BRODEQUIN :: Interview mit Jamie Bailey über 10 Jahre BRODEQUIN und eine eventuelle Reunion

Online seit 6.10.2015

BRODEQUIN haben mich damals mit ihrem Debüt “Instruments Of Torture” regelrecht überfordert. Diese stumpfe Brutalität war mir neu und hat mich überfahren. Nach einigen Anläufen, die durch Faszination getrieben wurden, hat die für mich brutalste Band der Welt mich gepackt. Seitdem läuft ihre Diskografie bei mir rauf und runter und rauf und runter!
Ihr drittes Album „Methods Of Execution“ hat bei meinem last.fm-Account schon über 1200 Scrobbles! Die Band im Ganzen über 2600! Die Band hat sich 2008 aufgelöst, doch jetzt verdichten sich die Zeichen, dass eine Reunion bevorstehen könnte! Grund genug für mich, Fragen an Bandkopf Jamie Bailey zu schicken!

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Amboss: Hi Jamie! Wie geht es dir?
Jamie Bailey: Mir geht es gut, vielen Dank! Ich hoffe euch in Deutschland geht es auch gut. Danke für die Möglichkeit des Interviews!

Amboss: Nachdem ich anfangs aufgrund der massiven Brutalität von BRODEQUIN etwas Probleme hatte reinzufinden, stehe ich jetzt tierisch auf eure Musik und ihr gehört zu meinen liebsten Bands des Death Metal. Was hat euch dazu gebracht dermaßen brutale Musik zu kreieren?
Jamie Bailey: Danke, dass höre ich gerne! Es war einfach ein Verlangen die herausforderndste und intensivste Musik zu schreiben, die uns zu der Zeit möglich war. Es ist eine ständige Entwicklung. Alles mit dem wir uns beschäftigen, harte Musik oder andere Sachen, beeinflusst was wir tun auf die eine oder andere Weise!

Amboss: Was sind denn eure generellen Einflüsse und was beeinflusst euren Sound und Stil?
Jamie Bailey: Aus der bildlichen und lyrischen Sicht habe ich mich immer für Geschichte interessiert, besonders für das Mittelalter! Generell wird damit ja die Zeit zwischen dem 5. Und 15. Jahrhundert beschrieben. Ich persönlich interessiere mich aber für die Zeit bis in das 17. Jahrhundert, auch wenn das schon als die frühe Moderne in Europa gilt.
Musikalisch hatten wir alle verschiedene Einflüsse, auch wenn sich viel überschnitten hat. Als wir angefangen haben, habe ich Disgorge, Broken Hope, Gorgasm, Deeds Of Flesh, Deranged, Napalm Death und ähnliches gehört. Auf bestimmte Weise haben alle diese Bands einen Einfluss auf das gehabt, was ich zu der Zeit geschrieben habe.

Amboss: Erkläre unseren Lesern doch bitte euren Bandnamen. Ich fand es sehr interessant, als ich mich darüber schlau gemacht habe!
Jamie Bailey: Das Brodequin ist ein französisches Folterwerkzeug, welches dazu entwickelt wurde um seinem Opfer langsam die Beine zu zerstören. Es gibt ein Bild davon unter der CD unseres Debüts „Instruments Of Torture“. Das Bild ist auch unser Profilbild bei Facebook!
Die Beine des Opfers werden von außen mit Brettern gehalten und zwischen die Beine kommen auch wieder Bretter. Das Ganze wurde dann sehr stramm mit Seilen fixiert. Zum Foltern wurden dann Keile in die Lücken der Bretter zwischen den Beinen getrieben umso die Knochen zu brechen.
Vater Urbain Grandier ist wohl das bekannteste Opfer des Brodequin, der im 17. Jahrhundert in Loudun in Frankreich gefoltert wurde. Es ist eine sehr brutale Foltermethode und Vater Grandier hat die ganze Prozedur ohne ein Geständnis durchstanden. Nur um dann lebendig verbrannt zu werden.

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Amboss: Wer hatte die Idee für diesen Bandnamen und wie wird es richtig ausgesprochen? Wird es französisch betont?
Jamie Bailey: Ich hatte den Namen auf einer kurzen Liste von möglichen Bandnamen stehen. Ich habe den anderen die Liste gezeigt und alle waren für BRODEQUIN. Es ist ein französisches Wort. Mein Französisch ist nicht wirklich gut aber ich habe einige Leute hinzugezogen die französisch als Muttersprache haben und gefragt wie es richtig ausgesprochen wird. Man kann es auf 2 Arten aussprechen. Die erste Version ist „Brod-kyah“ und die zweite lautet „Brod-eh-kyan“. Auf englisch wird es „Brod-eh-kin“ ausgesprochen. Heutzutage wird das Wort für einen Stiefel oder Schuh benutzt, was sehr interessant ist, da „Der Stiefel“ auch ein Folterinstrument war, was dafür gemacht wurde um Füße oder Beine zu malträtieren.

Amboss: Was sind die Themen eurer Texte und woher kommen die Ideen dazu?
Jamie Bailey: Die größte Inspiration kommt aus historischen Texten zu „Verhörmethoden“ genauer gesagt natürlich Folter- und Exekutionsverfahren, die im Mittelalter benutzt wurden. Ich finde auch einige moderne Quellen interessant, aber lange nicht so wie die mittelalterlichen. Ich bin dabei aber nicht auf europäische Texte beschränkt. Es gibt auch viel aus Nord- und Südamerika. Auch aus Japan und Indonesien zum Beispiel. Aber in europäischen Texten gibt es die größten Quellen zu „Verhören und Geständnissen“. Eine wahre Flut verglichen zu anderen Teilen der Welt!

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Amboss: Nach eurem ersten Album sind die meisten eurer Veröffentlichungen auf eurem eigenen Label „Unmatched Brutality Records“ erschienen. Warum ein eigenes Label?
Jamie Bailey: Mein Bruder Mike hat das Label gegründet. Der Hauptgrund war, dass man alles selbst in der Hand hat. Nicht nur für die eigenen Alben sondern auch für die Scheiben der Bands, die er gerne unter Vertrag hatte. Mike hat sich die Bands gründlich ausgesucht und war da quasi sehr fixiert auf Bands die er selber mochte und die, die er gerne live sehen wollte. Außerdem war das ein toller Weg tief in die Death Metal Szene einzutauchen. Wir haben mit vielen großartigen Leuten zusammengearbeitet und durften sie treffen.

Amboss: Warum wurde das Label wieder geschlossen?
Jamie Bailey: Jemand, der dem Label und auch unserer Familie nahestand hatte die Kontrolle über den Kudenservice und den Versand und die Rücknahme. Anfangs lief alles super und die Person wäre auch nicht eingestellt worden, wenn Mike ihr nicht voll vertraut hätte. Irgendwann hat diese Person aufgehört Rücksendungen und Reklamationen zu bearbeiten und auf Emails zu antworten. Dadurch sind einige sehr schwierige Situationen entstanden. Als der Schaden bemerkt wurde, war er bereits so groß, dass nichts außer der Schließung des Labels zur Diskussion stand.
Im Moment ist Mike dabei einen Onlinestore aufzubauen, den nur er allein in der Hand hat.

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Amboss: Zurück zur Musik! Was war der Grund den großartigen Sound von „Instruments Of Torture“ zu dem zu ändern, den ich von „Festival Of Death“ kenne?
Jamie Bailey: Es ist irgendwie witzig und zeigt wie wir anfangs gearbeitet haben/arbeiten mussten. „Instruments Of Torture“ wurde in einem Wohnzimmer aufgenommen.
Einige lieben den Sound und ich finde ihn ziemlich düster und dreckig. Andere hassen ihn, lol (hat er wirklich so geschrieben). Bei „Festival Of Death“ waren es schon eher Studiobedingungen, wobei wir alle getrennt aufgenommen haben. Das Equipment war fast dasselbe und beide Alben wurden von Mike Sky aufgenommen.

Amboss: Wie würdest du die 3 Alben von BRODEQUIN in einem kurzen Review beschreiben?
Jamie Bailey: „Instruments Of Torture“ ist dreckig und unsere frühe Phase und ich höre noch alle Fragen die ich damals hatte. Ich finde diese Platte hat unseren Stil etabliert und es sind ein paar wirklich großartige Tracks auf der Scheibe! Bei „Festival Of Death“ wurde es schneller und komplexer und ich fühlte mich am Mikro schon viel wohler. Die Aufnahme ist klarer und ich glaube wir haben ein paar wirklich gute Songs darauf! „Methods Of Execution“ ist bei weitem unsere komplizierteste Scheibe wenn man das Songwriting betrachtet. Wir haben das geschafft, was wir wirklich schaffen wollten. Die meisten Songs entstanden ziemlich schnell, teilweise 2 oder 3 in einer Probe. Das ist unsere beste Aufnahme.
Ich mag alle unsere Alben. Sie haben alle einen anderen Sound, was nicht nur unsere jeweiligen Einschränkungen zu der Zeit repräsentiert sondern auch den Prozess den wir jeweils durchlaufen sind!

Amboss: Was genau hören wir im Titeltrack von „Methods Of Execution“?
Jamie Bailey: Du hörst verschiedene Aufnahmen von Folterdokumentationen aus allen möglichen Dekaden. Das Ganze wurd mit Soundeffekten gemischt, die Jon gemacht hat. Dazu komme noch ich, der ein paar Texte über mittelalterliche Gerichtsverhandlungen und Exekutionen liest. Alles wurde übereinander gelegt um ein interessantes Hörerlebnis zu kreieren!

Amboss: Wer hat das Design der Scheiben entworfen? Kannst du uns sagen, was genau wir das zu sehen bekommen?
Jamie Bailey: Ich habe das Layout der 3 scheiben selbst gemacht und auch alles andere für „Methods Of Execution“.
Auf dem Cover der „Instruments Of Torture“ sieht man eine Illustration der Foltermethode die man das Rad nennt. Unter der Cd ist, wie bereits gesagt ein Bild wie Brodequin benutzt wird.
Auf dem Cover von „Festival Of Death“ sieht man wie jemand verhört wird, während seine Füße im Feuer sind. Auf der Coverrückseite ist der bronzene Bulle zu sehen. Der hat eine Klappe durch die man das Opfer ins Innere befördert und dann Feuer unter dem Bullen entzündet. Auf der Rückseite sieht man Templer auf dem Scheiterhaufen. Unter der CD sieht man ein faszinierendes Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren von 1562. „The Triumph Of Death“. Falls du mal in Madrid bist kannst du das Original im Museo Nacional del Prado besichtigen und das solltest du auch!
Bei „Methods Of Execution“ siehst du ein abstraktes Bild von Martha Place, die als erste auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde und das Rad und eine Säge. Ich wollte gerne ein „old meets new feeling“ erzeugen. Das Bild von Martha Place ist aus einem meiner Bücher und das Rad und die Säge gehören mir. Das gesamte Layout besteht aus alten Holzschnitten aus mehreren Quellen und einigen Fotos, die ich gemacht habe um das Ganze zu vervollständigen.

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Amboss: Was war der Grund für dich ein Album mit LITURGY zu machen, die für mich immer ein bisschen wie BRODEQUIN mit einem anderen Sänger klangen? Und warum kam nach diesen geilen Album nicht noch mehr?
Jamie Bailey: Matti Way und ich sind schon lange Jahre befreundet und wollten gerne zusammen etwas Musik machen und sehen, was dabei herauskommt. Zu der Zeit wohnten wir leider sehr weit auseinander, weswegen es zu keinem zweiten Album kam. Es war einfach zu aufwendig das Ganze zu bewerkstelligen.

Amboss: Was ist für dich der Unterschied zwischen BRODEQUIN und LITURGY?
Jamie Bailey: Die Thematik macht den Unterschied aus. Bei BRODEQUIN hat alles einen mittelalterlichen Hintergrund im Gegensatz zu LITURGY. Hier dreht sich alles um Religion, alte und moderne. Die Musik hat viele Überschneidungen und ich mag das Album sehr.

Amboss: Ich habe gehört, dass LITURGY sich diesen Sommer als LITURGY A.D. ohne die Bailey Brüder mit einem neuen Sound und Konzept wiedervereinigt hat. Wirst du auch wieder mitmachen?
Jamie Bailey: Ja, das ist richtig. Mike und ich sind aber nicht dabei. Jon und Matti wissen aber, dass ich sofort zur Stelle bin, falls ich gebraucht werde. Egal ob Livegigs oder was auch immer.

Amboss: Mich würde interessieren, welches euer größtes Konzert in 10 Jahren BRODEQUIN war. Und erzähle mir doch mal bitte die verrückteste Story auf Tour!
Jamie Bailey: Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich liebe es Festivals zu spielen, da man viele Leute von überall trifft und Bands zu sehen bekommt, an die man sonst schwer rankommt. Und da sind so viele verrückte Geschichten.
Wenn ich eine einzige Show raussuchen müsste, würde ich den Gig auf dem Obscene Extreme in Tschechien nennen. Das war einfach geil. Es waren viele Freunde da, die Leute sind die ganze Zeit gestagedived und völlig ausgerastet.
Ich bin mir nicht sicher ob die verrückte Story wirklich crazy ist aber ich muss immer darüber lachen, wenn ich daran zurückdenke.
Nach einem Gig waren wir auf dem Rückweg außerhalb von Detroit und haben an einem Arby´s Restaurant gehalten. Chad hatte noch seinen Stagepass um und die Bedienung hat das bemerkt und gefragt welche Band wir wohl wären. Chad hat ihr gesagt wir wären Type O Negative und wir wären in der Stadt um Slayer zu sehen. Sie hat die Story voll gekauft und uns erzählt, wie sehr sie unsere Musik liebt. Danach durften wir umsonst Essen mitnehmen. Zum Schluss fragte sie wo Pete Steele denn wäre und Chad erzählte ihr, dass Pete Slayer hassen würde und deswegen zu Hause geblieben wäre.
Geile Geschichte!

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Amboss: Auf der BRODEQUIN-Facebookseite gab es in letzer Zeit einige Änderungen. Und viele schreien nach einer Reunion. Was kannst du dazu sagen?
Jamie Bailey: Die BRODEQUINseite ist nicht von uns, aber ich wurde von demjenigen, der die Seite gemacht hat zum Administrator ernannt. Ich finde es toll, dass er diese Seite gemacht hat und mich daran teilhaben lässt. Es scheinen viele Leute ein großes Interesse an einer Reunion zu haben und ich kann sagen, dass wir wirklich darüber nachdenken. Ich würde gerne noch mehr Musik herausbringen und bin schon dabei neues Material zu schreiben. Wir werden sehen was passiert. Wenn es passiert, dann aber weil wir Leute gefunden haben, mit denen wir wirklich gerne zusammen arbeiten wollen. Wir würden es nicht auf Teufel komm raus machen, nur damit es passiert.

Amboss: Etwas vom alten Merchandise bei eBay zu ergattern kann ganz schön teuer werden. (Letzte Woche ist ein Shirt von der “Methods Of Execution” für über 50€ verkauft worden!) Gibt es eine Möglichkeit Merchandise direkt über die Band zu beziehen? Ich denke die Band hat auch selber eine Menge davon ihr Merch selbst zu verkaufen, wenn entsprechende Nachfrage besteht.
Jamie Bailey: Ja, genau daran arbeiten wir im Moment. Ich kann manchmal gar nicht glauben für welchen Preis einige Shirts und CDs von uns bei eBay weggehen. Zu Anfang werden wir mit Shirts und Stickern starten und später wird es auch die CD´s geben. Wie bereits erwähnt, ist Mike dabei einen Onlinestore zu machen, der hoffentlich in ein paar Wochen fertig ist. Es könnte ein bisschen dauern, bis die ersten Shirts zu kaufen sind aber in der Zwischenzeit werden wir ein paar limitierte Shirts mit der Hilfe von Freunden aus aller Welt machen. Das Design wird grad fertiggestellt und ich werde auf jeden Fall auf der BRODEQUIN-Facebook-Seite und auf meinem persönlichen Account darüber schreiben, wenn es soweit ist.

Amboss: Danke für deine Zeit. Die letzten Worte gehören dir.
Jamie Bailey: Danke für deine Fragen und die netten Worte über BRODEQUIN, wir freuen uns darüber. Vielen Dank auch an alles die das Interview gelesen haben. Jeder, den es interessiert, sollte mal auf der Facebookseite von BRODEQUIN (Link hier) vorbeischauen. Aber auch die richtige und nicht den Wikipedia-Kram, lol. (Ja, hat er so geschrieben.) Oder schreibt mich auf meiner persönlichen Seite an (Link hier). Danke!

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