LIVEBERICHT

UNDER THE BLACK SUN :: Black und Death Metal in familiärer Atmosphäre (Teil1)

Livebericht vom 02.-04.07.2026 in Friesack (Brandenburg)
(Bericht: Domenico / Photos: Sarah)

 

EINLEITUNG
Hallo und herzlich willkommen zum ersten Teil vom Bericht der diesjährigen Edition einer meiner absoluten Lieblingsveranstaltungen: Das UNDER THE BLACK SUN!
Wie ihr wisst, lege ich sehr viel Wert auf Transparenz und Ehrlichkeit gegenüber meinen Lesern, demzufolge ist es auszuschließen, dass ich hier irgendjemanden verarschen werde oder dass ich meinen Schreibstil glattbügeln werde. Auch dieses Mal bekommt ihr 100 % Domenico: Journalismus von einem echten Metalhead für echte Metalheads!

 


AZEL MOUNTAIN

Nach dem Auftritt auf dem Black Hole Fest, den ich bereits gelobt hatte (hier zu lesen), machen die Polen genau dort weiter, wo sie aufgehört hatten.
Ich hatte gehofft, Azel Mountain noch einmal zu sehen. Dass sie in letzter Sekunde eingesprungen sind, war für mich eine mehr als willkommene Überraschung.
Sie laden mich ein zu einer weiteren Reise durch die primitivsten menschlichen Instinkte, mit ihrem einzigartigen Sound und einer Prise Eigenhumor.

Selbstverständlich haben auch dieses Mal die akademischen Begriffe „Kurwa“ und „Ja pierdole“ nicht gefehlt, weder von der Band noch vom Publikum. Es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass dieses Festival ohne polnische Gäste schon lange nicht mehr existieren würde, genauso wenig wie es sich leugnen lässt, dass polnische Bands schon seit eh und je ein wichtiger Bestandteil der ganzen Line-ups waren.
Die zweite Reise durch die Aspekte unseres Gehirns, die manche äußerst nervigen Individuen am liebsten abschaffen würden, war ein gelungener Start der diesjährigen Edition, die viele weitere super Auftritte für uns parat hielt! … Oder?

 


MELLOM

Willkommen zu einer neuen Episode von „Frauen, die lieber in der Küche bleiben sollten, statt auf die Bühne zu gehen und sich wie zurückgebliebene Elefantenkühe mit Kleiderstand im Arsch aufzuführen“. Protagonistin der heutigen Episode ist Mellom.

Ich kann kaum in Worte fassen, wie beschissen dieser Auftritt war: Die Musiker erweckten den Eindruck, als würde jeder einen anderen Song spielen, die Vocals klangen wie die von einem Gorilla, der seinen Penis in einen Staubsauger gesteckt hat, und die „Bühnenpräsenz“ war einfach nur zum Fremdschämen. Als wäre das alles nicht genug, war der Sound auch noch so schlecht, dass ich mich ernsthaft fragen muss, ob ein Mensch am Mischpult stand oder eine Taube, die besagtes Mischpult vollgeschissen hatte. Wäre das irgendein stinkendes Punk-Festival gewesen, wäre das also ein gelungener Auftritt geworden, aber das war das Under the Black Sun, verdammt noch mal! Sowas darf auf einem Festival von diesem Kaliber einfach nicht sein!

Ich denke, ich sollte diesen Paragraph schnell beenden, bevor ich wegen Verleumdung angezeigt werde. Wenn das alles nur nicht der Wahrheit entsprechen würde! Nächstes Mal sollte sich Mellom für die Küchenschlacht bewerben statt für Metal-Festivals. Dort würden sie sich mit Sicherheit weniger blamieren! Kurwa!

 


FRANTIC AGGRESSOR

Nun stehen endlich wieder fähige Musiker auf der Bühne. Die Berliner von Frantic Aggressor fackeln nicht lange und präsentieren einen Auftritt, worüber es nicht viel zu erzählen gibt: Blackened Thrash Metal nach dem Motto „Kopf bewegen & Schnauze halten“.

Bei diesen temporeichen Riffs musste man eben nicht viel Weiteres tun, als die Hohlbirne zu bewegen, Spaß zu haben und sich daran zu erinnern, weswegen man auf so ein Festival fährt. An dieser Stelle empfehle ich das mittlerweile ein Jahr alte Album „Extinction“, das unter Folter Records, also dem Label des Veranstalters, veröffentlicht wurde.

 


KAECK

Das berühmte Sprichwort „Nomen est omen“ trifft in diesem Fall nicht zu. Der facettenreiche Black Metal von Kaeck hätte nämlich eine längere Bühnenzeit verdient: Der reine Old-School-Sound trifft im Laufe des Auftritts auf ein wenig Atmosphäre und auf ein paar Death-Metal-Einflüsse, die dafür sorgen, dass das Endprodukt umso interessanter wird.

Die dreiviertel Stunde fühlte sich wie 5 Minuten an, in denen es keine Sekunde langweilig oder redundant wurde. Besonders beeindruckend war die Performance von Schlagzeuger Frostbite, der zum absoluten Anführer dieser Show wurde, was als Schlagzeuger umso schwieriger ist.

Auch wenn meine Niederländischkenntnisse mittlerweile etwas eingerostet sind, konnte ich den Texten ein wenig folgen, was ich normalerweise nicht tue. Dies zeigt eben, wie einfallsreich und fesselnd dieser Auftritt war. Hätte Kaeck einen Headliner-Slot gekriegt, wäre dieses Erlebnis umso magischer geworden, jedoch bleibt der Auftritt ein absolutes Highlight des Festivals.

 


AURO

Wenn dieser Auftritt in einem Wort zusammengefasst werden sollte, wäre „Wachstum“ das wohl am besten geeignete Wort. Wieso denn „Wachstum“?, wird sich der eine oder andere fragen. Die Antwort auf diese Frage hat folgenden Hintergrund: Wer mich kennt, weiß, dass ich schon seit mehreren Jahren zum Under the Black Sun fahre, und der eine oder andere von euch dürfte wissen, dass Auro bereits vor 3 Jahren auf diesem Festival spielen durfte.

Nun … was hat das mit dem Auftritt zu tun, der hier eigentlich dokumentiert werden sollte?

2023 hatte Auro nämlich nur ein Album auf Lager. Dieses Album enthält zwar guten Black Metal von fähigen Musikern dargeboten, die ihr Handwerk zwar verstehen, aber eben nicht herausstechen konnten. Zu diesem Zeitpunkt waren sie also eine Band wie viele andere, aber seit Veranstalter Jörg sie unter Vertrag hat, muss sich was geändert haben. Denn was Auro dieses Mal im Studio und auf der Bühne präsentiert hat, ist einfach nicht von dieser Welt! Die Atmosphäre dieses Albums ist auf der Freilichtbühne umso atemberaubender als auf der Platte und beschert uns den mit Abstand besten Auftritt des ersten Tages.

Auch wenn das Festival im Juli stattgefunden hat, konnte man die Kälte dieser grandiosen Musik spüren, die bis in den Tiefpunkt der Seele einbrach. Das Gefühl von Gänsehaut wurde an die Spitze getrieben, und wenn ich ehrlich bin, bekomme ich selbst beim Verfassen dieses Berichts wieder Gänsehaut!

Wir haben also besagtes Wachstum erlebt: das Wachstum von einer kleinen Band, die gigantische Musik spielt!

 


TULPA
Nun kommen wir zu der letzten Band des ersten Tages. Tulpa kommt zu einem Zeitpunkt auf die Bühne, zu dem ein paar Zuschauer bereits verschwunden waren, weil sie sich das Gehirn (soweit vorhanden) weggesoffen hatten und/oder den weiblichen Prachtexemplaren (die auch dieses Jahr nicht gefehlt haben) hinterherlaufen wollten.

Nichtsdestotrotz war das auch der richtige Zeitpunkt für diesen Auftritt, der sich sehr wohl als Zusammenfassung des ersten Tages eignete. Der Sound von Tulpa beinhaltet mehrere Elemente, die wir im Laufe des ersten Tages genießen durften.
Die Old-School-Grundlage wurde benutzt, um einen abwechslungsreicheren Sound zu ermöglichen, indem ein paar Death-Metal-Einflüsse ans Licht kamen. Kälte und Atmosphäre haben während der Show auch nicht gefehlt.

Tulpa gelingt es somit, bis nach Mitternacht die Spannung hochzuhalten, und lässt uns ein letztes Mal die Sau rauslassen, bevor wir schlafen gingen, um morgen dort weiterzumachen, wo wir aufgehört hatten.

Mit dieser Zusammenfassung endet also der erste Festivaltag, aber das Under the Black Sun 2026 ist noch lange nicht vorbei. Teil 2 wird in der nahen Zukunft hochgeladen.

Stay tuned & stay Metal
Domenico