GRAUSAME TÖCHTER + EYES SHUT TIGHT + DEVIL-M :: Geduldsprobe für’s Gehör


Livebericht

Grausame Töchter, Eyes Shut Tight und Devil-M füllen das Kir in Hamburg am 29.11.2012
(Text und Photos by Olli Garrandt www.dark-faces.com)

Unter der Woche zu einem Konzert zu gehen, ist immer etwas risikobehaftet, erst recht, wenn es im Kir ist. Leider ist der Laden selten ausverkauft. Schade eigentlich, denn wenn es sehr voll ist, wird das Bühnenbild via Beamer auf eine weitere Wand projiziert. Aber dafür gab es grade bei den ersten beiden Bands die Möglichkeit, gute Fotos zu machen. Ich schätze, dass ca. 50 Gäste da waren. Aber das mag wegen der Verwinkelten Räume auch täuschen. Jedoch war die Abendkasse mit 9 € und der Vorverkauf nur 7 € nicht gerade ein finanzielles Hindernis. Und wer kommt so denn dann sonst schon seinen „Lieblingen“ so nah?

 


Die erste halbe Stunde galt es von DEVIL-M, die nordische Zurückhaltung zu brechen. Das Quartett aus der Nähe von Oldenburg hatte die Chance, sich vor Publikum zu beweisen. Wenn man deren Infos laut Facebook für ernst nimmt und es die Formation seit 9-10 Jahren gibt, war der Auftritt eine glatte „5“. Abgesehen vom Sänger war quasi von der Band NICHTS zu sehen. Nicht dass die anderen nicht da waren, aber aktiv am Bühnenleben teilgenommen hat da eigentlich KEINER. Schade… So wurde eine echte Chance vertan, die dazu im Gegenzug EYES SHUT TIGHT, gut genutzt haben.  Auch wenn die als Lokalhelden sicherlich auch einige persönliche Freunde und Bekannte im Publikum hatten. BeiDEVIL-M war durchaus sehr stark zu sehen, dass der Leadsänger sehr viele „Marilyn Manson“ Videos gesehen hat. Sein Auftritt hat ihm sichtlich Spaß gemacht und auch sonst war es für ‘nen Newcomer nicht schlecht. Aber sollte die Band tatsächlich schon so viele Jahre auf dem Buckel haben, war das nur eine Playback-Show.

 


EYES SHUT TIGHT, die nach einer kurzen Umbaupause die Bühne enterten, hatten da schon einiges mehr auf dem Kasten. Trotz der engen kleinen Bühne wurde ein wenig das Haus gerockt und der Abstand Bühne/Publikum wurde zusehends enger. Grad noch gut genug, um sich wohl zu fühlen. Leider war auch von Seiten der Band bestätigt, der Sound viel zu laut und die Aussteuerung großer Bockmist. Anfänglich war nicht mal der Bass zu hören und die vier Hamburger nicht gerade glücklich. Als dann einigermaßen was ging, war auch das Publikum sehr schnell sehr glücklich. Der Mix aus alten und neuen Songs hat Spaß gemacht, es wurde gut gerockt und mit „When I Beat You“ auch der neuste Song zum Besten gegeben. Schade allerdings war doch, dass beim Merch nur das alte Album zu haben war. So musste manch Interessent ohne oder eben nur mit dem noch aktuellen Album nach Haus. Die gute halbe Stunde wurde in jedem Falle so gut genutzt, dass auch die Raumtemperatur endlich einem Konzertabend angepasst war. Sogar einige Zugabenwünsche waren zu hören. Jedoch wie eben nordisch üblich, war die Zurückhaltung noch all gegenwertig.

 


So war die Umbaupause für den Hauptakt die GRAUSAME TÖCHTER gut genutzt und das Publikum, nun auch vornehmlich Voyeure, Fetischfreunde und Fans der Band, haben sich nun endgültig der Bühne genähert. Leider so dicht, dass wirklich freies Arbeiten nicht mehr möglich war. Trotzdem hoffe ich, ihr könnt mit den Bildern des Abends leben. Dabei waren in der ersten Reihe vor allem von Kameraträgern besetzt. Viele nutzten die Chance, ein Video zu machen. Deren Tonqualität dürfte aber ebenso gelitten haben, wie es schon vorher der Fall bei den anderen Bands war. Einfach nur LAUT und nicht schön. Dem Raum auch NICHT angepasst. Dadurch wurde ein schöner Abend vor allem leider für das Gehör zur Geduldsprobe, die nicht alle Anwesenden bis zum Ende durchgehalten hatten. Spätestens nach etwa sechs oder sieben Songs, war es nicht mehr ganz so voll. Auch war auf Grund des mangelhaften Lichtes und „Größe“ der Bühne nicht so viel von der Show zu sehen.

Aber gerade die ist bei so einer Band durchaus wichtig. Ist doch die Frontfrau Aranea Peel eine klassisch ausgebildete Künstlerin, die sich nicht nur auf Gesang versteht. Den restlichen Leuten, war das im Prinzip egal… Sie haben all das zu sehen bekommen, was man bei der ebenfalls aus Hamburg stammenden Band erwarten durfte. Lack, Latex, Peitschen und Waffen, nackte Frauen und ein wenig Kunstblut. Dazu die typischen Texte, die sich mit eben auch jenen Themen beschäftigen. Sex, Gewalt, Fetisch und Provokation. Die im Gegensatz zu den anderen beiden Bands doch eigentlich eher elektronischer Musik wurde durch zwei Herren perfekt begleitet. Diese mussten unter Masken brav am Rand der Bühne den Abend fristen und waren doch ein gutes Stück Bühnengeschichte. Dazu kam ein volles Set von 14 Songs, was aber einigen nicht gereicht hat. Jedoch wurden auch hier die Zugaberufe unbeantwortet.

Zu hoffen bleibt, dass die Soundmixer vor allem in Hamburg endlich wieder weg kommen von dem Gedanken, dass LAUTSTÄRKE gleich Qualität ist. Eventuell sind deren Ohren aber auch einfach nur noch rott! (olli)