songtext geschafft haben. (lacht).“

Ihr hattet Anfang des Jahres eine  Crowdfunding-Kampagne für ein Video gestartet.  Wie sind eure Erfahrungen damit und würdet ihr  das wieder machen oder anderen Bands empfehlen?  

Blake: „Unsere Erfahrungen waren gut, da wir sehr gut unterstützt wurden. Dadurch haben wir unser Ziel sehr schnell erreicht. Wir waren selbst baff. Allerdings haben wir den Arbeitsaufwand, der dahinter steckt, etwas unterschätzt, denn es hängen viele Aufgaben daran, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Es anderen Bands empfehlen? Das kommt ganz auf die Band an. Ab einer gewissen Größe macht das sicher Sinn, aber man muss auch dahinter stehen können. Ich persönlich gebe ehrlich zu, dass ich jahrelang so meine Bedenken hatte, da ich das immer etwas als um Geld betteln empfand. Ich habe mich dann doch überzeugen lassen. Und wir haben versucht, den Leuten gute Gegenleistungen zu bieten und auch die Preise moderat anzusetzen, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie auszunehmen.“

 

Was habt ihr live dieses Jahr so in Planung und  worauf freut ihr euch besonders?  

Blake: „Ich freue mich besonders auf unsere (Co-)Headliner-Shows im April in Nürnberg, Berlin, Hamburg und Leipzig, weil wir in diesem Rahmen endlich mal wieder Zeit haben, ein würdiges Programm zu präsentieren, auch von der Spiellänge her. Ich hoffe, es kommen im Herbst/Winter noch Gigs dazu. Wir arbeiten dran.“

Dr. Eckstein: „Und natürlich freuen wir uns auch sehr darauf, dass wir im August zum zweiten Mal auf dem M’era Luna auftreten werden.“

 

Noch eine Frage an Alexander Paul Blake: Welches ist der nächste kreative Output, den wir  erwarten können, mal wieder was von Aethernaeum?

Blake: „Aethernaeum wurde gerade etwas zurückgefahren. Wir haben jüngst einen Festival-Auftritt bei den Frostfeuernächten gespielt und sind dieses Jahr noch beim Rock For Roots zu sehen. Ansonsten haben wir erstmal keine konkreten Pläne und denke, es läuft darauf hinaus, dass wir als nächstes ein weiteres Eden-Weint-Im-Grab-Album machen, da ich gerade noch voll im EwiG-Modus bin und mich inspiriert fühle. Aber wer weiß, manchmal kommt es doch anders. Abseits davon habe ich in den letzten Jahren immer wenn Zeit war noch an zwei Projekten gearbeitet, die mit Metal beide nichts zu tun haben und die höchstwahrscheinlich dieses Jahr endlich publik gemacht werden. Dazu zu gegebener Zeit mehr …“