THE SILVER SHINE + THE ROCKETZ :: Eine ungarisch – amerikanische Freundschaft

THE SILVER SHINE + THE ROCKETZ Live im Hook in Goslar am 11.10.2013

Fotos @ Caro / Text @ Michi

Heute passiert etwas, was mir trotz unendlich vieler Konzerte noch nicht so oft vorgekommen ist. Vergangenen Donnerstag hatte ich ja bereits vom Psychobilly Earthquake aus Bremen berichtet und dort unter anderem THE SILVER SHINE aus Ungarn und THE ROCKETZ aus den Staaten gesehen. Genau diese beiden spielen heute Abend, also genau eine Woche später, im nahe gelegenen Harzrandstädtchen Goslar. Da beide Bands wirklich einen guten Eindruck hinterlassen hatten war die Entscheidung schnell getroffen auch bei diesem Gig nochmal dabei sein zu wollen.

Das Konzert findet in einer kleinen Musikkneipe in Goslar statt die den Namen Hook trägt. Der Eintritt ist frei, was es heutzutage ja auch eher selten gibt. Beim Eintreffen vor Ort wird schnell klar, dass dies ein Konzert wird, so wie es am schönsten ist, und zwar in einem sehr kleinen und familiären Rahmen. Tür auf, und schon stehen einem die Mitglieder der Bands direkt gegenüber, welche in netten Gesprächen mit den Gästen verwickelt sind. Also alles sehr persönlich. Auch ich mache ein bisschen Smalltalk mit Ati Edge, dem Sänger von THE SILVER SHINE und mit Tony dem Sänger von THE ROCKETZ, alles cool und total entspannt.

Die Bühne im Hook ist überschaubar groß und auch nur wenige Zentimeter hoch. Näher kann man dem Live-Geschehen als Besucher also wohl kaum sein.

Das aus Kalifornien stammende Trio von THE ROCKETZ  sind die ersten, die den Besuchern heute ihre Show präsentieren. Der Sound ist von der ersten Sekunde an sehr intensiv, die Drums knallen, die Anschläge der Basssaiten kann man direkt hören und die Gitarrenklänge sind absolut präsent. Dadurch das sich Band und Zuschauer so nah sind, wird umgehend eine hervorragende Energie versprüht. Es ist beeindruckend den Akteure bei ihrer Arbeit an den Instrumenten zu beobachten. Die Mischung auf Rockabilly, Psychobilly und amerikanischem Punk Rock macht spürbar jedem Anwesenden sehr viel Spaß. Coole rhythmische Stücke wie “Bob’s A Zombie” sind ebenso gern genommen wie schnelle melodische Tracks wie “Pretty Fuck Up”, ein Stück welches den verhassten Ex-Freunden und Ex-Freundinnen gewidmet ist. Bei dem älteren Stück “Rise Of The Undead” erzeugen THE ROCKETZ eine bis hierin für mich unbekannte düstere Aura in ihrem Sound, aber “East LA” und andere Titel können danach wieder mit viel guter Laune die dunklen Gedanken wegfegen.

Coverversionen sind auch in der Show der Band zu finden, “Transsilvanien Express” ursprünglich von BATMOBILE sitzt wie die berühmte Faust aufm Auge und fast jeder im Hook kann mitsingen. Die Spielzeit von etwa 40 Minuten verrinnt sehr schnell ohne das Langeweile aufkommt. Die Band und die Zuschauer haben gemeinsam eine tolle Stimmung  erzeugt und für mich war dieser Auftritt durch die unmittelbare Nähe und auch die längere Spielzeit noch um einiges besser wie ich es eine Woche zuvor empfunden hatte.

Die Umbauphase bedarf nur wenige Minuten, schließlich werden nur die Mikros und die Gitarre getauscht. Furo an die Drums, Krista Kat ans Bass und Ati Edge an die Gitarre und los gehts mit dem Opener “Homeward Bound”.  Auch bei THE SILVER SHINE merkt man sofort, dass ihnen eigentlich die kleinen Konzerte mit direktem Kontakt zu den Fans mehr liegen. Für diesen kleinen Raum sitzt der Sound auch hier super, herrlich laut und ungefiltert und besonders auffällig ist jetzt die starke Interaktion zu den Zuschauern, welche mit Augenzwinkern, Anprosten und ähnlichen Gesten bedacht werden.

Was diese Band ja auszeichnet ist der stetige Wechsel im Gesang denn Krista und Ati variieren permanent in der Hauptrolle und dies auch selbst innerhalb eines Songs wie bei “In The Middle Of Nowhere”. Beim Dolly Parton Cover “Jolene” kann Krista dann allein ihr Können am Mirko unter Beweis stellen, aber auch ihre Arbeit am mächtigen Bass ist immer wieder spannend zu beobachten. “Anyhow” ist dann noch so ein cooler Song, bei dem vor allem Kristas Gesang im Vordergrund steht, die South-Park Anekdote “Timmy” verleitet dagegen zum einheitlichen Mitgsingen im Refrain.

Wie schon bei THE ROCKETZS zuvor werden auch die Mitglieder von THE SILVER SHINE gut mit Getränken versorgt, was die Stimmung während des Gigs noch zusätzlich steigert. Extrem sympathisch ist auch die Aktion bei der man einen Hut herumgehen lässt um die Bands zu unterstützen, da dieser Konzertabend ja auch ohne Eintritt realisiert wurde. Da gibt man dann doch auch ganz gern mal was!

Die Band dankt es dann mit tollen Nummern wie “Never Again”, Ati’s Lieblingslied von seinen Vorbildern SOCIIAL DISTORTION welches da “Reach For The Sky” lautet und besonders das JET Cover von “Are you gonna be my girl” sorgt für extrem gute Stimmung, weil halt jeder Mitsingen kann.

Man merkt, dass THE SILVER SHINE so langsam in Fahrt kommen, denn immer ausgelassener gehen sie auf der Bühne zu Werke. Bei “Kamikaze Stomp” wird der Up-Right Bass in die Luft gestemmt, sodass er fast bis unter die zugegeben niedrige Decke fliegt, ein Ritt auf selbigen Gerät ist auch zu sehen und Ati verschwindet mit seiner Gitarre im Nebenraum und spielt zwischen den Zuschauern weiter. Richtig coole Aktionen, die den Spaß der Band an der Musik gut verdeutlichen.

Nach dem energischen Psychobilly Knaller “Repitile” ist dann leider erst mal kurz Schluss, doch nach Rücksprache mit dem Veranstalter ist noch Luft für eine kurze Zugabe, welche dann ebenso impulsiv mit “I Sold My Soul For R’n’R” und dem SOFT CELL Cover von “Tainted Love” zur Freude aller stattfindet.

 

Mehr geht nicht, da das Hook mitten im Stadtkern liegt und die Ruhevorschriften streng sind. Die “Einer geht noch,…” Gesänge werden dann leider nicht erfüllt, dafür mischen sich beide Bands noch sehr frei unter die Zuschauer um zu schwatzen und diverse Autogrammwünsche zu erfüllen.

Generell war heute schön zu beobachten was für ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den heute spielenden Bands herrschte, denn erstens tauscht man sich mit den Instrumenten aus (es gab heute nur ein Drum Kit und einen Upright-Bass) und zweitens half man sich gegenseitig auf der Bühne wenn es mal irgendwo hakte. Zudem gab es jede Menge Spaß auch neben der Bühne für die Band, die gerade nicht spielte. So solls sein :-).

Symphatische Lokation, nette Bands und coole Besucher, was will man mehr. Leider ist der Abend dann irgendwann zu Ende, raus ins Dunkel, ab nach Hause und die Eindrücke des Abends genießen… (michi)

 

https://myspace.com/therocketz

www.thesilvershine.com