LIVEBERICHT

DARKSTREAM-FESTIVAL 2020 :: Online an Pfingsten live moderiert aus der Moritzbastei

“Pfingsten ohne Festival, ohne düster gestylte Gestalten und dark romantische Tanzorgien in Leipzig? Fuck, das geht doch gar nicht!”, sagten sich die Organisatoren des DarkStream-Festivals und haben für das Wochenende vom 28. bis zum 31.05. ein Onlinefestival organisiert. Mehr als 60 nationale und internationale Acts (Bands, Autoren und Künstler) haben dem DarkStream-Festival Material zur Verfügung gestellt, welches noch dazu direkt aus den szeneheiligen Gewölben der Leipziger Moritzbastei in eure Wohnzimmer kommt. Es wird über den gesamten Festivalverlauf eine Livemoderation geben, die euch unterhalten und einheizen wird. Außerdem werden von den Moderatoren einige schicke Überraschungen an die Zuschauer verlost.

Szenegrößen wie Letzte Instanz, Clan of Xymox, Illuminate, Dorsetshire, nTTx und Oberer Totpunkt haben für das DarkStream-Festival exklusives Videomaterial zur Verfügung gestellt. Doch es wird auch Lesungen und Vorträge zu Pfingsten aus Leipzig geben. So konnten Lydia Benecke, Kai Meyer, Bernhard Hennen oder Luci van Org für diesen Teil des DarkStream verpflichtet werden.

Das DarkStream-Festival ist als Event von Künstlern für Künstler und ihre Fans entstanden. Es wird keine Tickets geben. Um die Kosten des Festivals zu decken setzten die Beteiligten ganz auf Spenden und Merchandiseverkauf der Fans.

Weitere Infos unter:
https://www.facebook.com/darkstreamfestival
https://www.facebook.com/events/2574203662897547

Gepostet von Darkstreamfestival am Sonntag, 3. Mai 2020

 

Vom Veranstalter wurde uns das nachfolgende Interview zur Verfügung gestellt, das einige Fragen an M.Kruppe, Christian Schäfer und David Gray vom DSF Organisationsteam enthält.

 

Wie kam es zum DarkStream-Festival?

Bereits Ende März war ja abzusehen, dass in diesem Jahr wegen des Corona-Virus die großen und kleineren Sommerfestivals abgesagt würden. Natürlich waren nicht nur Fans auf der ganzen Welt enttäuscht. Sondern auch all die Bands und Künstler, die ihre Auftritte bei diesen Festivals teilweise seit Wochen und Monaten vorbereitet hatten.

Etwa zwanzig Künstler fanden sich spontan zusammen, um irgendwie im Netz Ersatz für die abgesagten Festivals zu schaffen. All diese Leute verband ihre Nähe zur Gothic, Metal oder Punk und Postpunkszene. Aus diesem Keim entwickelte sich das Konzept des DarkStream-Festivals. Das übrigens beinah Cosa-Nostra-Festival geheißen hätte. Aber Dave konnte sich damit nicht durchsetzen. (Christian Schäfer und M.Kruppe gleichzeitig: Zum Glück! )

 

Was unterscheidet das DarkStream-Festival von anderen Streaming-Events im Netz?

Zunächst einmal ist das DarkStream von Anfang an als Event von Künstlern für Künstler und vor allem deren Fans konzipiert worden. Wobei sich wieder einmal eindrucksvoll die Solidarität der Szene bewies. Denn keiner im Orga-Team oder von den beteiligten Künstlern bekommt Honorar. Unsere einzige Einnahmequelle werden einige Merchandise-Artikel zum DarkStream-Festival sein und Spenden, die die Fans ihren Bands und Lieblingsautoren zukommen lassen können.

 

Ihr kanntet euch also alle schon?

Nein, während Kruppe und David von Anfang an in die Planung involviert waren, stieß Christian mit seinem “Wir Kellerkinder”-Projekt erst etwas später dazu, weil er witzigerweise eine ähnliche Sache plante und wir gleichzeitig einige Bands anfragten, die dann meinten, da gibt’s doch noch ein Projekt. So nahmen wir untereinander Kontakt auf und beschlossen ziemlich schnell, dass wir “fusionieren” sollten. Christian brachte so einige Größen ins Lineup, die Kruppe und David noch gar nicht angefragt hatten.

 

Wie soll man sich den Ablauf des DarkStream-Festivals vorstellen?

Inzwischen streamt ja gefühlt absolut jeder Club am Wochenende mindestens eine DJ-Setlist in die Welt hinaus. Das ist auch völlig in Ordnung und cool so. Doch nur von den Künstlern und Bands Videoclips einzusammeln, die zusammen zu schneiden und dann kommentarlos zu versenden, war uns zu wenig. Unser Vorbild waren schließlich die Offline-Festivals, wie wir sie alle lieben und vermissen.

Deswegen wollten wir ganz klar von einer Bühne aus eine Livemoderation bieten, die die einzelnen Clips ankündigt, die Zuschauer unterhält und halt soweit es möglich ist für das Feeling eines Offline-Festivals sorgen soll. Dass wir dazu die Moritzbastei als Partner gewinnen konnten, hat uns ganz besonders gefreut. Die ist für Pfingsten in Leipzig eine absolute Größe und spielt auch international als Club weit vorn mit.

Aber wir haben auch den Fokus von Anfang an weit gehalten. Daher wird es auch Lesungen von in der Schwarzen Szene bekannten Autor*innen, wie Kai Meyer, Bernhard Hennen und Luci van Org geben. Isa Theobald beschwört in ihrer Lesung Satan persönlich und Raquel Erdtmann, die charmante Gerichtsreporterin der FAZ, hat für uns skurrile Fälle aus dem Gerichtsalltag eingelesen.

Und nach ein Uhr nachts gibt’s dann in jeder Festivalnacht Sets von international bekannten DJ. Auch das ist ja bewährte Leipziger Pfingsttradition.

 

So eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen geht ja nicht über Nacht und das kostet auch Geld. Wie finanziert ihr euch und eure Arbeit fürs DarkStream-Festival?

Gute Frage. Die teilnehmenden Künstler werden unter ihrem Stream einen Spendenbutton haben, über den die Fans ihren Lieblingsacts einen kleinen Obulus zukommen lassen oder Merchandise kaufen können. Man darf nicht unterschätzen, dass es echt Arbeit macht, Videomaterial zu rendern, zu schneiden, einzuspielen, das ist teilweise deutlich höherer Aufwand als für ein Livekonzert. Obwohl wir überall große Solidarität erlebt haben, die von der Moritzbastei und deren Technikhelden bis zur Tankcompany reicht, die den Moderatoren die etwas stärkeren Getränke für den fortgeschrittenen Abend zur Verfügung stellt oder dem Flowerpower Club in Leipzig, der uns seine Bandunterkünfte für einen ganz kleinen Taler öffnet, fallen ja trotzdem Kosten an, die wir mithilfe des Verkaufs von Merchandise zu deckeln versuchen. Es wird also Festival-T-Shirts geben, mit Lineups und dem DarkStream- Logo wie in Wacken oder bei Rock am Ring.