
Livebericht Teil 1 vom BLACK HOLE FEST
19.-20.12.2025 im Hellraiser Leipzig
(Bericht & Photos: Domenico)
EINLEITUNG
Meine Herzallerliebsten Leser, ich hoffe, dass ihr gut ins neue Jahr gerutscht seid, erholsame Feiertage hattet und dass ihr den einen oder anderen schwermetallischen Besuch fürs neue Jahr geplant habt.
Ähnlich wie beim Bericht über De Mortem Et Diabolum (hier lesen) sehe ich mich in der Position, eine Vorwarnung zu verfassen: Das hier ist die Seite vom Amboss Magazin, nicht von der BLÖD… Verzeihung… Bild Zeitung, nicht von Strg_Fotzen und auch nicht irgendeine Seite für geistig minderbemittelte Saltatio Mortis-Fans, die ich nicht mit Namen nennen werde (hust hust METALHEADS GERMANY hust hust).
Das heißt: Wer jetzt erwartet, dass ich mich über das Graveland-Shirt von der Barkeeperin beschwere oder sonstigen Müll schreibe, kann gleich aufhören zu lesen und sich die oben genannten Seiten anschauen.
In diesem Bericht geht es wieder einmal um all das Schöne, das der Schwarzmetall zu bieten hat. Auch dieses Mal haben grandiose Auftritte nicht gefehlt, und es wird endlich Zeit, sie mit einem mehr als erfreulichen Bericht zu würdigen.

HOMESELVAREG
Homselvareg eröffnet das Festival mit einer beeindruckenden Performance, die unverkennbar die rohe Kraft und ungezähmte Energie des Black Metals verkörpert. Von der ersten Sekunde an wird deutlich, mit welcher Entschlossenheit die Italiener die Bühne betreten: Es geht ihnen nicht um die Integration gregorianischer Kirchengesänge oder um propagandistische Botschaften für Tierschutzorganisationen. Stattdessen verfolgen sie das klare Ziel, das gesamte Publikum mit ihrem animalischen, primalen Sound zu überwältigen und in eine archaische Welt zurückzuführen.
Der Name der Band lässt sich von „Homo Salvadego“ ableiten, was ihre primitive, animalische Natur unterstreicht. Ihre Musik ist ebenso wild und unbeherrscht, wie der Name vermuten lässt, und spiegelt eine beinahe archaische Urkraft wider. Während ihrer herausragenden Performance spürt man die primitiven und wildesten Urinstinkte des Menschseins, die sich in den Köpfen der Zuhörer manifestieren und im besten Fall sofort in handfeste körperliche Reaktionen umschlagen.
Das musikalische Fundament besteht aus urwüchsigen Riffs im Old-School-Stil, leidenschaftlich vorgetragenen Vocals und zerstörerischen Blast Beats, die den Zuhörer förmlich physisch ansprechen und Nackenmuskeln strapazieren. Die Texte sind auf Italienisch gehalten, was im Kontext des Black Metals eher unüblich ist; jedoch trägt diese sprachliche Wahl keineswegs zur Schwächung der Performance bei. Im Gegenteil, sie verstärkt die Authentizität und den aggressiven Ausdruck der Band.
Insgesamt gelingt es Homselvareg, mit ihrer kompromisslosen Darbietung und ihrer rohen Energie, das Publikum in eine archaische, unzivilisierte Welt zu entführen. Sie beweisen, dass Black Metal nicht nur Musik, sondern auch ein Ritual der Urinstinkte ist, das durch pure Intensität und ungeschminkte Authentizität besticht. Mit dieser Performance setzen sie ein kraftvolles Zeichen für die Echtheit und Ursprünglichkeit des Genres und hinterlassen einen bleibenden Eindruck, der den Zuhörer noch lange nach dem letzten Ton beschäftigen wird. Willkommen ins Schwarze Loch!

AZEL MOUNTAIN
Weiter geht es mit einer Band, die mit ihrem Pagan Black Metal-Sound einen ähnlichen Kontext wie Homselvareg auf die Beine stellt: Azel Mountain. Genauso wie bei Homselvareg geht es hier um Wildnis, Natur und Urstämme, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die ausgewählte Sprache dieses Mal Polnisch ist. Dies betraf nicht nur die Texte, sondern auch die Ansagen des Sängers, die ebenfalls auf Polnisch waren. Da das Publikum zu 70 % aus Polen bestand, ergibt das wiederum Sinn. Allerdings hätte ich gerne etwas verstanden, was nicht „Kurwa“ bedeutet.
Musikalisch bleibt Azel Mountain seinen Wurzeln im Pagan Black Metal treu, wobei die rohe Energie und die atmosphärische Dichte die Verbindung zur Natur und den archaischen Urinstinkten deutlich machen. Die Band nutzt ihre Musik, um eine Reise durch die primalen Ebenen des menschlichen und tierischen Instinkts zu ermöglichen, wobei sie traditionelle Melodien, urtümliche Rhythmen und kraftvolle Gesangslinien miteinander verschmelzen. Die bewusste Betonung auf die Naturverbundenheit und die archaischen Themen schafft eine Atmosphäre, die sowohl Ehrfurcht als auch Respekt vor den ursprünglichen Kräften der Natur weckt.
Abschließend lässt sich sagen, dass Azel Mountain mit ihrem authentischen Ansatz und ihrer kulturellen Tiefe eine beeindruckende Klangwelt erschaffen, die sowohl die spirituelle Verbindung zur Natur als auch die dunklen, archaischen Seiten des menschlichen Seins erfahrbar macht. Ihre Musik ist eine Einladung, die eigenen Wurzeln zu erforschen und die Verbindung zu den uralten Kräften unseres Planeten wiederherzustellen – eine kraftvolle Erinnerung an die Bedeutung des Natürlichen und Urtümlichen in einer zunehmend zivilisierten Welt.

ERNTE
Nun kommen wir zu dem wohl schlechtesten Auftritt des Festivals. Hey! Das ist schon das zweite Mal in Folge, dass eine Female Fronted Band den schlechtesten Auftritt des Festivals spielt! (siehe Bericht über De Mortem et Diabolum). Kann es sein, dass dieser Domenico ein kleines bisschen misogyn ist? Sowas kann man doch nicht veröffentlichen!
Bitte tausendmal um Entschuldigung. Um eine detaillierte Antwort zu erhalten, schreibe eine E-Mail an es-interessiert-uns-einen-scheiß@gmail.com oder kontaktiere ihn direkt auf seine Facebook-Seite „Deine Mutter macht Footjobs für einen Zehner“.
Nun, um ehrlich zu sein: Die Musik von Ernte ist zweifellos keineswegs minderwertig. Es ist stets eine Freude, ihre Werke über diverse Streaming-Plattformen zu konsumieren. Das eigentliche Problem besteht jedoch darin, dass wir uns nicht in meinem privaten Wohnzimmer befinden, sondern im Hellraiser Leipzig – und hier handelt es sich um einen Live-Auftritt, nicht um ein virtuelles Streaming. Live-Konzerte bringen eine ganz andere Dynamik und Atmosphäre mit sich, die durch die technische Reproduktion nur bedingt eingefangen werden kann.
Die Live-Musiker haben sich genauso wenig bewegt wie die Deutsche Bahn, wenn 2 mm Schnee auf den Gleisen liegen, und gaben teilweise den Eindruck, so viel Bock auf diesen Auftritt zu haben wie ich auf eine Philosophie Vorlesung. Dieser Eindruck wurde durch die Tatsache verstärkt, dass der Auftritt wesentlich kürzer wurde als eigentlich geplant (ca. 25 Minuten). Die gewaltigen Klänge der schweizerischen Diskographie sind leider alleine nicht ausreichend, um eine denkwürdige Show zu ermöglichen.
Von einer Band mit so viel Talent, Zukunftsperspektiven und einem Vertrag beim legendären Label Purity Through Fire erwartet man einfach mehr! Kurwa!

HEIMLAND
Nachdem wir Ernte mit sämtlicher Sängerin in die Küche zurückgeschoben haben, gönnen wir uns den Auftritt von einer grandiosen Band aus dem hohen Norden:
Die Musik von Heimland verkörpert einfach alles, was der pure norwegische Black Metal schon immer gewesen ist: Aggression, Rebellion, Ablehnung von sinnlosen Trends, aber auch Naturverbundenheit und Heimatliebe.
Die letzten beiden Begriffe werden meistens nur im Pagan bzw. Viking Metal zum Thema, aber das, was uns hier präsentiert wird, hat rein gar nichts damit zu tun: Hier geht es um Black Metal so, wie er nur sein kann.
Die jungen Mitbürger dieses einen berühmten Musikers, der Juden, Polizisten und Holzkirchen nicht sonderlich sympathisch findet, brechen uns die Nackenwirbel von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die Kälte und die Dunkelheit des norwegischen Winters werden mit jedem Geschrei und mit jedem Riff auf uns herabgeschleudert, während der eisige Wind durch die einsamen Fjorde zieht und die schneebedeckten Berge im fahlen Mondlicht schimmern. In diesen langen, dunklen Nächten scheinen die Schatten der Vergangenheit lebendiger denn je.
Lange Rede, kurzer Sinn: Mit diesem herausragenden Auftritt hat Heimland bewiesen, dass sie diejenigen sein werden, die den Geist des reinsten Black Metal am Leben erhalten, sobald ihre Landsmänner mit ein paar weiteren Jahrzehnten auf dem Buckel in Rente gehen.

ANTRISCH
Ja moin! Anscheinend wird in Leipzig das Oktoberfest etwas später gefeiert als im Rest des Landes! Ansonsten kann ich mir nicht erklären, wieso auf einmal fünf alte und leicht angetrunkene Bayern mit lustigen Kopfbedeckungen auf der Bühne stehen. Dieses Mal werden etwas introspektivere und hypnotische Klänge präsentiert, die einen schönen Kontrast zu den vorherigen Auftritten bilden.
Bei extremem Metal ist es oft die Rede davon, dass die Texte wenig verständlich sind; hierbei sind Antrisch eine sehr große Ausnahme, da der elegant gekleidete Frontmann eine außergewöhnliche Performance liefert, die sich teilweise wie ein Gespräch beim Psychologen anfühlt, wobei man sogar den bayerischen Akzent heraushören könnte (ja, auch bei seinem kreischenden Geschrei).
Alles in allem gelingt es Antrisch, etwas Abwechslung in den ersten Festivaltag zu bringen: Sie haben ihre Idee von Black Metal präsentiert und gezeigt, dass sie eine eindeutig erkennbare Band sind.

SARGEIST
Jetzt ist es soweit: Wir kommen zum absoluten Höhepunkt des gesamten Festivals: Sargeist! Wer denn sonst?
Eine Frage an alle Leser: Abgesehen davon, ob ihr beim Festival anwesend ward oder nicht – hattet ihr auch nur für eine Sekunde Zweifel, dass dies nicht zum besten Auftritt dieser Edition werden würde? Wenn eure Antwort Nein lautet, dann sind wir uns einig.
Was kann ich euch über die finnische Legende erzählen, was ihr noch nicht wisst? Wie soll ich diese Ode an die schwarze Flamme beschreiben, ohne dass dieser Teil des Artikels vorhersehbar wird? Vielleicht mit polnischen Schimpfwörtern? Mit sexistischen Sprüchen? Mit Anspielungen an Burzum und das Oktoberfest? So läuft das nicht. Ich gebe mein Bestes.
Die Finnen betreten die Bühne in ihren typischen Mönchskleidern, erzählen uns aber nichts von Ehelosigkeit, Enthaltsamkeit, heiligen Schriften (zumindest nicht auf positive Art) und fragwürdigen Vorlieben für kleine Kinder.
Sie überrumpeln uns sofort mit ihrer bestialischen Kraft, lassen uns keine Sekunde atmen und versinken die gesamte Stadt Leipzig in die düsterste Atmosphäre der Geschichte. Letzteres geschieht normalerweise beim sogenannten WGT. HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA
Die zeitlosen Klassiker der ersten beiden Alben durften natürlich nicht fehlen, doch ich war auch froh, Songs aus dem neuen „Flame within Flame“ zu hören, da dieses Album, wie hier erwähnt, eines der absoluten Highlights des vergangenen Jahres ist.
Dieser Auftritt war die perfekte Darbietung verschiedener dunkler Meisterwerke, die keine einzige Facette der Genialität von Shatraug vernachlässigt haben: 70 Minuten pure Extase, die niemals in Vergessenheit geraten werden.
Hättet ihr euch das alles vorstellen können? Ich auch. Unter anderem deswegen freue ich mich umso mehr auf den nächsten Auftritt der finnischen Legende.
ALL HAIL TO THE DARK FLAME OF BLACK METAL!!!

BLACKBRAID
Es ist soweit: Wir kommen zum letzten Auftritt des Tages und zum Ende dieses ersten Teils des Artikels. Der Tag endet nämlich genauso, wie er begonnen hat: mit einer Show, die unseren geliebten Black Metal, diesmal der atmosphärischen Sorte, nutzte, um die Urinstinkte des Menschen zu erwecken.
Blackbraid treibt an die Spitze, was Homselvareg und Azel Mountain Stunden vor ihnen angefangen hatten, mit dem Unterschied, dass die Inspiration von Blackbraid von der uramerikanischen Geschichte und Mythologie geprägt ist.
Trotz steigender Müdigkeit (und Alkoholkonsum) konnte man sich keine Sekunde von dieser fesselnden Show ablenken, die ein mehr als würdiger Abschluss des ersten Festivaltages war.
Man hatte im Laufe des Auftritts das Gefühl, mitten in einem Ritual der Uramerikaner zu stehen, das die Teilnehmer zu dunklen und mächtigen Wesen verwandelte.
Und so neigt sich der Tag dem Ende zu, doch die Seele bleibt wach, erfüllt vom Klang dunkler Wälder und uralter Legenden. Blackbraid, mit seiner atmosphärischen Macht, hat die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verwischt und in den Schatten der Nacht erstrahlen lassen. Es war ein Aufruf an unsere tiefsten Instinkte, an das ungezähmte Feuer in unserem Inneren, das niemals erlischt. Wie der letzte Akt einer längst erzählten Sage schließt dieser Auftritt den Kreis – ein majestätisches Echo, das in den Herzen der Zuhörer nachhallt, bis die Dunkelheit weicht und das Licht der Morgendämmerung erwacht.
Das war’s für den ersten Teil. Der zweite wird demnächst veröffentlicht.
Stay tuned & stay Metal
Domenico
