
Livebericht Teil 2
vom DE MORTEM ET DIABOLUM XI
05.+06.12.2025 in Berlin, Orwohaus
(Bericht und Photos by Domenico)
EINLEITUNG
Hallo und herzlich willkommen zum zweiten Teil des Berichts vom diesjährigen De Mortem et Diabolum. Falls ihr den ersten Teil verpasst habt, empfehle ich euch, ihn nachzuholen: https://magazin.amboss-mag.de/de-mortem-et-diabolum-2025-ein-grandioses-black-metal-festival-teil-1/
Ähnlich wie im ersten Teil erlaube ich mir eine Klarstellung: Wer jetzt erwartet, dass ich die Parteien aufliste, die alle Bandmitglieder gewählt haben, oder dass ich mich über den Mangel an veganen Verpflegungsangeboten beschwere, oder dass ich es für nötig halte, eine Merch-Kontrolle einzuführen, weil ein polnischer Photograph einen Ad Hominem-Patch an seiner Kutte hatte, kann gleich aufhören zu lesen und sich bei Reddit oder in irgendeiner dummen Facebook-Gruppe anmelden. Dort gibt es mit Sicherheit Inhalte, die aus dieser Sicht interessanter sind.
In diesem Artikel geht es – wieder einmal – um all das Schöne, was der Schwarzmetall zu bieten hat. Der zweite Festivaltag war nicht weniger intensiv als der erste und verdient ebenfalls einen lobenden Bericht.
NAIL BY NAIL

Der Karlsruher Newcomer eröffnet den zweiten Festivaltag und liefert eine Show, die genau zum Bandnamen passt: Genauso wie dieser Hurensohn namens Jesus Christus ans Kreuz genagelt wurde, wurden die Zuschauer an die Wand genagelt. Der einzige Unterschied ist das Metall, mit dem man genagelt wurde. In diesem Fall war es nämlich Old School Schwarzmetall, das in all seiner grandiosen Blasphemie präsentiert wurde – ohne lästige Ansagen.
Der Auftritt war relativ kurz, aber sehr intensiv: der perfekte Einstieg in einen Festivaltag, der ganz anders enden wird, als er begonnen hat.
NECRONAUTICAL

Nachdem ihre Landsmänner von ABDUCTION am Ende des ersten Festivaltages überzeugt hatten und NAIL BY NAIL den zweiten perfekt eingeleitet hatten, setzen NECRONAUTICAL noch einen drauf und präsentieren einen Sound, der seine Einflüsse nicht versteckte.
Mit einer Mischung aus Black Metal und Melodic Death Metal ging es weiter mit Festivalstimmung. Der Sound ist einerseits „in your face“ und andererseits melodisch und introspektiv. Tiefe Growls treffen sporadisch auf clean Vocals, Blast Beats auf gängige Gitarrenmelodien, und die Show sorgt für eine reiche Portion Headbanging.
An dieser Stelle nutze ich die Gelegenheit, das Album „Apotheosis“ zu empfehlen, das die Wirbelsäule der Setlist bildete.
WODE

Weiter ging es mit WODE: Nachdem es jede Menge Leder, Nieten, umgedrehte Kreuze und Pentagramme gab, nahmen sich die Engländer die Freiheit, in Alltagskleidung auf die Bühne zu gehen.
Hat das den Auftritt geschadet? Auf keinen Fall! Feinster Blackened Death Metal à la GOD DETHRONED bereitet uns allen Freude und Nackenschmerzen.
Es geht weiter „straight in your face“: Man kriegt keine Sekunde Luft und wird von Anfang bis Ende von diesem gewaltigen Sound malträtiert – ein Erlebnis, das uns daran erinnert, wofür diese Musik entstanden ist.
Ähnlich wie bei NECRONAUTICAL empfehle ich hier das Album „Servants of the Countercosmos“, das ebenfalls im Mittelpunkt der Setlist stand.
THE OMEGA SWARM

Wenn man einen solchen Bandnamen liest, denkt man zuerst an eine Progressive/Technical Death Metal Band und nicht an Black Metal. Doch als sie auf der Bühne standen, wurde klar, dass der erste Eindruck richtig war: Was diese Jungs präsentieren, ist kein Black Metal mit bizarren technischen Einflüssen, sondern genau das Gegenteil: bizarrer Technical Death Metal mit einigen Black Metal-Einflüssen.
Das ist zwar nicht das, was man auf einem solchen Festival erwartet, aber der Auftritt war mehr als sehenswert: Die unfassbaren Fähigkeiten der Musiker und eine phantastische Bühnenpräsenz sorgen für eine Art Überraschung – vor allem für diejenigen, die sich eher für Klänge dieser Art begeistern.
Die Riffs erinnern an Bands wie OBSCURA, FALLUJAH oder ALLEGAEON und sorgen für einen gewaltigen Moshpit, was auf Black Metal-Festivals durchaus selten ist. Nicht das, was man erwartet hätte, aber trotzdem ein sehr gelungener Auftritt.
DYMNA LOTVA

So ein Zufall! Eine female-fronted Band ist nun auf der Bühne, und die Halle wird gefühlt doppelt so voll. Wer hätte das gedacht?!
Mit ihrem doomigen Sound und ihrer Sängerin im blutverschmierten Hochzeitskleid, die barfuß auf der Bühne tobte, sorgten die Weißrussen für große Begeisterung beim Publikum – allerdings nicht bei mir. Die Musik wirkte an diversen Stellen eintönig und einfallslos, es gab Übersteuerung, und die Musiker in Rot gaben irgendwie den Eindruck, gegen ihren Willen aufzutreten.
In diesen Artikeln wurde öfter erwähnt, dass diese Musik die Seele berühren und die Zuschauer mitreißen soll, unvergessliche Augenblicke schaffen, sei es durch Kraft, Atmosphäre, Blasphemie oder Gebrechlichkeit. Genau das hat in diesem Falle fehlt.
Alles in allem war das der schlechteste Auftritt des gesamten Festivals, obwohl das Publikum wahrscheinlich anderer Meinung ist. Dieser Auftritt ist leider spurlos an mir vorbeigewackelt.
MERRIMACK

Nun kommen wir zum absoluten Höhepunkt dieses herausragenden Festivals. Trotz vieler großartiger Auftritte wäre das Wort „Highlight“ nur ein lascher Euphemismus, um den Auftritt der französischen Black-Metal-Legende zu beschreiben.
Stellt euch all das vor, was mit Black Metal zu tun hat – multipliziert das mal 10 – und ihr bekommt eine grobe Vorstellung dieses historischen Ereignisses.
Das war ein Auftritt, der so wirkte, als wäre er von Satan höchstpersönlich vorbereitet worden: Schon in den ersten Minuten merkte ich, wie die unheilige Kraft des Black Metals durch meine Adern floss und mich in einen Dämon verwandelte, gefesselt und ausgepeitscht von einer satanistischen Domina.
Die Schmerzen bereiteten mir extrem viel Vergnügen, denn ich wollte zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als das: totale Zerstörung von allem – inklusive mir selbst.
Was wir hier präsentiert bekamen, war keine Musik über schwarze Magie, sondern Schwarze Magie in Form von Musik: eine Menge magischer Riffs, die die einstündige Spielzeit wie 5 Minuten erscheinen ließen.
MERRIMACK hat bewiesen, eine Band zu sein, wie es kaum eine andere gibt. Wer mit der französischen Szene nicht vertraut ist, dürfte diesen Namen kaum kennen. Deshalb empfehle ich euch allen, ihre Diskographie nachzuholen und ihnen vor allem als Live-Band eine Chance zu geben.
TSJUDER

Weiteres Highlight des phänomenalen Wochenendes – nicht nur wegen des im ersten Teil erwähnten Blowjobs, sondern auch wegen der Tatsache, dass es sich um einen verdammten Auftritt von TSJUDER handelt.
Mit einer Setlist, die größtenteils aus alten Klassikern bestand, stellte die norwegische Legende erneut unter Beweis, dass der gute alte norwegische Sound einfach unübertrefflich ist. Obwohl sie im Laufe ihrer Karriere weniger Anerkennung und Lob erhielten als ihre Landsmänner, die wir alle kennen und lieben, sind sie immer noch eine der besten Live-Bands dieser Szene.
Spätestens beim zeitlosen Klassiker „Kill for Satan“ war es Zeit, die Sau rauszulassen – inklusive eines blutigen Moshpits, was im Black Metal eher selten ist.
Während die Nieten der anderen Black Metaller meine Haut durchborten und ich meinen Nacken weiter demolierte, tobte der Old-School-Wahnsinn weiter auf der Berliner Bühne, sodass am Ende alle erschöpft, aber extrem glücklich waren.
Tsjuder hat die Bühne und Hunderte von Herzen in Flammen gesetzt. Nach 32 Jahren ist die Band immer noch eine absolute Macht, die es immer wieder verdient, live gesehen zu werden.
THY LIGHT

Das Festival geht dem Ende entgegen, und ein letzter Auftritt fehlte noch – derjenige, der uns einmal mehr zeigte, was das Wort „Schmerzen“ bedeutet. In den vorherigen Artikeln wurde dieses Wort öfter erwähnt, doch diesmal handelt es sich nicht um eine poetische oder metaphorische Beschreibung, sondern um eine Tatsache: In der letzten Stunde dieser Edition trat THY LIGHT auf.
Dieses Mal sind die Schmerzen real, und man spürt sie nicht nur in der Seele, sondern auch am Körper. Die Brasilianer lieferten eine Show, die als absolute Masterclass im Depressive Black Metal gilt: So berührend und verletzend, wie es nur geht.
Mit zerschneidenden Riffs, melancholischen Melodien und Vocals, die all das Leiden der Welt enthalten, vernichtete THY LIGHT jegliche positive Emotion, die überhaupt existiert, und beendete die Edition 2025 des De Mortem et Diabolum.
Das ORWOhaus verwandelte sich in ein Irrenhaus, in dem Tränen, Wunden und Narben zur Normalität gehörten. Niklas Kvarforth wäre mit Sicherheit stolz gewesen.
FAZIT
Das DE MORTEM ET DIABOLUM 2025 war ein absolut grandioses Festival: voller großartiger Black-Metal-Bands, mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis – was sowohl den Eintritt als auch die Getränke anging – und mit einer Vielzahl äußerst attraktiver Frauen, die dieses Jahr das Festival besucht haben.
Ich habe mich einfach zu Hause gefühlt und diese beiden Artikel voller Begeisterung geschrieben. Ich hoffe, ich konnte euch damit unterhalten, und dass wir uns 2026 wieder dort sehen.
Stay tuned & stay Metal
Domenico Gulla
