FILM “Ein Bulle sieht rot” (Krimi / Polizieschi)

Online seit 20.06.2014

Originaltitel: Un Condé

Produktion: Frankreich / Italien, 1970

DVD-Veröffentlichung: 04.04.2014

Wertung: gut

Regie: Yves Boisset

FSK: 18 (nicht geprüft)

Darsteller: u.a. Michel Bouquet, Francoise Fabian, Gianni Garko…

Genre: Krimi / Polizieschi

Studio: Motion Picture

Inhalt:
Barbesitzer Roger Dassa mag saubere Geschäfte und verweigert dem mächtigsten Drogenboss Frankreichs die Zusammenarbeit. Da ein Nein in der kriminellen Unterwelt nicht akzeptiert wird, schickt ihm der “Mandarin” seine Schläger auf den Hals, die ihn kurzerhand vom Dach eines Parkhauses werfen. Nach Dassas Tod übernimmt seine Schwester Hélène die Geschäfte und erhält prompt Besuch der gefürchteten Handlanger. Als auch sie sich weigert, der französischen Mafia beim Verkauf der Drogen zu helfen, prügeln sie die Schläger bewusstlos und verwüsten die Bar. Dan Rover und Viletti, zwei alte Freunde von Dassa, wollen sich für den Tod ihres Freundes und die Attacke auf dessen Schwester auf altmodische Art revanchieren und statten dem Mandarin einen blutigen und bleihaltigen Besuch ab. Auf ihrer Flucht kreuzen sie die Wege der beiden Polizisten Barnero und Favenin. Die Begegnung von Gut und Böse endet für Barnero tödlich und in Favenin brennen die Sicherungen durch. Angetrieben von blinder Wut nach Rache begibt er sich im Alleingang auf die Suche nach den Mördern seines Freundes und schreckt dabei auch vor drastischen Methoden wie Mord, Folter und Falschaussagen nicht mehr zurück.

“Ein Bulle sieht rot” ist ein schönes Kleinod, welches Motion Picture im Rahmen diese DVD-Premiere zu neuem Leben verholfen hat. Der Filmtitel verspricht einen bluttriefenden Amoklauf, aber Yves Boisset (u.a. “Der Maulwurf” mit Lino Ventura) hat den Film eigentlich sehr ruhig angelegt. Unbedarfte Zuschauer sind im ersten Teil des Filmes nicht wenig erstaunt, dass zwei Personen, die man aufgrund der Erzählweise als Hauptfiguren identifiziert, über den Jordan gehen und Kommisar Favenin die Leitung übernimmt. Favenin (Michel Bouquet) wirkt äußerlich wie ein Steuerberater auf Tranquilizer, hat es aber faustdick hinter den Ohren, wenn er auf die Jagd nach den Mördern seines Freundes geht und er wandelt sich in einen eiskalten Vollstrecker, wenn er mit seiner unaufgeregten Art den Ganoven ans Leder will. Dieser Zwiespalt macht beim Schauen wirklich Spaß und schnell erkennt man, dass der Einfluss des Mandarin bis ganz nach oben reicht. Die Gefahr, dass ein Krimineller nach noch mehr Macht strebt, in dem er sich in die Hohe Politik wählen lassen möchte, war 1970 genauso ein Problem wie heutzutage und das macht den Film auf dieser Ebene leider zeitlos.

Der Film ist ein gelungener Krimi / Polizieschi, denn die Atmosphäre ist wirklich gut eingefangen. Düster bis hoffnungslos kommt mir die Stimmung vor und es ist ein ernster Film, der keinen Spaß versteht und auch keinen Spaß verbreiten will. Die “Jagd”, die Intrigen und Verwicklungen sorgen dafür, dass man geistig immer auf der Höhe bleiben sollte, denn wer kurz einpennt, hat sicher was wichtiges verpasst.

Es ist auch erstaunlich, dass die Sympathie des Zuschauers zwischen Favenin und Rover / Viletti hin und her pendeln, denn wer kann schon jemanden böse sein, der den Oberboss umlegt oder wer seinen Freund rächen will?! Eben. Dieser Film ist sehr vielschichtig und das macht ihn schon zu etwas Besonderem.

Mit hat der Film sehr gut gefallen und Freunden des altmodischen Kinos ist der Film ans Herz zu legen. (chris)

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