FILM+HÖRSPIEL

HÖRSPIEL “Abwärts” (Thriller)

HÖRSPIEL

“Abwärts”
(Thriller)

Wertung: gut

: 27.02.2015

Label: Lindenblatt Records

Webseite: Homepage

Inhalt:
Es ist Freitag Abend in der Großstadt. Das Bürohochhaus ist längst verlassen. Doch vier Nachzügler bleiben mit dem Aufzug in schwindelnder Höhe stecken. Auf den ersten Schrecken folgt die Angst – und die eigenen Dämonen werden immer lauter.

1984 lief „Abwärts“ hochgradig besetzt und sehr erfolgreich im Kino. Die prägnanten und authentischen Figuren und Dialoge, die schauspielerische Darbietung, die kühle und industrielle Grundstimmung sowie die fantastischen Kameraeinstellungen und Schnitte machten den Film zu einem der besten deutschen Thriller – bis zum heutigen Tag. Das Hörspiel fängt diese Stimmung ein und transferiert sie ins Hier und Jetzt. Dank der Roman-Vorlage von Frank Göhre, weiß es die Geschichte jedoch noch ausführlicher und genauer zu erzählen. Es geht noch tiefer. Und Hörspiele sind einfach das perfekte Medium für das ganz persönliche Kopfkino.

Der Film “Abwärts” mit Götz George (Jörg), Wolfgang Kieling (Gössmann), Hannes Jaedicke (Pit) und Renée Soutendijk (Marion) aus dem Jahr 1984 war ein großer Erfolg und ist auch heute noch ein verdammt starker Film, der von den Charakteren, ihren Schwächen, Ängsten und mitunter auch Psychosen getragen wird. Diese Vorlage bzw. den Roman von Frank Göhre in ein Hörspiel zu verwandeln ist sicher keine leichte Aufgabe, aber die Lindner-Brüder haben es mit Bravour geschafft.

An einem Freitag Abend bleiben vier unterschiedliche Charaktere in einem Aufzug stecken. Jörg und Marion arbeiten gemeinsam in einer Werbeagentur und hatten mal eine Affäre miteinander. Während Jörg ausgebrannt und leer ist, wird Marion in Kürze seine Stelle in der Firma übernehmen und ist auf dem aufsteigenden Ast; Pit ist der Rebell, einer, dem das Schicksal nicht wohlgesonnen ist und der sich von der Gruppe abgrenzt und Gössmann, ein Buchhalter, die graue Maus, der Ja-Sager. Unterschiedlicher könnten die Charaktere der eingeschlossenen Personen nicht sein und so ist es nicht verwunderlich, dass die Situation irgendwann eskaliert. Die Angst, nicht vor Montag den Fahrstuhl verlassen zu können, ist groß und als schließlich auch noch seltsame Geräusche an ihr Ohr dringen, die klingen, als würden die Seile reißen, lässt die Protagonisten vollends ausrasten. Neid, Hass, Missgunst, verletzte Gefühle, Überlebensinstinkt… alles wird aktiviert und potenziert sich in dem Fahrstuhl.

Sicherlich gibt der Stoff genug her, um seine Doktorarbeit in Psychologie zu schreiben, aber das würde den Rahmen (des Reviews und meiner Fähigkeiten) sprengen. Aber es ist spannend zu erleben, wie in dieser klaustrophobischen Umgebung alle Masken der Höflichkeit fallen und Menschen zu Tieren werden. Dabei gibt es kein schwarz und weiß; sogar ein Jörg, der nach Außen hin großmäulige Macho, der alles im Griff hat, hat andere Seiten, die wir als Hörer wahrnehmen können, aber nicht seine ehemalige Geliebte und jetzt größte Feindin Marion und so hat jede Person viele Facetten einer Persönlichkeit zu bieten, die von den anderen aber nicht erkannt wird. Rückblicke werden zu willkommenen Informationslieferanten und wir erfahren sehr viel über die jeweiligen Personen, was dem Film gegenüber einen Vorteil darstellt.

Neben der psychologischen Komponente gibt es natürlich auch die Action… die Versuche, dem Lift zu entfliehen, das Reißen der Seile, der vermeintliche Mord, Diebstahl… Diese Kombination macht “Abwärts” zu einem Suchtmittel, denn man kann einfach nicht aufhören, weil man wissen will, wie es weiter geht.

Zwei Facts sind noch besonders erwähnenswert:
Interessant ist die Tatsache, dass Ralf Richter bei dem Hörspiel den Jörg spielt und bereits 1984 bei der Verfilmung dabei war; nämlich als Installateur Otto!
Die “Fernsehserie”, die sich der Pförtner Scramek anschaut, ist ein Ausschnitt aus der 27. Folge von DORIAN HUNTER!

Ich finde, das Hörspiel “Abwärts” großartig. Viel Atmosphäre, gute Dialoge und unterhaltsame Sprecher prägen das Bild dieses Psychothrillers und es sind 3,5 Stunden spannende Unterhaltung geworden. Weiter so, Lindenblatt! (chris)