LIVEBERICHT

30 Jahre Brutalität: CRYPTOPSY feiern „None So Vile“

Livebericht
CRYPTOPSY +CORPSE PILE + INFERI + 200 STAB WOUNDS
am 01.02.2026 im Berliner Hole44
(Bericht: Yves / Fotos: Marc Strobel)

Ein kompromissloses Death-Metal-Package, ein Club voller Energie und ein Album, das auch nach 30 Jahren nichts von seiner Gewalt verloren hat: CRYPTOPSY machten im Hole44 Halt und zeigten gemeinsam mit CORPSE PILE, INFERI und 200 STAB WOUNDS, wie lebendig und relevant Brutal Death Metal auch heute noch ist – trotz kleiner Schwächen im Sound ein Abend, der lange nachhallt.

Das Berliner Hole44 zeigte sich an diesem Abend einmal mehr als absolut szenetaugliche Location: offen, organisiert, freundlich, angenehm unaufgeregt – ein Ort, an dem sich Underground und Szene-Größen sowie Metal Heads verschiedener Dekaden auf Augenhöhe begegnen. Genau das richtige Umfeld also für ein kompromissloses Death-Metal-Package rund um CRYPTOPSYs 30-jähriges Jubiläum von „None So Vile“.

Ein kleiner organisatorischer Dämpfer zeigte sich jedoch gleich zu Beginn: Kommuniziert waren Einlass um 18 Uhr und Start um 19 Uhr – CORPSE PILE begannen allerdings bereits um 18:40 Uhr. Marc, der die Fotos für dieses Review schoss, und ich waren glücklicherweise rechtzeitig vor Ort und verpassten nichts. Dennoch war der Club zu diesem frühen Zeitpunkt noch deutlich zu leer, was der Energie der ersten Band nicht ganz gerecht wurde.

Soundtechnisch war der Abend insgesamt solide, aber nicht ohne Schwächen: Drums und Vocals waren durchgehend gut gemischt und präsent, während die Saiteninstrumente häufig zu leise blieben und stellenweise im Gesamtmix untergingen – ein Punkt, der gerade bei technisch anspruchsvollen Bands ins Gewicht fällt.

 

CORPSE PILE

Trotz spärlich gefülltem Saal legten CORPSE PILE einen bemerkenswert engagierten Start hin. Die Texaner wirkten hochmotiviert, energiegeladen und vollkommen kompromisslos. Ihr Old School Brutal Death Metal mit deutlichem Slam-Einschlag kam dreckig, roh und direkt – genau so, wie es sein muss. Besonders positiv fiel mir auf, wie gut strukturiert und stimmig das Set aufgebaut war. Neben etabliertem Material spielten CORPSE PILE auch Songs ihrer neuen EP „In The Beginning .“, was mich persönlich sehr freute, da diese Veröffentlichung für mich zu den stärksten Death-Metal-Releases 2025 zählt.

Die offen geäußerte Anti-Donald-Trump-Haltung der Band sorgte zudem für hörbare Zustimmung im Publikum und verlieh dem Auftritt eine zusätzliche, klare Kante.

 

INFERI

Mit INFERI füllte sich das Hole44 spürbar. Die Technical-Death-Metaller aus Nashville lieferten eine handwerklich beeindruckende Performance, die live – zumindest für mich – deutlich zugänglicher wirkte als auf Platte. Komplexe Strukturen, sauberes Zusammenspiel und ein hohes spielerisches Niveau prägten den Auftritt.

Leider machten sich hier die bereits angesprochenen Soundprobleme besonders bemerkbar: Die Gitarren waren zu leise, wodurch ein Teil der technischen Finesse verloren ging. Umso bemerkenswerter war es, dass die Soli – teils im Wechselspiel beider Gitarristen – dennoch herausstachen und zu den stärksten Momenten des Sets zählten.

 

200 STAB WOUNDS

200 STAB WOUNDS bewiesen einmal mehr, warum sie aktuell zu den überzeugendsten Death-Metal-Acts der letzten Jahre zählen. Brutal, roh und mit einem perfekten Wechsel aus rasenden Passagen und stampfenden Grooves trafen sie das Publikum mitten ins Nervenzentrum.

Der Auftritt war von Beginn an energetisch geladen, die Moshpits ließen nicht lange auf sich warten, und die Stimmung vor wie auf der Bühne war durchgehend intensiv. Ich habe die Band nun bereits zum dritten Mal live gesehen – und sie haben jedes Mal geliefert. Auch an diesem Abend war das Set hervorragend gemischt und in sich absolut stimmig.

 

CRYPTOPSY 
Als CRYPTOPSY schließlich die Bühne betraten, war klar, dass hier keine Nostalgieshow folgen würde. Die Kanadier präsentierten sich technisch überragend, extrem präzise und gleichzeitig bemerkenswert nahbar. Trotz des legendären Status wirkte die Band erstaunlich locker, sympathisch und publikumsnah.

Besonders Sänger Matt McGachy suchte immer wieder den direkten Kontakt: Händeschütteln während der Performance, das Mikrofon in die Menge halten – und sogar das Smartphone eines Fans übernehmen, um selbst Szenen auf und vor der Bühne zu filmen. Solche Momente wirkten nicht kalkuliert, sondern ehrlich und verbindend.

Musikalisch ließ die Band keinerlei Zweifel aufkommen: rasend schnelle Riffs, ein tightes Zusammenspiel und eine beeindruckende technische Souveränität. Die Songs von None So Vile wurden vom Publikum frenetisch gefeiert und passten perfekt zum Tourmotto. Besonders Vocals und Bass stachen für mich heraus und verliehen dem Sound zusätzliche Wucht.

Auch wenn hier ebenfalls die Saitenfraktion stellenweise etwas zu leise war, allerdings deutlich weniger problematisch als bei den vorherigen Acts. Die zahlreichen Mosh- und Circle Pits sprachen ohnehin eine deutliche Sprache.

 

Fazit
Ja, der zu frühe Start von CORPSE PILE und der teilweise unausgewogene Sound der Saiteninstrumente bleiben ehrliche Kritikpunkte. Gleichzeitig überwog am Ende jedoch ganz klar das Positive: ein starkes Tour-Package, eine nach CORPSE PILE sehr gut gefüllte Halle und Bands, die sichtbar Spaß an dem hatten, was sie tun.
Unterm Strich ein intensiver, schweißtreibender und erinnerungswürdiger Abend, der eindrucksvoll zeigte, dass None So Vile auch nach 30 Jahren nichts von seiner Durchschlagskraft verloren hat – und dass CRYPTOPSY diesen Status nicht nur verwalten, sondern weiterhin mit Leben füllen. (yves)