
Livebericht
DER DETZE ROCKT am 19.+ .20.06.2026 in Detzenberg, Daun (Eifel)
https://www.derdetzerockt.de/
(Bericht und Photos von Holger)
Wie so oft teile ich mir längere Fahrten gerne in zwei Hälften ein. Somit Donnerstagnachmittag losgefahren und eine Nacht im Wald verbracht, wurde aus Radevormwald Radehintermwald (Bergisches Land ist echt toll). Die Erholung und den Abstand hatte ich auch echt gebraucht, so dass ich 9 Stunden gepennt hatte. Mit sehr viel Zeitreserve ganz entspannt noch einkaufen gewesen und die Kühlbox vollgemacht, sollte es es heiß werden mit Gewitter, wie angekündigt. Da eine Klimawartung den Wert meines Autos um das 3-fache erhöhen würde, schwitzte ich mir 2 Stunden einen ab, bis ich den Detzenberg erreichte. Sehr schön gelegen, muss ich sagen, es erinnert ein bisschen ans Dong Open Air 2003. Würde sagen vielleicht 800 Leute von der Größenordung her.
Die Sonne ballerte erstmal gnadenlos und was folgte, war ein stündlicher Wechsel zwischen Sonnencremeschmiererei und Wasserkanisterdusche. Selbst das Tag zuvor gefrorene Bier war mittleiweile schon wieder warm und brachte leider keine Abkühlung.
Los ging es dann mit MAJAK, nein es waren nicht Mayak aus Bielefeld sondern MAJAK aus dem Norden Deutschlands. Ordentlicher Heavy Rock, verspielt und sauber. Gute Wahl für einen Opener. An die zweite Band kann ich mich leider nicht mehr erinnern, wahrscheinlich musste ich gerade in Sonnencreme baden, da es immer unerträglicher wurde. Selbst das Atmen fiel immer schwerer und das erste Bier war erstmal genug. Man kann schon fast sagen, dass das Gewitter, welches folgte, förmlich herbei gesehnt wurde. Für eine gute Stunde musste das Festival unterbrochen werden und der Starkregen war wirklich eine willkommene Abwechslung und eine reine Wohltat.
Für mich jetzt schon eine der Neuentdeckungen dieses Jahres: MIDNIGHT PRAY. Zufällig hatte ich sie mir schon vor dem Festival rausgepickt und sie haben mich sofort in den Bann gezogen. Ich mag es einfach, wenn Bands oder Musiker Stile mit einander kombinieren. Hier haben wir es wirklich mit talentierten Gitarristen zu tun. Hard’n’Heavy mit vielen Terzen und schönen Harmonien, die man eigentlich eher aus dem Atmo Black Metal kennt, doch anstatt die Riffs mit tremellopickung runter zu schrebbeln, rockt man die Riffs einfach so runter. Hinzu kommen noch zum Teil philosophisch deutsche Texte übers Leben daher. Ich denke, die noch recht junge Band wird man noch öfters sehen, da sie wirklich Potential hat. Leider wurde ihnen die Spielzeit auf Grund der Verzögerung um satte 20 min. gekürzt, was ich irgendwie sehr unfair fand. Da hätten, wenn überhaupt, alle Bands auf einen Song verzichten können oder man hätte die Zeit auch einfach dranhängen können, wirklich gestört hätte es wohl niemand, da das nächste Dorf echt weit weg war.
ATTIC haben mich leider nicht so wirklich vom Hocker gehauen, dieses King Diomond/Mercyfull Fate Ding war noch nie meins, dennoch war es aus der Ferne gut anzuhören und auf einem so geilen Festival spielt es kaum noch eine Rolle, ob mal eine Band dabei ist, die einem gefällt oder nicht.

Dann kam für mich der Höhepunkt und eigentliche Grund der Anreise: AURA NOIR. 30 Jahre Black Thrash Attack, wer hätte das gedacht? Kann mich noch gut erinnern, wie ein Kollege mit der Scheibe um die Ecke kam. Damals war das echt was neues, das eine Band Black Metal und Thrash Metal gemischt hat. Zuvor gab es noch BEWITCHED, die aber eher eine Art Black Heavy Metal gemacht haben, bzw. immer noch machen. Und dann kamen sie, the ugliest Band in the World, unsymphatisches Arschlochtum und arrogante Wichser. Wie auch immer man die Persönlichkeiten bezeichnen mag. Aggressor, der 2004 aus einem 4. Stock gefallen oder gesprungen ist, muss seitdem auf Krücken gehen und im Sitzen auf einem Rollhocker spielen. Apollyo, der lange Zeit bei Immortal als Basser tätig war und Blasphemer, ehm. Mayhem Gitarrist, und einen fetten Session Drummer, den sie wohl von irgendeinem Berg gelockt haben. Und dann ging es auch schon los. Black Thrash Attack in voller Länge. Von „Sons of Hades“ bis „Fighting for Hell“ und „South American Death“ und „Condor“. Als Bonus Songs hätte ich mir gerne Andere gewünscht, aber was soll man machen. Auch Auro Noir mussten auf einen Song verzichten, so dass nach 55 Minuten anstatt der angekündigten vollen Stunde Schluss war. Finde es immer amüsant, wenn Moshpits gleich von der ersten Sekunde an losgehen und die Menge schon richtig heiß ist. Habe es nie verstanden, warum die Leute auf vielen Konzerten 3 Songs brauchen, um warm zu werden. Den Aura Noir Moshpit auf dem Festung Open Air 2009 konnte es zwar nicht toppen, aber dennoch war es sehr wild.
Mache Leute sollten aber erst noch lernen, wie es im Moshpit zugeht. An ALLE, die in der ersten Reihe hinter dem Pit stehen: Eure Aufgabe ist es nicht die Leute nach vorne zu schubsen, sondern den Pit zu blocken, damit niemand umfällt. Diese ständige Schubserei nervt nur. Sinn der Sache ist, Emotionen von sich aus in Bewegung zu bringen, ohne was dazu zu tun. Auch haben Ellenbogen über der Brusthöhe nichts zu suchen, was auch eher nicht vorkam. Glückwunsch. Wie der MIDNIGHT Sänger dazu trefflich ermahnte: Dont push each other, we are all friends. Um es nochmal deutlich zu machen. Ein Moshpit ist eine gewaltige Energieentladung, die sich schnell aufbaut und auch abbaut.
Apropros MIDNIGHT, ich habe sie jetzt zum ersten Mal gesehen und es war okay, finde das jetzt nicht überragend, ein paar Motörhead Riffs zu spielen und Black Metal Vocals dazu zu machen. Aber den Leuten hat’s gefallen und der Pit war auch ganz ordentlich zu zuschauen.
Die ersten beiden Bands am Samstag? Was soll ich schreiben? Midnight Kopien? Man kann mich einfach nicht mit Hail Satan, simplen Riffs und stumpfem Rumgekreische beeindrucken, denn mehr war es wirklich nicht. So was auch noch als Black Speed Metal zu bezeichen, da kann man eigentlich nur mit dem Kopf Schütteln. Na ja, mit wahrscheinlich Anfang 20 hat man ja noch genug Zeit zum Lernen, um evt. mal was anspruchvolleres auf die Beine zu stellen.

Richtig los, na ja, so richtig auch nicht, ging es dann mit RITVS. Als Kraut Heavy Rock angekündigt, hatte ich mir ein bisschen mehr erhofft. Erwartet hatte ich eher etwas zwischen Amon Düül und Monster Magnet, aber bekommen habe ich irgendwas zwischen Die Sterne und Soundgarden. Um es gänzlich falsch auszudrücken, haha. Es war eine nette Abwechsung.

EXXECUTOR haben mich dann umso mehr vom Hocker gerissen. Eine auch noch recht junge Band mit ordentlicher Spielfreude und mächtig Druck. Sänger und Gitarrist hätte vor 40 Jahren optisch gut ins Altenessener Stadtviertel gepasst und auch die Mucke kam Kreator und Sodom recht nah. Einfach ein fettes Brett gewesen.
Bei IRON COBRA musste ich mir leider eine Hitzepause gönnen, aber aus der Ferne klang das recht nett. Diese hätte ich lieber auf eine Band später verschieben sollen, denn CHAPEL OF DESEASE haben mich leider nicht so überzeugt. Kann es immer schwer nachvollziehen, wenn Bands einen krassen Stilwechsel hinter sich haben. Von Old School Death Metal nach Post oder Prog Rock, warum ändert man nicht einfach den Namen und startet ein neues Projekt? Der Gig war per se nicht schlecht, aber ich fand, es fehlte irgendwie etwas Spirit. Den Fans zumindest hat es gefallen und Abwechslung schadet nie, somit passte die Band gut zum Line Up.

Der zweite Höhepunkt nach Aura Noir ebenfalls im Black Thrash angesiedelt war DESASTER. Das letztes mal 2019 in Essen gesehen (Interview mit Kuschke hier) war es mal wieder Zeit, seine Nackenmuskeln anzuspannen. Man merkte, das vielen das Wetter zu schaffen machte und der Moshipt beschränkte sich aufs Headbangen und sanftes aneinander Kuscheln. Man kann Bands auch so genießen und es muss ja nicht immer Vollgas sein. Ein solides Set, jedoch trauere ich immer noch dem altem Sänger Okkulto hinterher.

Für METAL INQUISITOR war es nach 5 Jahren Abstinenz eine Art Reunion Show. Was soll man schreiben, es ist einfach eine saucoole Band. Ich habe sie 2011 auf dem Rock Hard gesehen und auch wenn die Haare lichter werden und die Bäuche dicker sind, ist das immer noch eine geballte Ladung Thrash Metal in Reinkultur. Kein Schnickschnack, kein großes Gepose mit dicken, mega peinlichen Plastikketten wie bei Midnight.
Leider hat es dann für mich gereicht und ich habe noch 3 Tage im Wald verbracht, eigentlich Schade da Blaze Baley und Bulldozer bestimmt noch sehr interessant gewesen wären. Aber es war dann irgendwann zu viel, da ich dank meiner neuen Nachbarin derzeit regelmässig um 4.30Uhr wach werde, was wirklich leidvoll ist.

Résumé des Wochenendes. Ein absolut klasse und geiles Mini Festival mit einer super Lokation, überraschend im Schnitt junges Publikum, Bombenwetter, mäßigem Alkoholkonsum und Urlaub im Wald. Es war es ein gelungener und erholsamer Ausflug. Einzig alleine die sage und schreibe 13 Zecken hätte man sich sparen können. Sie haben überall gestochen. Ja auch da. Natürlich war ich darauf nicht vorbereitet und musste sie mir mit einem Seitenschneider entfernen. Wer rechnet schon mit einem Stachel im Stachel, wenn er seine Sachen packt??? Ich hoffe, mir läuft nicht irgendwann der Sabber aus dem Mund, aber scheint noch alles in Ordnung zu sein. Passt auf jeden Fall auf, wenn ihr in den Wald geht oder auf Festivals seid und kontroliert regelmäßig eure Haut. (holger)
