LIVEBERICHT

DOUBLE FEATURE :: DIE HOLSTEIN ROCKETS & MR. IRISH BASTARD

021-mr-irish-bastard

Live in der Subkultur in Hannover am 09.12.2016
Live im Club Lux in Hannover am 10.12.2016
Text & Fotos © Chris
Fotogalerie DIE HOLSTEIN ROCKETS
Fotogalerie MR. IRISH BASTARD

Der folgende Livebericht von DIE HOLSTEIN ROCKETS und MR. IRISH BASTARD gehört irgendwie zusammen, denn die Konzerte sind eingerahmt von einem geilen Wochenende in der Landeshauptstadt Hannover und transportieren viele gemeinsame Ideen und sind doch ganz unterschiedlich. Die Bands sehe ich an diesem Wochenende zum neunten (MR. IRISH BASTARD) bzw. achten Mal (bei den ROCKETS zählen allerdings auch die beiden TOLLHAUS TRIO-Gigs dazu), allerdings ganz bewusst, denn selten war ich auf Festivals, bei denen die Bands unter „ferner liefen“ dabei waren und falls doch mal ein Festival dabei war, dürft ihr sicher sein, dass ich mich sehr auf die Bands gefreut habe. Daher habe ich mich entschieden, die Berichte auch als eine Art Crossover zu einem zusammenzufassen; ich meine, wenn es einen BATMAN & TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES-Cossover gibt, warum dann keinen von DIE HOLSTEIN ROCKTES & MR. IRISH BASTARD?

22-band
Das Wochenende startet mit einem guten Burger und kühlen Getränken, bevor wir uns in Richtung „Subkultur“ aufmachen. Der Club ist durch seine hohe Decke ziemlich beeindruckend und dank diverser Sitzgelegenheiten können wir gemütlich mehreren Longdrinks frönen, während wir auf die Band warten. Wer das Amboss-Mag kennt, weiß, dass mich und die Bande eine Freundschaft verbindet und dementsprechend freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit Sweet Babydoll, Tom Toxic, Danny Danger, Knochen-Marc und Arne… als sie endlich eintrudeln wird ein bisschen geschnackt, bis der Veranstalter meint, dass es nun Zeit wäre, auf die Bühne zu gehen. Da der Club aber nicht im mindesten gefüllt ist, mutet es doch etwas komisch an, denn vielleicht verirrt sich der eine oder andere ja noch in die Subkultur… tun sie aber nicht und so dürfen wir Teil des 14-köpfigen Zuschauerkaders sein. OK, Rock’n’Roll und Rockabilly der alten Schule ist nun wirklich keine Mainstream-Musik und frönt sicherlich ein Nischendasein, aber in einer Stadt, in der dem Hörensagen nach mal eine entsprechende Szene existiert haben soll, sind 14 (hoffentlich) zahlende Gäste einfach unterirdisch; zumal DIE HOLSTEIN ROCKETS sicherlich zum Feinsten zählen, was der deutschsprachige Holsteinbilly zu bieten hat.

019-mr-irish-bastard
Am Samstag hingegen finden sich grob geschätzt 150 Leute im Club Lux ein. Irische Folk Punk-Musik ist nun allerdings auch nicht jeden Tag im Radio zu hören und dürfte auch nur eine Nische im Musikbusiness darstellen, aber der Konsens ist bei den Rockmusikfans einfach größer, als beim Rockabilly, was man auch an diversen Festivalshirts der Besucher ablesen kann. Ich denke, der klassische Rock’n’Roll hat einfach verdient, auch mehr auf größere Festivals oder Touren gebucht zu werden, um den jungen Fans zu zeigen, wo die Wurzeln liegen und wie viel Spaß die Musik machen kann.

Wir verpassen aufgrund des Spitzenspiels der Bundesliga leider die Vorband und sind ca. 20 Minuten vor dem geplanten Beginn von MR. IRISH BASTARD am Club, als wir bei einer Zigarette auf einmal das Intro aus dem Club klingen hören und zusehen, dass wir reinkommen. Pünktlich zum Opener „Forty Something Street“ sind wir auch da und es ist immer wieder eine Freude Lady Lily (whistle), The Irish Bastard (v, g), Boeuf Strongenuff (b), Moe Leicester (d), Gran E. Smith (Banjo, Mandolin), P (g) und B.B. (Akkordeon) auf der Bühne zu sehen, denn in Sachen Spaß und Spielfreude macht dieser Combo keiner so leicht was vor.

27-band
Wobei ich allerdings gleich an den vergangenen Abend zurückdenke, bei dem Knochen-Marc erzählt, dass viele Fans (vollkommen zu Recht) der Meinung sind, dass DIE HOLSTEIN ROCKETS so eine unglaublich große Spielfreude und Spaß an den Tag legen, er aber eher der Ruhepol ist. Aber Mucker sind ja auch nur Menschen und jeder ist anders. Zum Glück. Spaß und Spielfreude regiert in der Subkultur aber auf jeden Fall, als die Band mit dem ultimativen Opener „Start frei“ die Triebwerke zündet. Nach dem lang ersehnten „Freitag Abend“ folgt der „Montach Morgen“ und wie das bei Montagsproduktionen manchmal so ist, funktioniert der Song erst im zweiten Anlauf und es ist gut zu sehen, dass die Band sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, sondern den Faux pas mit einem herzhaften Lachen wegsteckt und einfach immer weiter feiert. Thematisch geht es mit schnellen, bösen Autos weiter und „Straßenkreuze“ säumen die Straße, auf der „Christine“ ihre Opfer jagt. Das witzige „Moin“ sorgt immer für Lacher und als Tom endlich und vielleicht zu einem der letzten Male „Auf nach Memphis“ anstimmt, merkt man ihm an, dass er sich wie ein kleiner Junge freut, denn ab dem nächsten Februar müsste der Text umgedichtet werden, weil er sich dann seinen Traum erfüllen wird und nach Memphis reist, was mich für ihn persönlich sehr freut und gleichzeitig neugierig auf die dort stattfindenden Aufnahmesessions mit namenhaften Künstlern macht. (Hier mal der Link zu seiner „Tennessee Tapes“-Seite!)

Ja, wir sind nur 14 Leute, das wisst ihr ja bereits, aber ich möchte betonen, dass diese 14 Leute, abzüglich des Vogels, der nach dem Gig nicht müde wird zu erzählen, dass er bei dem Gig fast eingeschlafen wäre, bei „Ein Leben voller Rock’n’Roll“ wirklich alles geben und mitsingen, was die Lunge hergibt! Super Mitmachpart, der die Leute aus der Reserve lockt.

011-mr-irish-bastard
Bei MR. IRISH BASTARD gibt es Mitmachparts in Hülle und Fülle und wenn mal nicht geklatscht oder mit den Händen gewedelt wird, singe ich einfach lautstark mit. Aber zum Glück nicht nur ich allein, sondern so ziemlich alle und zum Glück muss ich nicht auf die Bühne, um einen Song mit der Band zu singen, das übernimmt eine Dame (oder zwei?) aus dem Publikum…

„Drink another day“ bietet sich sehr zum Mitsingen an, oder einer meiner Alltime-Lieblinge „I smell the blood“ oder alles, was die Band auf dem Jahrtausendalbum „A Fistful of Dirt“ aufgenommen hat. Wer dieses Album nicht kennt: kaufen. Nur grandiose Noten, keine Misstöne. Und heute Abend bekommen wir neben den anderweitig erwähnten Songs des Albums „Another Mans Country“, „Bite the dust“ und „End of the world“ serviert. Aber auch neuere Knallersongs wie „That Bitch drank my whiskey“, „Fuck you my darling“, „I hope they sell beer in hell“, „Kingdom of the sun“ oder das olle „Killybegs“ sind live einfach nur unschlagbar geil, denn die Performance der sieben Verrückten auf der kleinen Bühne ist so mitreißend, dass keiner stillstehen kann. Der arme Boeuf Strongenuff bekommt heute nicht den Auslauf, den er sonst einfordert, denn die Bühne ist doch etwas lütt geraten, aber dafür ist vor der Bühne ein ordentlicher Pogo am Gange und vor allem die Mädels im Pit toben sich mal so richtig aus… sehr geil, intensiv und immer fair.

Das Ende des regulären Gigs bietet mit „Last Pints“ und „Stupid Bastards“ nochmal einen echten Höhepunkt, bevor nach den Zugaben „Temple of Love“ und „End of the World“ mit „Let go“ letztmalig so richtig die Sau rausgelassen wird. Hammer Gig. Leider fehlt mir persönlich ein Song (genau wie den 150 anderen auch irgendeiner fehlt), nämlich „Isn’t it grand, boys?“, den ich mir schon jetzt als Song für meine Beerdigung ausgesucht habe. Wenn ich mich mit dem Abnippeln ein bisschen beeile, zockt die Band ihn vielleicht ja live, harghharghhargh.

24-band
DIE HOLSTEIN ROCKETS hingegen haben mir am Freitag eine richtig große Freude bereitet, denn „Die alte Kutte“ wurde mal wieder mir gewidmet… aber das mag auch einzig und allein der Tatsache geschuldet sein, dass ich der Einzige bin, der eine solche spazieren trägt. Schade eigentlich, denn die Kuttenkultur ist spannend und sorgt immer für unterhaltsame Gespräche. Aber die Geschichte mit der ursprünglichen Widmung ist noch viel toller: 2012 habe wir unseren Schweden-Urlaub ein bisschen umgeplant, weil ich auf dem Weg nach Norden unbedingt TOM TOXIC & DIE HOLSTEIN ROCKETS in Dahme sehen wollte und dort hab‘ ich das erste Mal mit Tom geschnackt. Er war vor dem Gig nicht wirklich gut drauf und es gab lediglich etwas Smalltalk und dennoch hat er damals zu meiner Überraschung und Freude mir den Song gewidmet… was eine besondere Ehre ist, da der Song schon vorher mein absoluter Lieblingssong war und auch heute noch ist. „Vielleicht lag es am Whiskey“, die Coverversionen von „Das Model“, „Engel“, „Rosemarie“ und vor allem des letzte Trio „Hot Rod Rebell“ (immer wieder geil, wie Tom den Song singt!), „Holsteinbilly“ und der „Holstein Rockets Rock“ sorgen noch einmal richtig für Stimmung, bevor der letzte Vorhang fällt und nach mehr als 90 Minuten Feierabend ist.

Es ist seit über drei Jahren das erste Mal, dass ich DIE HOLSTEIN ROCKETS wieder auf der Bühne erleben durfte und es war, als hätte die Pause der Band niemals stattgefunden, denn der Spaß ist sofort da, Sweet Babydoll trommelt sich in einen Rausch und sieht dabei immer blendend aus, Knochen-Marc lässt den Bass pumpen und Danny überzeugt mit seinen Soli, während Tom in seiner Rolle als Frontmann sichtlich aufgeht. Nicht alles war perfekt und es gab sicherlich den einen oder anderen kleineren Schnitzer, aber wie sagt man so schön in Kiel: DAS. IST. ROCK’N’ROLL!

28-band

Gemeinsam haben die beiden Bands, dass sie das, was sie tun, mit Hingabe zelebrieren. Ihre Leidenschaft für 14 oder 150 Leute zu musizieren ist nicht zu bremsen und zu jeder Sekunde haben sie alles gegeben, um den Fans einen wunderbaren Abend zu bescheren. Zu guter Letzt haben beide Bands einen festen Platz in unseren Herzen und es freut mich sehr, dass wir beide Bands an einem Wochenende in schönen Clubs erleben durften. Von solchen Erlebnissen sollte es ruhig mehr im Leben geben. Man sollte den Veranstaltern heutzutage jedes Mal auf die Schulter klopfen, wenn sie sich trauen, kleine Bands in ihre Clubs zu holen, denn oftmals droht ein sattes Minusgeschäft und dennoch machen sie weiter… hoffentlich. Nun ist es an den Fans, dass diese Kultur nicht stirbt. Natürlich kann man nicht jeden Gig besuchen, der läuft, aber für lumpige 8 Euro (DIE HOLSTEIN ROCKETS) oder 18 Euro (MR. IRISH BASTARD) kann man einen Gig in seiner Stadt mal besuche, auch wenn man die Band bis dahin noch nicht kennt.

029-mr-irish-bastard
Zwei Mal habe ich erzählt, dass wir MR. IRISH BASTARD doch schon recht häufig gesehen haben und sowohl Moe, als auch The Irish Bastard fragten: „Wo“? Ist das ’ne Fangfrage, hahaha?! OK, um die Frage mal erschöpfender zu beantworten, als am Samstag, gibt’s hier jetzt meine MR. IRISH BASTARD-Chronik, bei der auffallen dürfte, dass der letzte besuchte Gig immerhin vier Jahre her ist! Shame on me!
12.12.2008, Hannover
20.11.2009, Kassel
14.05.2010, Hannover
11.02.2011, Hannover
18.11.2011, Göttingen
24.03.2012, Bremen
21.07.2012, Duisburg
06.10.2012, Göttingen

Vielen Dank an Tom, Babydoll, Knochen-Marc, Danny, Arne, Lady Lily, Beoff, Moe, The Irish Bastard für die netten Gespräche und Getränke! Wir werden uns hoffentlich bald wiedersehen! (chris)