INTERVIEW

NIGHT IN GALES :: INTERVIEW über die Geschichte und das Jubiläum der Band, verschiedene Alben und besondere Auftritte

NIGHT IN GALES INTERVIEW 2025/6

Das Interview war eigentlich zur „Shadowreaper“ geplant.
Durch verschiedene Umstände sind wir dann aber nicht so recht zusammengekommen.
Jetzt zum 30-jährigen Jubiläum versuchen wir es dann erneut…
(Hat auch fast geklappt)

AMBOSS: Vielen Dank für die Möglichkeit euch ein paar Fragen stellen zu dürfen. Wie geht es euch? Und außerdem natürlich herzlichen Glückwunsch zum 30-jährigen Jubiläum.
TOBIAS: Dankeschön für die Gratulation. Wir freuen uns, dass es uns in der lange bestehenden Besetzung nach 30 Jahren immer noch gibt. Uns geht es gerade miteinander wirklich gut, ganz ohne Bandtherapie hehe… Es passt halt zwischen uns. Die Leidenschaft für NIGHT IN GALES verbindet uns als Freunde und Bandkollegen. Die 30 Jahre fühlen sich wie im Flug vergangen an.

AMBOSS: Als erstes möchte ich euch zu eurem aktuellen Album „Shadowreaper“  gratulieren (Review hier). Für mich eure beste Scheibe und eines meiner beiden Alben des Jahres.
Wie fühlt ihr die Platte?
TOBIAS: Erstmal freut uns, dass du “Shadowreaper” so abfeierst, cool, dass man das in deinem Review auch deutlich spürt. „Shadowreaper“ ist die logische Weiterentwicklung der letzten drei Alben. Ich würde es als Verdichtung dessen beschreiben, was wir in den letzten Jahren ausgelotet haben. Ich fühle die melodische Tiefe, Dunkelheit und Aggressivität.

AMBOSS: Einstieg auf Platz 91 in den deutschen Charts.
Bei Amazon zwischenzeitlich auf Platz 2 der Liste der gut laufenden Death Metalalben. Album des Monats in der Rock Hard, Platz 7 im Hammer.
Fast ausschließlich Bewertungen nah an der Höchstmarke, egal welches Magazin. Eure Tonträger bei Bandcamp alle relativ zügig verkauft oder die Special Editions ratzfatz ausverkauft.
Das transparente Vinyl war zum Beispiel innerhalb von 2 Stunden weg.
Eine Spezialsendung bei Radio Mähdrescher.
Was bedeutet euch das?
Es ist ja nicht so, dass euch das mit jedem Album passiert, oder?
TOBIAS: Die Musik ist das Wichtigste und natürlich ist das ein wunderbarer Bonus, da hast du recht. Es bedeutet uns neben unserer Musik viel, so viel Anerkennung und Interesse von ganz verschiedenen Seiten zu bekommen. Mittlerweile sind die letzten 3 Alben in den Charts gelandet, “Dawnlight Garden” auf Platz 64 und “The Black Stream” auf Platz 77. Eine Death Metal Band in den Charts zu sehen, freut mich immer wieder. Unsere Chartplatzierungen sind ein Bonus-Schub für uns als Band, aber die inhaltliche Anerkennung ist das, was hängen bleibt. Mit Radio Mähdrescher von Michael Eden haben wir einen treuen Metalhead unserer schönen Metal-Szene kennengelernt. Alle positiven Resonanzen sind eine lupenreine Bestätigung für die Arbeit, die in jedem einzelnen Album steckt. Alles ist mit viel Herzblut und Energie kreiert worden. Und dass die Vinyl-Editionen so schnell ausverkauft waren, zeigt uns, dass der physische Markt in unserer Szene nicht tot ist. Besonders wenn man die Entwicklung der letzten Jahre im Musikbusiness betrachtet. Eine Band wie wir, die nicht mehr lange Touren fährt oder in jedem Jahr auf allen großen Open Air Festivals spielen kann, ist es besonders schön zu sehen, dass wir eine treue Anhängerschaft besitzen, die uns unterstützt. Es ist schön zu sehen, dass das, was mit viel Detailarbeit auf die Beine gestellt wurde, wirklich von Euch wertgeschätzt wird.

AMBOSS: Seit eurem Debüt „Towards The Twilight“, was ich auch seit damals als Vinyl im Schrank habe, steht ihr auf meinem Plan. Mit der Scheibe habt ihr mich damals total umgehauen. Dann habe ich euch etwas aus den Augen verloren, da mir die folgenden Werke nicht so sehr zusagten. Hat aber auch an meiner musikalischen Entwicklung gelegen. Der Nachfolger „Thunderbeast“ ist euer erfolgreichstes Album, was ich letztens gelesen habe. Ist das korrekt? Zumindest ward ihr zu der Zeit mächtig live unterwegs. Relativ viel und mit großen Bands. Was hat bei euch den Anstoß gegeben in eine andere Richtung zu tendieren? Ging das von euch oder evtl. sogar vom Label aus? Meinem Gefühl nach haben euch die Veränderungen zu der Zeit eher wenig gut getan, wenn ich das mal so sagen darf.

TOBIAS: „Thunderbeast“ war ein Album, das schon den Umschwung in eine neue Ära eingeleitet hat. Viele neue Dinge wurden ausprobiert, am Gesang, der Einsatz von Samples und musikalisch flossen verschiedene neue Styles und Einflüsse in unsere Musik. Letztendlich sieht man es auch am Bandlogo. Der Logowechsel zu einem „modernen Look“, den seinerzeit viele andere Bands auch gemacht haben, hielten wir auch für eine gute Idee. Für uns gab es, um „Thunderbeast“ zu promoten, sehr viel Live-Präsenz und Werbung von unserem Label. Wir hatten das Bedürfnis, uns neu auszuprobieren. Wir wollten uns nicht wiederholen und nicht auf ewig am klassischen Melodic Death festklammern. Rückblickend war es eine Suche nach Neuorientierung, eine schwierige und lehrreiche Phase.
Das Label hat uns nie vorgeschrieben, was zu tun oder zu lassen ist. Es gab nie Druck oder Vorschriften vom Label. Wir sind das Risiko eingegangen, etwas Neues zu wagen. Aber ich kann mich daran erinnern, dass mich unser Label gefragt hat, ob das Coverartwork zu “Nailwork” unser Ernst sei. Wir waren jung und haben natürlich auch viele Fehler in der Zeit gemacht und ja, es hat uns zu der Zeit nicht gut getan, da hast du Recht.

AMBOSS: Eure letzten Alben sind alle typisch NIGHT IN GALES aber unterscheiden sich doch ein wenig, zum Beispiel in der Stimmung. „The Last Sunsets“ hat sehr schöne, positive, eher eingängige Melodien, die man später so nicht direkt und in der Menge wiederfindet. Die beiden Alben danach sind eher „dunkel“ geraten und jetzt habt ihr mit „Shadowreaper“ eine Art Hybrid geschaffen. War für euch vorher schon klar, dass das Album so ausfallen wird, wie es schlussendlich geworden ist? Oder hat sich das mit der Zeit so ergeben?
JENS: “Shadowreaper” ist kompakter, sowohl innerhalb der Songs als auch als Gesamtwerk. Es hat kein unnötigen Ballast und Schnörkel, es kommt alles schnell auf den Punkt. Das kommt auch daher das ich selbst immer ungeduldiger werde, vor allem kann ich keine 7 Minuten+ Songs mehr hören. Intros werden nach 15 Sek sofort geskippt, haha, ja da gibt es sicher einen Zusammenhang.

AMBOSS: Jens hat in einem Interview mit dem Metal Hammer gesagt, dass die letzte Scheibe nicht hart genug war. Mir ist zum Beispiel direkt aufgefallen, dass ihr in Albumlänge vorher nicht so eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit habt, wie auf der aktuellen Scheibe. War das reell so geplant oder passte es halt eben einfach zu den Songs? Geschwindigkeit ist ja nicht unbedingt gleich Härte.
JENS: “Shadowreaper” ist insgesamt etwas härter und ganz klar rauher produziert. Die Songs brauchten das auch einfach. Man kann sagen unser kleines „Reign In Blood”, also kurz + hart + schnell = gut. Nordström hat die Leads alle im Hintergrund gelassen, das macht es heavier. Es gibt weniger Parts zum Ausruhen, das war durchaus alles auch der Plan. Wir wollten nach drei recht ähnlich klingenden Alben mal wieder an ein paar Stellschrauben drehen.

AMBOSS: Eine Frage direkt an Christian:
Das Flüstern hast du vorher ja auch schon mal eingesetzt, aber nicht in dieser Dichte wie auf der aktuellen Scheibe. Passiert so etwas intuitiv bei dir? Gab es vorher viele positive Rückmeldungen diesbezüglich? Habt ihr das untereinander besprochen und festgelegt?
CHRISTIAN: Das passiert spontan während der Aufnahme. Wir haben hier keinen Masterplan, den wir über Monate entwickeln, sondern wir gehen kreativ und offen in die Aufnahme-Sessions. Und wenn uns eine Spielerei gefällt, dann bleibt es auf der Platte. Wir denken nie: “Was werden andere sagen?”.

AMBOSS: Was hat euch dazu gebracht, Produzent und Coverkünstler beide gleichzeitig zu wechseln? Ist ja auch nicht ganz ohne Risiko, wenn die Scheiben gut gelaufen sind. Waren die beiden anderen nicht verfügbar?
JENS: Doch die waren bestimmt verfügbar, aber da wir die letzten 3 Alben mit dem exakt gleichen Team in sehr kurzer Zeitspanne rausgehauen haben, dachten wir, ein paar Veränderungen sind nicht verkehrt, um es sowohl für uns als auch die Hörer spannend zu halten.
TOBIAS: Wenn man mehrere Alben mit denselben Partnern gemacht hat, weiß man irgendwann, was zu erwarten ist. Für die kommenden Veröffentlichungen wollten wir bewusst etwas anderes hören und sehen. Und ja, es war ein Risiko. Aber es hat sich gelohnt.

AMBOSS: Genug zur „Shadowreaper“ gequatscht.
Erzählt mir doch mal ein wenig über euren Trip nach Griechenland. Z.B. zum extra Shirt für die Gigs. Wie wurdet ihr empfangen, jetzt wo ihr das erste Mal da ward? War das eine Herzensangelegenheit? Ich, mit keiner Ahnung, könnte mir vorstellen, dass 2 Auftritte in Griechenland bei der Größe eurer Band nicht unbedingt automatisch ein Plusgeschäft ist.
TOBIAS: Die Gigs in Thessaloniki und Athen waren für uns ein echtes Highlight. Wir wussten vorher nicht, was uns erwartet, aber die Fans waren außergewöhnlich enthusiastisch. Wir wurden mit griechischer Gastfreundschaft empfangen.
In Thessaloniki kam Gitarrist und Mastermind Marios Iliopoulos von Nightrage auf die Bühne, um mit uns zusammen die Maiden Coverversion Iron Maiden an der Gitarre zu spielen und in Athen hat Orestis Oikonomopoulos Sänger von Yoth Iria, beim selbigen Coverstück Christian unterstützt. Beide Shows waren wirklich tierisch geil. Die Resonanzen insgesamt haben bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war, den Trip zu machen.

AMBOSS: Kommen wir doch mal zu eurem Jubiläum. Alles Gute nochmal dazu.
Ich hoffe da werden noch einige Jahre und vor allem Alben dazukommen. Euren Jubiläumsgig musstet ihr ja leider verschieben. Was war der Grund dafür und wann und wo wird die Party nachgeholt? (Mittlerweile hat der Gig am 21.02.2026 in Dusiburg in „Die Mühle“ stattgefunden.) Habt ihr den Veranstaltungsort bewusst gewählt, weil er für die Band eine Bedeutung hat oder habt ihr das genommen, was ihr grad bekommen konntet. Seit Corona mussten ja leider viele Läden dicht machen und es wäre ja auch möglich, dass es die Schuppen, die bezüglich
NIGHT IN GALES bedeutungsschwanger aufgeladen sind gar nicht mehr existieren.
TOBIAS: Das hatte gesundheitliche Gründe. Adriano hatte gesundheitliche Probleme. Die beste Nachricht ist, dass er wieder komplett hergestellt ist und nach seiner Rehabilitation wieder wie vorher. Der Gig wurde am 21. Februar mit unseren Kumpels von Tyranthrope und Enemy Within nachgeholt und es war megageil ! Die Hütte war restlos ausverkauft, die Stimmung genial, wir haben die “Sylphlike” an einem Stück gespielt und alles, was wir uns vorgenommen haben, ist in Erfüllung gegangen. Die Mühle als Veranstaltungsort ist einfach klasse und wir haben dort 2018 zur Release Party von „The Last Sunsets“ schon gute Erfahrungen gemacht. Der Veranstalter Levent ist ein alter Hase, der uns auch schon mehrfach für sein Open Air Festival „Rage Against Racism“ gebucht hat, so auch 2026 wieder.

AMBOSS: Wie erinnert ihr euch an eure erste Aufnahme, die „Sylphlike“-EP? Wie alt ward ihr? Wo habt ihr aufgenommen? Wie lief das ab? Und wie waren die Resonanzen damals und worauf fußten sie?
TOBIAS: Wir waren jung, zwischen 17 und 20, hatten keinerlei Studio Erfahrung, und haben “Sylphlike” unter extrem einfachen Bedingungen, damals natürlich noch auf Bandmaschine im Soundstation Studio in Ratingen aufgenommen. Der Tipp kam von der damaligen befreundeten Underground Band “Deadloss” (RIP), die zu der damaligen Zeit bereits ihre EP “The 4th Dimension” auf CD veröffentlicht hatte. Und der Sound dieser EP war für die damaligen Verhältnisse echt amtlich. Unsere Aufnahmen waren mehr ein Ausdruck reiner Energie als kontrollierter Produktion, hehe… roh, aber wirksam. Die Resonanz war überraschend gut und hat uns damals wirklich Türen geöffnet. „Sylphlike“ war unsere Eintrittskarte in die Szene. Die Leute mochten den Charme der jungen wilden Bande, die sich jede Gelegenheit der Promotion annahm. Wir haben uns relativ schnell einen guten Ruf in der Szene gemacht. Jens und ich bemusterten jeden kleinen kopierten Zettel, wo Fanzine, Magazine, oder überhaupt irgendetwas mit ‘zine drauf standt. Wir haben versucht, so oft es ging live zu spielen und so ging unser Name relativ schnell durch den Underground.

AMBOSS: Wie viele Einheiten konntet ihr damals absetzen und vor allem wie seid ihr die alle losgeworden? Ausschließlich auf Konzerten und im privaten Umfeld? Hat das Teil direkt Kontakte zu Labeln ermöglicht? Die Single im Jahr darauf kam dann ja schon unter einem Label heraus.
TOBIAS: Es waren insgesamt genau 7000 Einheiten, das Meiste davon im Eigenvertrieb über den weltweiten postalischen Underground, also mittels
wholesale-Kursen und Trades mit Underground-Vertrieben und Labels. Repulse Records, Invasion Records und natürlich Nuclear Blast nahmen als es gut lief Mengen zwischen 50 – 150 ab. Nuclear Blast stellte eine ganze Auflage später auch noch über Eastwest in die Läden. Es gab aber auch massig Einzelbestellungen aus aller Welt, damals noch ganz entspannt mit Bargeld im Briefumschlag. Zusätzlich buchten wir Stände auf Festivals wie Graspop, Dynamo und Waldrock sowie auf Metalbörsen in Essen und Köln, machten Trades mit Zines und Bands, stellten CDs auf Kommission in Musikläden im Umkreis, usw., alles was geht halt. Das Internet spielte damals noch überhaupt keine Rolle. Der hohe Absatz von “Sylphlike” hat dann auch schnell zu den ersten Labelangeboten geführt. Markus Rösner von MMD Records hatte uns schnell das Angebot gemacht, eine 7″ bei ihm zu veröffentlichen. Da haben wir nicht lange überlegen müssen, weil MDD Records einen guten Ruf in der Underground-Szene genoss und wir Markus auch persönlich kennengelernt haben. Mit Erscheinen dieser auf 1000 Stück limitierten Vinyl EP namens “Razor” kamen dann die ersten Deal-Angebote, allen voran Merciless Records, Invasion Records, und schließlich Nuclear Blast.

AMBOSS: Wie kamt ihr darauf, die 6 Tracks zum Jubiläum nochmal neu aufzunehmen? Eure eigene Idee? Ein Remaster kam nicht in Frage? Die sind doch wesentlich häufiger anzutreffen als eine Neuaufnahme. Ich persönlich habe so meine Probleme mit Neuaufnahmen, da das Original ein Produkt seiner Zeit ist und meist gewisse Erinnerungen hervorruft, die es dann bei der neuen Aufnahme nicht gibt. Aus künstlerischer Sicht kann ich es jedoch nachvollziehen, wenn man immer schon mit Sound oder Aufnahme an sich unzufrieden war, weil man damals nicht genug Geld hatte, um sich mehr Studiozeit oder überhaupt ein entsprechendes Studio zu leisten. Wo seht ihr die „Mängel“ an der alten Aufnahme?
TOBIAS: Um unseren Fans (alten wie neuen), zum 30-jährigen Jubiläum der Band und „Sylphilke“, etwas besonderes zu bieten. Die Idee stand schnell fest, nachdem auch unser Label sie sofort begeistert unterstützt hat. Für uns war das die perfekte Gelegenheit, „Sylphlike“ endlich in einem wirklich amtlichen Sound neu umzusetzen und das mit der Erfahrung aus 30 Jahren Bandgeschichte. Besonders freuen wir uns auch darüber, dass die neue Version erstmals als 12-Inch erscheint und das gleich in drei verschiedenen Farben.
JENS: Wir haben die EP nicht neu aufgenommen, um Mängel zu beseitigen. Es war nunmal unser Demo, zu 70% live im Studio eingespielt und damit ganz einfach ein Zeitzeugnis. Das war schon völlig in Ordnung und hat seinen Zweck bekanntlich super erfüllt. Wir fanden es halt spannend zu schauen wie es 30 Jahre später unter den heutigen veränderten Gegebenheiten klingen würde, und da Apostasy Records auch grünes Licht für die Veröffentlichung gab haben wir es zur Feier des
30-Jährigen Bestehens einfach gemacht, so eine Chance muss man ergreifen. Es ist halt auch wieder ein Zeitzeugnis, nur 30 Jahre später.
CHRISTIAN: Für mich war es eine Möglichkeit, die frühen Songs mit heutiger Erfahrung und stimmlicher Kontrolle zu interpretieren.

AMBOSS: Wie kam es 2018 zum Neustart mit Christian? Und habt ihr noch Kontakt zu den ehemaligen Bandmitgliedern?
TOBIAS: Christian war für mich immer die erste Wahl als Sänger. Wir haben ja schon gemeinsam bei In Blackest Velvet Musik gemacht, deshalb war es im Grunde ein fließender Übergang, ihn auch wieder bei NIGHT IN GALES dabeizuhaben. Letztlich hing es nur von seinem „Go“ ab und es war einfach der perfekte Zeitpunkt, um die Band neu zu fokussieren und die Weichen neu zu stellen. Und ja, wir haben mit ehemaligen Mitgliedern immer noch sporadisch Kontakt. Christian Bass treffe ich tatsächlich meistens nur auf Konzerten von Heaven Shall Burn, hehe. Aber wenn man sich dann sieht, fühlt es sich sofort wieder an wie früher, ganz vertraut, als hätte man sich erst gestern zuletzt regelmäßig getroffen.

AMBOSS: War die Farbgebung auf „The Last Sunsets“ ein Zufallsergebnis oder war die ganz bewusst gewählt, da sie mit „Sylphlike“ sehr ähnlich ist und auch nicht so weit entfernt von „Towards The Twilight“ ist?
TOBIAS: Ja, absolut. Es war eine bewusste Brücke zu „Sylphlike“ und „Towards the Twilight“. Wir wollten den Wiedererkennungswert unserer frühen Ästhetik modern interpretieren.


AMBOSS: Habt ihr das Cover des Rerecordings von „Sylphlike“ geplant minimal geändert, damit man es vom alten unterscheiden kann oder kam das durch Zufall?TOBIAS: Ja, die Verbindung zum Original sollte auf jeden Fall klar erkennbar sein, gleichzeitig war es uns aber wichtig, dass man sofort merkt, dass es sich um eine aktualisierte Version handelt. Genau diesen schmalen Grat wollten wir gehen, die Essenz bewahren und dennoch etwas Neues entstehen lassen. Mit Paolo Giardo haben wir dafür genau den richtigen Künstler gefunden. Er hat diesen Drahtseilakt, wie ich finde, hervorragend gemeistert. Ähnlich wie wir es musikalisch versucht haben, mit dem nötigen Respekt vor dem Original zu arbeiten und es behutsam weiterzuentwickeln, hat er es geschafft, die ursprüngliche Atmosphäre aufzugreifen und ihr gleichzeitig eine neue visuelle Dimension zu geben. Durch die schemenhaften Schädel und die detailreiche Gestaltung hat er dem Ganzen noch mehr Tiefe und eine zusätzliche Düsternis verliehen, ohne den Charakter des Originals zu verfälschen. Das ist Paolo wirklich perfekt gelungen.
JENS: Der sicherlich wichtigste Unterschied zwischen der Version von 1995 zu 2025 ist, dass es 1995 ein Foto war, und 2025 ein Öl-Gemälde ist.

AMBOSS: Ich habe das Rerecording schon zweimal gehört und finde es wirklich gut geraten. Ein Review habe ich noch nicht verfasst, aber das wird auf jeden Fall noch kommen und ist auch sicherlich vor dem Interview online sein.  (Hier ist das Review) Ich muss die beiden Aufnahmen nochmal genau gegeneinander vergleichen. Gab es Änderungen?
TOBIAS: Nein. Wir wollten die ursprüngliche Struktur in Gänze respektieren, aber mit heutiger Präzision und Klangqualität umsetzen. Dabei war es uns wichtig, die Songs in ihrer ursprünglichen Form zu belassen. Es ging nicht darum, etwas grundlegend zu verändern, sondern vielmehr darum, Details noch stärker herauszuarbeiten. Ohne dabei, was wir vielleicht leicht hätten machen können, hier und da neue zweistimmige Gitarrenparts, zusätzliche Gesangsspuren oder andere Feinheiten. Die Songs wurden genauso aufgenommen, wie wir sie damals vor 30 Jahren eingespielt haben. Wenn du willst, ist es gleichzeitig eine Hommage an unsere Anfänge im neuen Soundgewand. Meiner Meinung nach mit noch mehr Tiefe und dabei aber stets mit dem nötigen Respekt vor dem Original. Die neue „Sylphlike“ ist eine Ergänzung, die man sich gerne in den Plattenschrank stellt.

AMBOSS: Zum Schluss nochmal gedanklich zum Party.San. (Hier unser Festivalbericht) Euer zweiter Auftritt auf dem Festival. Wie viele Jahre liegen zwischen den beiden Auftritten?
TOBIAS: Rund 20 Jahre liegen zwischen den beiden Auftritten.

AMBOSS: Wie habt ihr den Auftritt wahrgenommen? Das war einzige Gig, den ich im Zelt komplett gesehen habe, wegen der teils unerträglichen Temperaturen vorne im Zelt. War es auf der Bühne auch so heiß? Das stelle ich mir ja als riesige Strapaze vor. Allerdings habe ich gehört, dass die Veranstalter im Laufe des Festivals Kühlung auf die Bühne gebracht haben und sich einige Bands wohl beschwert haben, dass es ihnen zu kalt gewesen sei.
TOBIAS: Es war heiß, das stimmt. Aber die Veranstalter haben alles dafür getan, dass es den Musikern gut ging. Die Energie im Zelt war großartig. Die Reaktionen der Leute waren überwältigend. Es hat sich einfach nur gut angefühlt für uns.

AMBOSS: Der Gig war tatsächlich der erste von euch, bei dem ich war und ich hatte die Befürchtung, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden könnten, nach dem ich euch schon so lange verfolge. Aber zum Glück habt ihr mich völlig umgehauen, auch weil ihr „Autumn Water“ gespielt habt. Das ist nämlich der Song, mit dem ich euch damals kennen gelernt habe. Spielt ihr regelmäßig die alten Sachen?
TOBIAS: “Autumn Water“ funktioniert nach wie vor sehr gut, und wir spielen ihn gerne. Und ja, wir binden solche Songs immer wieder ein. Sie gehören zur DNA der Band und viele Fans verbinden damit genau wie auch du ihre ersten Berührungspunkte mit uns.

AMBOSS: Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch, wenn ihr mögt…
TOBIAS: Vielen Dank erst einmal für das ausführliche Interview und deinen und euren langjährigen Support vom Amboss Magazin– das wissen wir wirklich sehr zu schätzen. Es bedeutet uns enorm viel, dass es Menschen gibt, die unsere Entwicklung über so viele Jahre begleiten – von den frühen Tagen bis heute. Das ist alles andere als selbstverständlich. Gerade in einer Szene, in der so viel im Wandel ist, ist diese Kontinuität etwas ganz Besonderes.
Und überhaupt: Die Szene ist nach wie vor geil – sie lebt, sie atmet, sie entwickelt sich weiter. Man merkt auf Konzerten und Festivals immer noch diese besondere Energie und diesen Zusammenhalt, der Metal seit jeher auszeichnet. Natürlich wäre es schön, wenn der Nachwuchs stellenweise noch etwas schneller nachkommen würde, damit auch die nächste Generation diese Kultur weiterträgt. Aber das Fundament ist da, und das ist das Wichtigste.
Wir freuen uns auf die nächsten Kapitel, live auf der Bühne genauso wie im Studio. Solange die Leidenschaft da ist, wird es auch weitergehen. Vielen Dank an alle, die uns auf diesem Weg begleiten und unterstützen!
(hendrik)